Richtig gießen im Sommer: Worauf es wirklich ankommt
Vertrocknete Blätter, strohiger Rasen, hängende Triebe am Balkon: Sommerhitze macht Pflanzen das Leben schwer. Viele greifen dann reflexartig zur Gießkanne, treffen damit aber nicht immer die richtige Entscheidung. Eine Pflanzenexpertin erklärt, worauf es bei der Bewässerung an heißen Tagen tatsächlich ankommt.
Sobald die ersten heißen Tage kommen, laufen Gießkannen und Bewässerungssysteme auf Hochtouren. Wie viel das tatsächlich bringt, hängt aber weniger von der Wassermenge ab als von ein paar einfachen Grundregeln.
Timing schlägt Menge
Wer tagsüber beobachtet, wie Pflanzen schlapp wirken, greift oft erst nach Feierabend zur Gießkanne. Verständlich, aber nicht immer ideal. Tatsächlich profitieren Pflanzen am meisten von einer Wassergabe in den frühen Morgenstunden. Dann ist der Boden noch kühl, die Verdunstung gering und das Wasser kann tief ins Erdreich eindringen.
„Entscheidend sind die richtige Menge, der passende Zeitpunkt und die Art der Bewässerung. Ideal ist Regenwasser, denn es ist temperiert, mineralarm, schont Ressourcen und beeinflusst den pH-Wert sowie den Nährstoffgehalt des Bodens kaum.“
Besonders sinnvoll sei es außerdem, direkt an den Wurzelbereich zu gießen. Blätter und Blüten sollten möglichst trocken bleiben, denn Wassertropfen können Pilzkrankheiten fördern und empfindliche Pflanzen zusätzlich belasten.
Wasser speichern
Tägliches, oberflächliches Gießen bringt wenig, wie uns die Expertin verrät. Wer seltener, dafür durchdringender wässert, regt seine Pflanzen zur Bildung tieferer Wurzeln an, die Trockenphasen besser überstehen. Genauso entscheidend ist, wie lange die Feuchtigkeit im Boden gehalten wird. Eine Mulchschicht, etwa aus Rasenschnitt, Rindenmulch oder Miscanthus, schützt die Erde vor direkter Sonne und verringert die Verdunstung deutlich. Humusreiche, mit Kompost angereicherte Böden speichern Wasser ebenfalls länger und liefern gleichzeitig Nährstoffe nach. Ein Tipp aus der Praxis: Pflanzen dichter setzen, damit sich die Blätter gegenseitig Schatten spenden und der Boden weniger schnell austrocknet.
Durstige Gartenstars
Nicht alle Pflanzen haben den gleichen Bedarf. Gerade während der Blüten- und Fruchtphase benötigen Tomaten, Gurken, Zucchini oder Kürbisse beispielsweise besonders viel Wasser. Bleibt die Versorgung unregelmäßig, drohen Wachstumsprobleme und ein geringerer Ertrag. Auf Balkon und Terrasse verschärft sich das Problem zusätzlich, weil Kübel und Blumenkästen schneller austrocknen als Beete im Garten. Gleichzeitig warnt die Expertin vor dem Gegenteil: Staunässe in Untersetzern sollte regelmäßig weggeschüttet werden, damit Wurzeln nicht dauerhaft im Wasser stehen. Bei Zimmerpflanzen sei ohnehin oft zu viel statt zu wenig Wasser das Problem, vor jedem Gießen lohne sich daher eine kurze Fingerprobe in der Erde.
Gut vorbereitet
Wer für ein paar Tage verreist, sollte seine Pflanzen rechtzeitig vorbereiten statt erst kurz vor der Abfahrt. Beete profitieren von einer gründlichen letzten Wassergabe und einer frischen Mulchschicht, Kübelpflanzen lassen sich an einen halbschattigen, windstillen Platz rücken und eng zusammenstellen, wodurch ein feuchteres Mikroklima entsteht.
Mit Blick auf künftige, vermutlich noch heißere Sommer empfiehlt sich außerdem eine Pflanzenauswahl, die Trockenheit von Natur aus besser verträgt: Dazu zählen etwa Lavendel, Fetthenne, Katzenminze, Schafgarbe, Echinacea, Hauswurz, Storchschnabel, Salbei, Thymian, Rosmarin oder verschiedene Ziergräser. Auch robuste Sträucher und Gehölze wie Perückenstrauch, Garten-Hibiskus, Mönchspfeffer, Feldahorn oder Kornelkirsche kommen mit Hitzeperioden besser zurecht. Aber: Auch diese robusteren Arten benötigen laut Bayer-Grilz in der Anwachsphase noch ausreichend Wasser, erst danach kommen sie mit deutlich weniger Pflege aus.
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