Story

Der Stellwagen: Neues Exponat im Verkehrsmuseum Remise

Liebevoll restauriert und ab sofort zu sehen: Der Wiener Stellwagen ist der Neuzugang im Verkehrsmuseum Remise der Wiener Linien. Er ist eine Rarität und erzählt von den Anfängen der Wiener Öffis.
© Wiener Linien/Somin Wöhrer

Stellwagen waren pferdegezogene Wagen, die auf festen Routen zu fixen Preisen und nach Fahrplan fuhren. Besonders im 19. Jahrhundert waren sie ein wichtiges Verkehrsmittel für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen. Denn im Unterschied zum Fiaker oder anderen Lohnkutschen, die wie ein Taxi funktionierten und entsprechend teurer waren, beförderten Stellwagen Passagiere auf fixen Routen und zu festen Preisen. Der Betrieb war stark reguliert und folgte bereits klaren Fahrplänen und Tarifregeln. Damit waren Stellwagen das erste Verkehrsmittel für alle und der Vorläufer des heutigen Linienverkehrs.

Im Winter Stroh und Heu am Boden

Stellwagen verbanden das Stadtzentrum mit Vororten wie Gersthof, Meidling oder Hietzing sowie die verschiedenen Bahnhöfe. Eine zentrale Haltestelle befand sich am Stephansplatz, Haltestellen gab es unter anderem bei zahlreichen Hotels. Gefahren wurde meist im Viertelstundentakt oder sobald der Wagen voll war. Unterwegs konnten Fahrgäste zu- und aussteigen. Im Sommer verkehrten teils offene Wagen, im Winter war der Boden mit Stroh oder Heu ausgelegt. 

Eine Besonderheit: Der Ausstieg erfolgte auf der linken Straßenseite, da damals in Österreich noch Linksverkehr herrschte. Der Name leitet sich vermutlich vom älteren Begriff „Gestellwagen“ ab.

Exponat diente als Gartenlaube

Ende des 18. Jahrhunderts waren rund 800 Stellwagen auf über 100 verschiedenen Routen im Einsatz. 1917 wurde der Betrieb eingestellt – unter anderem aufgrund des Futtermangels für die Pferde während des Ersten Weltkriegs.

Das in der Remise ausgestellte Exemplar zählt zu den letzten bekannten seiner Art in Österreich. Erzeugt wurde es vermutlich von der 1844 gegründeten k.u.k. Hof-Wagenfabrik J. Rohrbacher, die im Bau solcher Fahrzeuge nahezu eine Monopolstellung besaß. Entdeckt wurde der Wagen in einem Straßenbahner-Garten in Hietzing, wo er als Gartenlaube diente. In einem aufwändigen Verfahren wurde er restauriert und in seinen ursprünglichen Zustand versetzt.

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