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29. Mai 2024
Bühne

Ulrich Tukur liest Balladen

Ulrich Tukur, Olena Kushpler und Christian Redl stehen vor einer Tür mit alten Glasfenstern © Brinkhoff-Moegenburg
„Vom Zauber einer verwehenden Sprache“ nennen Ulrich Tukur, Olena Kushpler und Christian Redl ihr Programm. Zu erleben am 29. September im Akzent. © Brinkhoff-Moegenburg

Vom Zauber einer verwehenden Sprache
Mit Ulrich Tukur und Christian Redl; Klavier: Olena Kushpler

In einer Zeit zunehmender Zerstörung der Sprache und gleichzeitiger visueller Überreizung wollen Ulrich Tukur und Christian Redl nochmal an die Anfänge, an den Ursprung von Theater erinnern. Den Text, die Sprache, mit der man eine gute Geschichte erzählt.

Beide sind in ihrer Jugend mit den großen Gedichten deutscher Sprache in Berührung gekommen. Ulrich Tukur durch seinen Vater, der an seinem Bett Goethe und Schiller rezitierte. Christian Redl durch die legendären Abende und Plattenaufnahmen Klaus Kinskis.

Neben ihren Lieblingsgedichten haben sich beide für diesen Abend dazu noch eine zu Unrecht fast in Vergessenheit geratene Form ausgesucht: Die Ballade. Den meisten heute nur noch als quälende Erinnerung aus dem Deutschunterricht bekannt. Aber wie der Kriminalroman lebt sie von Spannungsmomenten und Knalleffekten. Und wie in diesem verwandten Genre geht es immer um Mord, Ehebruch, Verführung, Kindsmord und unerwiderte Liebe. Wie schon Friedrich Schiller, selbst ein begeisterter Balladenschreiber, bemerkte.

Oft sind ganz volkstümliche Geschichten von Mord und Totschlag, Spukerscheinungen der Liebe und Untreue die Quelle. Sie beschreiben immer wieder den Konflikt des Einzelnen mit der Gesellschaft. Außerdem stellen sie die ewigen Fragen nach Gerechtigkeit, Schicksal und Schuld. Aber, wenn man genau liest, findet man die Nähe zum Bänkelsang, zu Komik und Kolportage, Sex und Crime. Wie eine alte Boulevard-Zeitung auf literarisch höchstem Niveau.

Nur mit ihrer Stimme und ihrer Mimik zaubern Ulrich Tukur und Christian Redl mit Texten von Goethe über Fontane bis zu Brecht und Enzensberger phantastische Welten auf die Bühne, die, weil es immer um Schicksale von Menschen geht, tief berühren. Die Pianistin Olena Kushpler reagiert am Klavier auf die Texte mit Musikstücken, die oft zeitgleich zu den Gedichten entstanden sind.

Vom Zauber einer verwehenden Sprache am 29. September 2023 von 19.30 Uhr bis 22 Uhr
Akzent Theater Theresianumgasse 18
1040 Wien
01/50165 13306