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19. April 2024
Lifestyle

BYD und MG: Newcomer und Aufsteiger aus Fernost

Der ferne Osten rückt näher – zumindest, soweit es Autos betrifft. Chinesische Marken haben bei Technik und Qualität nicht nur aufgeholt, sondern sind bereits drauf und dran, künftig den Takt vorzugeben. BYD und MG sind derzeit die Trendsetter aus dem Reich der Mitte.

Der BYD Seal U bei Sonnenuntergang auf der Straße
BYD hat Tesla bereits weltweit als E-Hersteller Nr. 1 abgelöst. Das jüngste Modell Seal U ist ein familienfreundlicher SUV mit Komplett­ausstattung zum attraktiven Preis. © Hersteller

Das Bekenntnis der EU zur E-Mobilität war einer der Türöffner für die chinesische Automobilindustrie. Sie hat im Bereich der Akku-Antriebe mindestens zehn Jahre Entwicklungsvorsprung. Das Kippen des Verbrenner-Verbots hat sie aber ebenfalls einkalkuliert: BYD und MG als die beiden größten Player auf dem heimischen Markt sind im Bereich der Benzin-Hybride ebenfalls gut aufgestellt und müssen den europäischen Mitbewerb hier nicht fürchten. In jedem Fall können sie durch die günstigere Fertigung mit niedrigen Preisen punkten.

Autos und Träume

Das Firmenmotto „Build Your Dreams“, englisch für „Bau deine Träume“, nimmt das Unternehmen, das 2005 den ersten Plug-in-Hybriden der Welt entwickelt hat, wörtlich. In den weniger als 30 Jahren seit der Gründung hat sich die Firma zu einem der Top-Konzerne weltweit gemausert. Nach fünf neuen Elektro-Modellen in den ersten Monaten auf dem österreichischen Markt folgt nun mit dem komfortablen SUV Seal U der sechste Streich. Mit 4,79 Metern Länge, 218 PS und Vorderradantrieb ist er für Familien mit viel Komfort- und Platzbedarf, aber nicht unbegrenzten Mitteln konzipiert.

41.990 Euro stellt BYD für das Modell „Comfort“ mit 71,8 kWh-Akku in Rechnung, 44.990 für die Variante „Design“ mit 87-kWh- Batterie. Die Basispreise der Hauptkonkurrenten Tesla Y und VW ID.4 liegen nach den jüngsten Preisstürzen auf ähnlichem Niveau. Allerdings bietet der Seal U um diesen Tarif bereits Vollausstattung, für die bei den anderen noch Extras um einige weitere Tausender fällig werden. Auch sein Reichweitenversprechen von je nach Akku-Kapazität 420 bzw. 500 Kilometern fährt er in Praxis mit nur geringfügigen Abweichungen zuverlässig ein.

Premium im Fokus

Noch heuer wird BYD auch mit seiner Zweitmarke Denza nach Europa übersetzen. Deren Modelle verfügen über ein vergleichbares Elektro-Set-up, zielen mit feinem Interieur und zusätzlichen Komfort-Features aber auf den gehobenen Publikumsgeschmack. Der kompakte Crossover N7 bietet etwa bereits KI-gestütztes autonomes Fahren auf Level 4, also ohne Eingriffe des Fahrers selbst im Stadtverkehr.

Mit der Premium-Marke Yangwang rollt BYD aktuell bereits den chinesischen Oberklasse-Markt auf. Der SUV U8 fährt dazu mit vier unabhängig steuerbaren Elektromotoren vor. Der 5,3 Meter lange Edel-Offroader mit bis zu 1.200 PS und 500 Kilometern Reichweite kann damit etwa im Stand wenden wie ein Panzer oder sich seitlich in eine Parklücke schieben. Als bisher teuerstes in China gebautes Auto kostet er dort umgerechnet etwa 125.000 Euro. 

Der Yangwang U9 hingegen ist ein elektrischer Supersportwagen. Er tritt mit 800-Volt-Technik, bis zu 1.300 PS und satten 2.000 Newtonmetern Drehmoment an. 0 auf 100 km/h soll er in einem Zwei-Sekunden-Wert schaffen, sein Spitzentempo jenseits der 300 km/h liegen. Dank Carbon-Chassis wird das Fahrzeuggewicht trotz großem 108-kWh-Akku unter 1,3 Tonnen gedrückt.

Aber auch am anderen Ende der Skala wird geliefert: Ein kleiner Kompakter unter dem ID.3-Gegner Dolphin, der vermutlich Seagull heißen wird, dürfte noch 2024 Europa-Premiere feiern. Der Preis soll um die 17.000 Euro liegen – bei mindestens 300 Kilometern Real-Reichweite. 

Von Electric zu Hybrid

Seit 2005 segelt die ehemals britische Traditionsmarke MG unter chinesischer Flagge. Die Neuaufstellung als Elektromarke mit attraktiven Modellen wie dem Kompakt-SUV ZS, dem Fünftürer MG 4 und dem Kombi MG 5 wurde mittlerweile auf Hy­brid korrigiert. Der jüngste Spross, der mit 4,1 Metern sehr handliche MG 3, fährt sogar mit neuen Varianten in der Kombination des 1,5-Liter-Benziners mit einem E-Motor vor. Er kann auf Knopfdruck zwischen dualem Antrieb, elektrischem Fahren aus dem Akku oder der „seriell“ genannten Option wechseln.

Einzelne Varianten davon bieten auch andere Hersteller, alle zusammen in einem Pkw bisher aber niemand. Optimal genutzt kommt der MG 3 Hybrid+ damit auf einen Verbrauch von nur 4,4 Litern je 100 Kilometer. Erhältlich ist der kleine Sparefroh bei uns ab dem zweiten Quartal dieses Jahres. Die Preise stehen noch nicht fest, gerechnet wird aber mit einem Einstiegstarif von unter 20.000 Euro.

Darf’s ein bisserl mehr sein?

Aber auch MG streckt sich nach oben. Mit dem Cyberster will sich die Marke Roadster elektrisch wiederbeleben. Das ist immerhin die Fahrzeuggattung, mit der sie dank den Klassikern MG A und B in Erinnerung ist. Die Wiederauferstehung später in diesem Jahr wird wegen des E-Antriebs still und leise passieren und trotzdem ein echter Kracher werden. Stolze 544 PS wird das zweimotorige und damit allradgetrieben Top-Modell aufbieten. Für den Sprint auf den ersten Hunderter vergehen so nur 3,7 Sekunden.

Mit auch nicht langweiligen 340 PS wird das ­Basismodell vorfahren und so in 5,2 Sekunden die Hundertermarke erreichen. Passend aufregend ist das Design: Es verbindet dezente Historien-Zitate mit extrem futuristisch-dynamischer Linienführung, inklusive Flügeltüren. Der Cyberster schaut schlichtweg schon im Stand verdächtig nach einem Strafzettel für Schnellfahren aus. Also: Wer im neuerdings so kreuzbraven Auto-Europa traut sich mitzuhalten?