Ein bedeutender Meilenstein ist erreicht: 2.225 Meter Tunnel wurden bereits vom neuen Wiental-Kanal gebohrt, 1.854 Tunnelringe gesetzt und mehr als 11.000 sogenannte Tübbinge verbaut. Damit ist rund ein Viertel der insgesamt neun Kilometer langen Röhre hergestellt.
Aktuell legt die Tunnelbohrmaschine „Krümel“ einen Zwischenstopp ein – und zwar im 22 Meter tiefen Serviceschacht Schlossallee mit Blick auf das Schloss Schönbrunn. Dort bekommt das gewaltige Schneidrad ein Service mit echtem Zahnarzt-Feeling: Reinigung des „Gebisses“, Austausch einzelner Zähne, Kontrolle der Schweißnähte. Der Aufenthalt dauert nur wenige Tage, dann geht es im 14. Bezirk weiter Richtung Auhof.
Für die Anrainer gibt es eine beruhigende Nachricht: Der Großteil der Arbeiten verläuft unterirdisch. Oberirdische Einschränkungen bleiben punktuell und werden rechtzeitig kommuniziert.
Klimaschutz und Lebensqualität
Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky betont die Dimension des Projekts: „Mit dem neuen Wiental-Kanal schützen wir den Wienfluss vor Verunreinigungen. Bis 2028 werden alle bestehenden Kanäle der angrenzenden Bezirke angeschlossen sein und das Kanalnetz bei Starkregen entlasten. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag für den Umweltschutz und die Lebensqualität der Wienerinnen und Wiener.“
Die Bauarbeiten erfolgen unter anspruchsvollen Bedingungen: wechselnde Geologie, enge Platzverhältnisse an der Oberfläche sowie zahlreiche unterirdische Querungen von Leitungen und Bauwerken. „Tunnelbau in der Stadt ist eine enorme Aufgabe“, so Czernohorszky, „Dieser Erfolg gibt Rückenwind für die nächsten Kilometer.“
Bedeutung für Penzing und Rudolfsheim-Fünfhaus
Auch in den Bezirken selbst wird der Fortschritt begrüßt. Bezirksvorsteherin und Tunnelpatin Michaela Schüchner aus Penzing unterstreicht die zentrale Bedeutung für den 14. Bezirk: Der Wiental-Kanal sei ein wichtiger Beitrag für alle angrenzenden Bezirke.
Bezirksvorsteher Dietmar Baurecht vom 15. Bezirk zeigt sich erleichtert, dass sich „Krümel“ trotz harten Bodens „nicht die Zähne ausgebissen hat“. Für Rudolfsheim-Fünfhaus bedeute das Projekt vor allem mehr Sicherheit bei gleichzeitiger Entlastung an der Oberfläche.
Nächster Abschnitt: Präzisionsarbeit nahe an Wohnhäusern
Während „Krümel“ serviciert wird, laufen die Vorbereitungen für den nächsten Abschnitt von der Schlossallee bis zur Kennedybrücke. Besonders heikel: Zwischen Philippsgasse und Gyrowetzgasse beträgt der seitliche Abstand zu Wohnhäusern teilweise nur drei Meter. Doch dafür gibt es sorgsam getroffene Sicherheitsmaßnahmen:
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Sorgfältige Begehungen und Dokumentation aller betroffenen Gebäude
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Vermessung bestehender Risse
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Permanente Überwachung von Grundwasserständen
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Kontrolle der Gleise der Straßenbahnlinien 10 und 60
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Schutz oder Verlegung lokaler Versorgungsleitungen
Zur genauen Analyse der Bodenverhältnisse wurden entlang der Strecke 110 Probebohrungen und 45 Rammsondierungen bis in 35 Meter Tiefe durchgeführt. Ergänzt werden diese Daten durch das Baugrundkataster der Stadt Wien mit rund 65.000 dokumentierten Probebohrungen aus früheren Projekten.
„Wir gehen mit bestmöglicher Vorbereitung und dem nötigen Respekt ans Werk“, so Andreas Ilmer, Direktor von Wien Kanal. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen und der eingesetzten Technik erwarte man keine unlösbaren Probleme.
Was aktuell umgesetzt wird
Der Fortschritt ist auch abseits der Hauptbohrung sichtbar:
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Fünf Flucht- und Rettungsstollen entlang der 2.225 Meter langen Strecke
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20 oberirdische Baufelder
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Vier unterirdische Auslaufkammern in den Wienfluss
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Zwei Rohrpressungen (u. a. vom Margaretengürtel zur Startröhre)
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Erneuerung einer Transportleitung von Wiener Wasser beim Preindlsteg
Zwischen Kefergasse und Preindlgasse wird zudem ein Hüllrohr mit 1,6 Meter Innendurchmesser unter dem Wienfluss gepresst. Nach Querung durch die Tunnelbohrmaschine erfolgt der Einbau der neuen Wasserleitung. Die Gesamtfertigstellung dieses Abschnitts ist für Februar 2027 geplant.
Information für Anrainer
Die meisten Arbeiten finden unterirdisch statt. Dennoch kann es zeitweise zu hörbaren Bohrgeräuschen kommen, insbesondere wenn die Tunnelbohrmaschine nahe an Kellern vorbeifährt. Die Vortriebsgeschwindigkeit beträgt mehrere Meter pro Tag – meist ist „Krümel“ innerhalb von ein bis zwei Tagen an einem Haus vorbeigezogen.
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