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25. Mai 2024
Ausstellung

Ofer Lellouche in der Albertina

Ofer Lellouche zeichnet sich durch seine Unverwechselbarkeit aus. Die Albertina zeigt Arbeiten des in Tunesien geborenen, israelischen Künstlers aus eigenem Besitz.

Holzzschnitt (190 x 290 cm) von einem stehenden Mann und einer liegenden Frau © Ofer Lellouche, Foto: Elad Sarig
Ofer Lellouche, Woman and Man I, 2011, Holzschnitt, 190 x 290 cm © Ofer Lellouche, Foto: Elad Sarig

Zerstörung, Verfall, verstümmelte, verbrannte Körper, entstellte Gesichter. Ofer Lellouche stellt den Menschen im Zustand seiner Zerstörung und existenziellen Vernichtung dar. Das Schaffen des in Tunesien geborenen, israelischen Künstlers wirft die älteste, universell gültige Frage nach der Existenz des Menschen auf. Die Frage nach dem Warum?

Das Fremdsein des Menschen in der Welt, des von Gott verlassenen Individuums, ist ein zu allen Zeiten und in allen Kulturen prominentes Thema. Lellouche nähert sich diesem auch vor dem Hintergrund seiner eigenen multikulturellen Identität. Jedoch ist dieses seit jeher und bis heute in der Geschichte des jüdischen Denkens von besonderer Stellung und Brisanz.

Fixierung auf die menschliche Gestalt – nackt und bloß

Lellouche begann in den 1970er-Jahren mit Videokunst und Malerei zu experimentieren. Bald hat er sich mit den verschiedensten Medien beschäftigt, darunter Zeichnung, Skulptur, Radierung und Holzschnitt. Sein Werk zeichnet sich durch eine Fixierung auf die menschliche Gestalt – nackt und bloß –, auf den Kopf und das Gesicht aus. Darin ist er Alberto Giacometti oder den Selbstporträts von Jim Dine verwandt, mit dem ihn eine enge Freundschaft verbindet. Wie oder warum seine dargestellten Körper entstellt wurden, wird nicht beantwortet. Die Verwüstung des geschundenen Kopfes wird nicht durch Verweise auf eine konkrete Ursache des Leids begründet. Nicht Krieg oder Unfall, Verfolgung oder Genozid schufen diese Monumente des verbrannten Hauptes und bloßgestellten Leibes.

Es ist eine allgemeine existenzielle Erfahrung des Leids, die Ofer Lellouche zu diesen Holzschnitten, Zeichnungen und Skulpturen drängt. Seine düsteren Figuren blicken uns teilnahmslos an. Trotz dieser Passivität, allein durch ihre Anwesenheit, konfrontieren uns diese Körper mit schockierender Kraft und mit unübertreffbarer Intensität mit der Seinsfrage.

Die ALBERTINA besitzt einige wichtige Holzschnitte und Skulpturen des Künstlers. Sie hat sie in verschiedenen Sammlungspräsentationen bereits gezeigt. Mit dieser Ausstellung erhält das Museum auch ein bedeutendes Konvolut seiner Zeichnungen und Druckgrafiken als Schenkung.

Tickets für die Albertina

Ofer Lellouche von 29. Juni 2023 bis 19. September 2023
Albertina Albertinaplatz 1
1010 Wien
info@albertina.at
01/534 83 0