Story

Farbe statt Leerstand: Der APA-Turm wird bunt

Nach 21 Jahren Stillstand kommt Bewegung in eines der auffälligsten Areale Döblings: Rund um den ehemaligen APA-Turm in der Gunoldstraße soll ein neuer Stadtteil für Wohnen und Arbeiten entstehen. Den ersten sichtbaren Auftakt setzt ein Kunstprojekt der Superlative – mit Österreichs größtem Wandgemälde auf 1.100 Quadratmetern.
© MA 21/Christian Fürthner

Am ehemaligen APA-Hochhaus in der Gunoldstraße 14 wird derzeit an der Westseite ein Gerüst errichtet. Danach entsteht auf der Fassade des 52 Meter hohen Turms mit „In Equality“ das größte Wandgemälde Österreichs. Gestaltet wird es vom spanischen Urban-Street-Art-Künstler Okuda San Miguel, der damit erstmals ein Werk auf einer Fassade in Österreich realisiert. Seine farbintensive Bildsprache aus geometrischen Formen und hybriden Figuren macht gesellschaftliche Ungleichheiten sichtbar und setzt zugleich ein Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Offenheit. Dass das Werk ausgerechnet am ehemaligen APA-Turm entsteht, ist dabei kein Zufall: „Wo früher Nachrichten produziert und verbreitet wurden, trägt bald eine Fassade im öffentlichen Raum eine Botschaft nach außen“, sagt Jakob Kattner, Kurator und Vorstandsvorsitzender von Calle Libre.

San Miguel selbst sagt über das Projekt: „Beim Projekt ‚In Equality‘ bildet die Architektur des APA-Turms den Ausgangspunkt, wobei die Form des Gebäudes einen visuellen Dialog mit seiner Umgebung schafft. Ich habe dafür eine Komposition entworfen, die von Farbe, abstrakter Geometrie und Dekonstruktion geprägt ist. Ich lade die Bevölkerung dazu ein, den städtischen Raum damit aus einer neuen, lebendigen und spannenden Perspektive zu betrachten.“ Rund drei Wochen seien für die Umsetzung auf 1.100 Quadratmetern eingeplant. Am 7. Mai soll die Komposition gemeinsam mit einem Bürger-Beteiligungsevent eröffnet werden.

Auftakt für ein neues Stadtviertel

Mit diesem „StartKUSS“ soll zugleich die Entwicklung des rund 2,5 Hektar großen Areals im südlichen Teil des Stadtquartiers Muthgasse beginnen. Die Stadt Wien, der Grundstückseigentümer BUWOG und die Wiener Street-Art-Organisation Calle Libre wollen das Gelände rund um den früheren APA-Turm aus seinem Dornröschenschlaf holen. Geplant ist ein Ensemble, das Wohnen und Arbeiten in innovativer Weise verbindet. Ein urbaner Platz mit großzügiger Grün- und Freiraumgestaltung soll künftig den Mittelpunkt des Quartiers südlich der Gunoldstraße bilden.

„Wir befinden uns auf einem Gelände, das schon über zwei Jahrzehnte vor sich hinschlummert. Dieser Leerstand begleitet mich fast mein ganzes Stadträtinnen-Dasein, umso mehr freue ich mich, dass jetzt endlich Bewegung in die Sache und ins Grätzl kommt. Wir wollen attraktiven Wohnraum, Arbeitsplätze und natürlich Grün- und Erholungsflächen schaffen. Eng verbunden mit dem Planungsprozess starten wir ein Bürger*innenbeteiligungsverfahren, bei dem Interessierte ihre Ideen und Vorschläge direkt vor Ort im coolen Ambiente des neuen Kunstobjektes einbringen können“, sagt Planungsstadträtin Ulli Sima.

Kunst als Signal des Aufbruchs

Auch für die BUWOG markiert das Projekt einen besonderen Startpunkt. „Als Bauträger ist es uns eine große Ehre, an diesem prägenden Stadtentwicklungsgebiet maßgeblich beteiligt zu sein-in nicht allzu ferner Zukunft werden hier zahlreiche neue Wohnungen und Arbeitsplätze entstehen. Darüber hinaus versteht sich die BUWOG seit jeher als Förderin von Kunst und Kultur, deshalb freuen wir uns sehr, hier am Standort Heiligenstadt gemeinsam mit der Stadt Wien und Calle Libre einem Künstler und zugleich gesellschaftlich relevanten Themen eine Plattform zu geben“, so Andreas Holler, Geschäftsführer der BUWOG. „Damit gelingt es uns einmal mehr, Kunst der Öffentlichkeit frei zugänglich zu machen – und das in diesem Fall sogar von weithin sichtbar.“

„Jedes Mal, wenn ich in den letzten Jahren am alten APA-Turm vorbeigefahren bin, hat es mir als Architektin fast ein bisschen im Herzen wehgetan: So viel ungenutzter Platz, so viel grauer Beton im Dornröschenschlaf. Umso mehr freue ich mich, dass wir diesen ‚Elefanten im Raum‘ jetzt endlich ansprechen und angehen. Dass der Startschuss ausgerechnet mit Street Art fällt, ist für mich ein echtes Highlight. Es zeigt, dass Stadtentwicklung nicht trocken sein muss, sondern laut, bunt und voller Haltung sein darf. Wenn ich mir vorstelle, dass hier bald Menschen wohnen, im Grünen sitzen und an einem Ort arbeiten, der lange nur eine leere Hülle war, dann ist das genau das Wien, das ich so liebe: Eine Stadt, die ihre Geschichte nutzt, um mutig Neues zu schaffen“, sagt NEOS-Planungssprecherin Selma Arapović.

Döbling soll neues Leben bekommen

Auch aus dem Bezirk kommt Rückenwind für die Neuentwicklung. „Das Projekt signalisiert einen Aufbruch im Stadtquartier. Als Bezirksvorsteher von Döbling ist es mir besonders wichtig, dass Wohnraum sowie auch Grün- und Erholungsflächen für die Bewohner*innen in Döbling so attraktiv wie möglich gestaltet werden. Wir werden die weiteren Planungsschritte selbstverständlich begleiten und dem Quartier neues Leben einhauchen“, so Daniel Resch, Bezirksvorsteher Döbling.

Ähnlich formuliert es die stellvertretende Bezirksvorsteherin Mahboobeh Bayat: „Das Wandgemälde „In Equality“ steht als kraftvolles Symbol für Zusammenhalt, Vielfalt und Zukunft. Dieses Projekt ist weit mehr als ein außergewöhnliches Kunstwerk im öffentlichen Raum: Es ist der Startschuss für einen Transformationsprozess in Döbling, der zeigt, dass vieles nicht so bleiben muss, wie es ist, sondern besser werden kann. Damit wird Döbling bunter, lebendiger und noch lebenswerter.“

Mitreden vor Ort und online

Die Planung soll von Anfang an Hand in Hand mit Bürgerbeteiligung laufen. Am 7. Mai findet von 15 bis 19 Uhr direkt vor Ort in der Gunoldstraße 14 beim APA-Tower, im Rahmen der kulturellen Zwischennutzung „Wild im West“, ein Beteiligungsfest für den neuen Stadtteil statt. Führungen durch das Planungsgebiet beginnen um 16 Uhr und um 17 Uhr. Vor Ort können sich Interessierte über die Planungen informieren, mit den Planern sprechen und eigene Ideen, Anregungen und Vorschläge einbringen. Wer an diesem Termin nicht teilnehmen kann, soll seine Wünsche auch online einbringen können: Ab 7. Mai ist der Link unter www.wien.gv.at/stadtplanung/gunoldsued freigeschaltet.

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