Story

COSMÓ im Talk: Mit dem „Tanzschein“ auf die ESC-Bühne

Mit gerade einmal 19 Jahren steht COSMÓ bald auf der wohl größten Bühne Europas. schauvorbei.at hat den Musiker und Studenten interviewt und mit ihm über seine künstlerische Reise, seine musikalischen Inspirationsquellen und seine Vorbereitung auf den 70. Eurovision Song Contest gesprochen.
Cosmó vertritt Österreich beim 70. Eurovision Song Contest im Mai in Wien. © ORF/Hans Leitner

Gerade erst ist er als Sieger aus dem österreichischen Vorentscheid hervorgegangen, nun richtet sich der Blick nach Europa: COSMÓ wird Österreich beim Eurovision Song Contest vertreten. Der gebürtige Ungar, der in Halbturn aufgewachsen ist und heute in Wien lebt, bringt mit „Tanzschein“ erstmals seit Jahren wieder einen deutschsprachigen Song auf die ESC-Bühne. Zwischen Proben, Konzeptarbeit und ersten Reaktionen nimmt sich COSMÓ Zeit für ein Gespräch.

schauvorbei.at: COSMÓ, wie geht es dir momentan und wie nimmst du die Ereignisse der vergangenen Tage und Wochen wahr?
COSMÓ: Ich glaube, ich bin noch mitten im Verarbeiten. So richtig verdaut habe ich das alles noch nicht, wahrscheinlich werde ich das erst nach dem ESC. Im Moment ist es ein ständiges Wechselspiel: Einerseits sehe ich, wie Leute den „Tanzschein“-Tanz nachmachen, und denke mir: „Wie geil ist das, bitte?“ Und im nächsten Moment sitzen wir schon wieder im nächsten Meeting und sprechen über Stage-Konzepte und Details der Performance. Die kurzen Momente dazwischen genießen wir sehr, gleichzeitig sind wir extrem fokussiert auf die Performance beim ESC.

schauvorbei.at: Du bist in Halbturn aufgewachsen und lebst heute in Wien. Wann hast du zum ersten Mal gespürt, dass Musik mehr ist als ein Hobby?
COSMÓ: Das ging eigentlich ziemlich schnell mit The Voice Kids. Ich habe mich damals beworben, weil es immer schon ein großer Traum war, Musik auf einer großen Bühne zu machen. Und plötzlich war ich nicht mehr einfach nur Schüler, sondern stand als Sänger im Fernsehen. Dieser Moment war echt krass und er hat mir unglaublich viel mitgegeben.

schauvorbei.at: 2022 hast du bei The Voice Kids Frank Sinatras „Strangers in the Night“ gesungen, außerdem hast du bereits ein eigenes Jazzstück komponiert und performt. Bald stehst du mit einem deutschsprachigen Popsong auf der ESC-Bühne. Wie blickst du selbst auf diese musikalische Entwicklung zurück?
COSMÓ: Ich finde diese Entwicklung extrem wichtig. Nur wenn man unterschiedliche Genres ausprobiert, merkt man, was einem wirklich entspricht. Lange war ich sehr auf Englisch fixiert, bis ich letztes Jahr mit meinem Produzenten Markus Pemer im Studio stand und wir uns gefragt haben: Was machen wir jetzt? Englisch hat sich plötzlich nicht mehr richtig angefühlt. Er hat mir dann geraten, mir kreativen Freiraum zu nehmen und alles zuzulassen. So sind wir auf Deutsch gekommen – und wenig später auch auf den Tanz.

schauvorbei.at: Es klingt, als wäre vieles einfach aus künstlerischer Freiheit und Neugier passiert.
COSMÓ: Ja, total. Man sagt zwar immer: „Sei du selbst“, aber für mich war es gar nicht so leicht zu erkennen, was dieses Selbst eigentlich ist und wer ich als Künstler sein möchte. Welche Sprache, welcher Stil, welche Botschaft? Diese Antworten findet man nur durchs Ausprobieren.

schauvorbei.at: Dein Künstlername COSMÓ ist dabei ein wichtiger Teil deiner Identität. Was erzählt er über dich?
COSMÓ: Er macht mir dieses musikalische Leben viel leichter, weil ich klar trennen kann: Das ist COSMÓ, das ist Ben. In der Uni bin ich Ben – eher ruhig und ein bisschen schüchtern. Auf der Bühne kann ich als COSMÓ alles rauslassen. Er ist ein anderer Mensch, aber immer noch ein Teil von mir. Meine Werte bleiben gleich, nur das Verhalten ändert sich. Und genau das liebe ich daran.

schauvorbei.at: Dein Song wird mit jenen von Künstlern wie Bilderbuch, Billie Eilish oder Bibiza verglichen. Wer inspiriert dich selbst?
COSMÓ: Billie Eilish auf jeden Fall – ich liebe diesen Do-it-yourself-Gedanken. Sie hat im Kinderzimmer angefangen, Musik zu machen, und das finde ich extrem inspirierend. Auch „Tanzschein“ war zuerst nur ein kleines Demo auf meinem Laptop. Und auch Cro beeindruckt mich sehr, weil er eine komplette Künstlerpersönlichkeit ist und vieles selbst gestaltet. Dieses Kreative macht mir riesigen Spaß.

schauvorbei.at: „Tanzschein“ ist aber mehr als nur ein Clubsong. Viele lesen ihn auch als Kritik am Verhalten mancher Clubbesucher. Warum war dir diese Ebene wichtig?
COSMÓ: Der Song basiert auf meiner ersten Cluberfahrung. Die Tierfiguren sind natürlich überzeichnet, aber sie stehen für veraltete Rollenbilder, die eigentlich der Vergangenheit angehören sollten. Uns war wichtig zu zeigen, dass es im Club ums Tanzen gehen soll – um Spaß, um Freiheit, ohne Zwang oder Erwartungen. Einfach Musik, Bewegung, Loslassen.

schauvorbei.at: Begleitend zum Song gibt es einen Tanz, der sich inzwischen zum Social-Media-Trend entwickelt hat. Wie ist diese Idee entstanden?
COSMÓ: Ganz spontan. Ich habe mir überlegt, dass wir für die Bühne sowieso eine Choreografie brauchen – also warum nicht etwas, das simpel ist, aber trotzdem eine kleine Challenge? Ich habe den Tanz meiner Mama gezeigt, sie war im Halbschlaf, und nach zehn Minuten hatte sie ihn drauf. Da wusste ich: Wenn sie das kann, kann es ganz Österreich. Dass es dann viral gegangen ist, freut mich natürlich riesig.

schauvorbei.at: Du hast gesagt, dir habe vor dem Vorentscheid noch ein Markenzeichen gefehlt, also hast du dich für einen blauen Stern entschieden. Was soll der blaue Stern erzählen?
COSMÓ: Das war eine ebenso spontane Idee, die eine Woche vor dem Live-Casting entstanden ist. Die ersten Versuche mit wasserfestem Eyeliner haben ehrlich gesagt nicht so gut funktioniert (lacht). Aber mir war klar: Neuer Stil, neue Sprache, neuer Künstlername – da braucht es auch ein visuelles Zeichen. Ich hätte nie gedacht, dass der Stern so stark mit mir verbunden wird, aber genau das war die Idee.

schauvorbei.at: Der Stern steht auch für den Kosmos, für große Ziele. Passt das zu dir?
COSMÓ: Total. Ich habe etwas Verträumtes. Ich setze mir gerne hohe Ziele, auch wenn sie unrealistisch erscheinen. Und rein optisch finde ich: Er schaut einfach ziemlich cool aus.

schauvorbei.at: COSMÓ singt auf Deutsch und damit tritt Österreich erstmals seit 2012 wieder mit einem deutschsprachigen Song beim ESC an. War das eine bewusste Entscheidung?
COSMÓ: Eigentlich nicht im klassischen Sinn. Nachdem ich beschlossen hatte, auf Deutsch zu schreiben, war klar: Dann muss auch der ESC-Song deutsch sein. Wir haben gar nicht so international gedacht, sondern eher an Vienna Calling. Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Wie funktioniert „Tanzschein“ international? Aber Tanzen ist eine universelle Sprache. Die besten Beispiele dafür sind Acts wie Käärijä oder Bad Bunny – man versteht nicht jedes Wort, aber das Gefühl kommt an. Und bei „Tanzschein“ steht genau das im Fokus.

schauvorbei.at: Du hast das Finale von Vienna Calling gewonnen und damit das Ticket für den ESC gelöst. Was ist dir durch den Kopf gegangen, als klar war: Jetzt wird es ernst?
COSMÓ: Ich habe es zuerst gar nicht realisiert. Ich habe wirklich noch einmal nachgefragt, ob ich jetzt wirklich zum ESC fahre. Es war ein unglaublich besonderer Moment, als die Band auf die Bühne gestürmt ist und wir uns alle umarmt haben. Zu sehen, dass etwas, das wir gemeinsam geschaffen haben, den Menschen gefällt – das war einfach crazy.

schauvorbei.at: Wie hat deine Familie reagiert?
COSMÓ: Sie sind unglaublich stolz. Meine Mama bleibt natürlich Mama – sie fragt trotzdem, ob ich am Wochenende Zeit habe und wie es mit dem Studium aussieht (lacht). Aber sie unterstützen mich, wo sie nur können. Dafür bin ich extrem dankbar.

schauvorbei.at: Österreich ist 2026 Gastgeberland. Macht das die Sache leichter, oder spürst du dadurch noch mehr Druck?
COSMÓ: Ich freue mich sehr!

„Wir feiern beim Eurovision Song Contest die größte Musik-Party der Welt – als Vertreter des Gastgeberlandes will ich natürlich mein Bestes geben.“
COSMÓ, Österreichs ESC-Act 2026

Auf der Bühne von „Vienna Calling“: COSMÓ während seines Live-Auftritts. © ORF/Hans Leitner

schauvorbei.at: Du studierst eigentlich Zahnmedizin in Wien und bereitest dich gleichzeitig auf den Eurovision Song Contest vor. Wie sieht ein ganz normaler Tag in deinem Leben derzeit aus?
COSMÓ: Normale Tage gibt es gerade eigentlich nicht mehr. Auch das Studium ist im Moment pausiert, der volle Fokus liegt auf dem ESC. Dass das überhaupt funktioniert, liegt vor allem an meinem Team, das mich begleitet, und dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

schauvorbei.at: Was hilft dir, Ruhe zu bewahren?
COSMÓ: Ich bin vor Auftritten oft fast zu ruhig. Deshalb versuche ich, mich gut aufzuwärmen, gerade bei all dem Tanzen. Was wir aber immer machen, ist, dass wir uns als Band noch einmal zusammenstellen, gemeinsam tief durchatmen und uns sagen: Wir machen unser Ding. Wenn man das Gefühl hat, dass man als Team bei sich bleibt und das durchzieht, überträgt sich das auch nach außen.

schauvorbei.at: Was soll das europäische Publikum nach deinem Auftritt fühlen?
COSMÓ: Am schönsten wäre, wenn die Leute außer Atem sind – vom Tanzen. Wenn sie wirklich mitmachen. Und ich hoffe auch, dass sie sehen, wie stark Österreich musikalisch ist. Dass hier richtig gute Musik entsteht und dass Österreich das kann.

schauvorbei.at: Egal, wie es ausgeht – wohin geht die Reise nach dem ESC?
COSMÓ: Zuerst einmal mit der U-Bahn nach Hause (lacht) – und dann ein Wochenende mit der Familie. Einfach kurz runterkommen, weil gerade alles sehr intensiv ist. Was danach passiert, verrate ich euch beim nächsten Mal (lacht).

Alles Gute für den ESC und vielen Dank für das Gespräch, COSMÓ!

Wordrap

Der ESC bedeutet für mich …
eine wilde Reise.

Auf der Bühne fühle ich mich …
total frei.

Das darf für eine gelungene Nacht im Club nicht fehlen …
gute Musik.

Für Österreich beim ESC anzutreten ist …
eine große Verantwortung und eine noch größere Ehre.

Sponsored
Sponsored
Das könnte dir gefallen:

Megacity Tokio in 48 Stunden

20 Jahre Liszt Zentrum Raiding: Programmreiche Jubiläumssaison

Kitzbühel: Der Frühling im Outdoor-Paradies

Werde jetzt schauvorbei-Newsletter Abonnent und bleibe immer auf dem Laufenden!
Leider konnten wir deine Anmeldung nicht abschließen. Versuche es bitte später erneut.
Die Anmeldung zum Newsletter war erfolgreich!
Sponsored