1843 erstmals für Besucher geöffnet, zählt die Hermannshöhle zu den traditionsreichsten Naturdenkmälern Niederösterreichs. 1968 übernahmen engagierte Höhlenforscher die Betreuung, seither wird das verzweigte Labyrinth nicht nur besucht, sondern auch intensiv erforscht. Mitten im Eulenberg gelegen, erstreckt sich die Höhle über 73 Höhenmeter – ein eindrucksvolles Zeugnis geologischer Urgeschichte.
Doch die Geschichte der Höhle reicht noch weiter zurück: Einer alten Überlieferung zufolge stürzte um 1790 ein Hirtenjunge beim Jagen von Wildtauben in das berüchtigte „Teufelsloch“ – eine dramatische Szene, die zur Entdeckung weiterer Höhlenräume führte. Seither heißt dieser Bereich der Höhle „Taubenloch“. 1838 wagte der Reiseschriftsteller Josef Adalbert Krickel einen dokumentierten Abstieg – der Beginn der schriftlichen Höhlenforschung. Nur fünf Jahre später erschloss Hermann Steiger von Amstein die unterirdischen Gänge weiter und gab der Höhle ihren Namen. Seit 1957 leitet elektrisches Licht den Weg durch die Dunkelheit, und seit 1968 wacht der Hermannshöhlen-Forschungs- und Erhaltungsverein über dieses einzigartige Naturerbe.
Wer die Hermannshöhle betritt, taucht ein in eine Welt aus filigranen Tropfsteinformationen und monumentalen Felskammern. Der Rundgang führt vorbei an tiefen Felsspalten und dem imposanten „Großen Dom“, während der „Spitzenvorhang“ mit seiner feinen Struktur zum Wahrzeichen der Höhle wurde. Dank konstanter sieben Grad und nahezu keimfreier Luft bietet die Höhle nicht nur spektakuläre Naturbilder, sondern auch perfekte Bedingungen für ihre tierischen Bewohner: Rund 3.000 Fledermäuse finden hier jedes Jahr ihr Winterquartier – darunter die seltene Kleine Hufeisennase, eine von insgesamt 17 nachgewiesenen Arten.
Die Hermannshöhle ist nicht nur ein Ort für staunende Besucher, sondern auch ein Hotspot der Forschung. Gemeinsam mit der ZAMG wird das sensible Höhlenklima überwacht, um den Einfluss des Klimawandels auf die artenreiche Fledermauspopulation zu erforschen. Hochmoderne Fotomonitoring-Systeme erlauben dabei faszinierende Einblicke in das verborgene Leben der Höhlenbewohner.
Und für alle, die sich selbst wie echte Höhlenforscher fühlen wollen, gibt es ein Abenteuerprogramm abseits der bekannten Pfade. Mit Helm, Stirnlampe und Gummistiefeln geht es hinein ins verwinkelte Labyrinth – ein unvergessliches Erlebnis unter der Erde.
- den 20 Meter hohen „Großen Dom“ im Zentrum des Höhlensystems
- die Tropfsteinformation „Spitzenvorhang“ – das Wahrzeichen der größten Höhle Niederösterreichs
- die seltene Fledermausart „Kleine Hufeisennase“, welche hier in großer Zahl überwintert
- das Kyrlelabyrinth: ein exklusiver Teil der Höhle, der nur bei erweiterten Führungen begehbar ist
- die Höhle bei einem 3D-Rundgang
- Neben den Fledermäusen leben in der Hermannshöhle auch kleinere Höhlentiere wie Trauermücken, Buckelfliegen und Tausendfüßler. Eine absolute Besonderheit ist der winzige Krebs Bathynella natans, der mit seinen 1,5 Millimetern Größe ausschließlich im Grundwasser der Höhle und sonst nirgendwo in Österreich vorkommt.
- Die Hermannshöhle ist Lebensraum und Winterquartier zahlreicher Tierarten. Insgesamt 17 verschiedene Fledermausarten wurden bislang nachgewiesen – damit gilt sie als artenreichste Fledermaushöhle Österreichs. Besonders häufig sind die Kleine Hufeisennase und die Fransenfledermaus zu beobachten.
- Der Führungsbetrieb startet im März mit der offiziellen Saisoneröffnung. Im Oktober kann die Höhle an Wochenenden und Feiertagen besucht werden, bevor die Saison im November endet.