Story

KI bis Quanten: Minister Peter Hanke über die Zukunft Österreichs

Innovation ist für Peter Hanke mehr als ein politisches Schlagwort: Sie soll Österreichs Lebensqualität und Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern. Im Interview spricht der Bundesminister über neue Schlüsseltechnologien wie KI und Quantentechnologie und erklärt, weshalb gerade die Ostregion ein wichtiges Zukunftslabor für Österreich ist.
Peter Hanke ist seit März 2025 Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur. © David Visnjic

schauvorbei.at: Herr Bundesminister, Sie sprechen häufig davon, dass Mobilität und Infrastruktur keine ideologischen Themen sind, sondern Fragen der Lebensqualität für alle Menschen. Was konkret bedeutet das für Sie?
Peter Hanke: Ich möchte nicht auf Bilder einzahlen, die gegen etwas sind, denn ich glaube, auch in der Mobilität muss man die Dinge gemeinsam denken. Was meine ich damit? Verschiedene Verkehrsträger, verschiedene Dienstleister müssen zueinanderfinden. Und deshalb halte ich nicht viel davon, dass wir den Pkw gegen den Zug in den Raum stellen oder das Flugzeug gegen die Bahn. Das hilft uns nicht, für eine moderne Mobilität zu sorgen. Deshalb ist mein Appell, hier offen zu arbeiten, zu planen und umzusetzen. Alle, die in diesem Bereich tätig sind, müssen dafür sorgen, dass die Menschen möglichst schnell und möglichst leistungsfähig von A nach B kommen. Lebensqualität im täglichen Bereich für uns alle in Österreich ist sehr, sehr wichtig.

schauvorbei.at: Wir leben in einer Zeit permanenter Krisen und Unsicherheiten. Welche Bedeutung hat eine stabile Infrastruktur auch für das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung?
Peter Hanke: Eine stabile Infrastruktur bedeutet – um mit einem neumodischen Wort zu antworten – Resilienz. Österreich hat über die vergangenen achtzig Jahre bewiesen, dass es auf die Infrastruktur achtet, dass sie ausgebaut und auf hohem Niveau gehalten wird, sodass auch in Krisenfällen sichergestellt werden kann, dass Menschen mit der gewohnten Qualität reisen können. Und diese gewohnte Qualität beim Reisen bedeutet auch, dass man stabile Preise anbietet.

All das, was bei einem Blackout bzw. in Krisen wichtig ist, wird von unseren großen Unternehmen geübt, um so sicherzustellen, dass wir alle mit Verkehrssicherheit auch in schwierigen Zeiten reisen können und am Arbeitsplatz, in der Schule und an unseren Freizeitorten ankommen.

schauvorbei.at: Die Politik steht heute massiv unter Erwartungsdruck. Warum braucht es aus Ihrer Sicht mehr Umsetzen und weniger reine Problembeschreibungen?
Peter Hanke: Die Problembeschreibung kennt jede Österreicherin und jeder Österreicher selbst. Und wir wissen, woran es da oder dort mangelt. Wir wissen aber auch, dass Österreich eines der reichsten Länder weltweit ist. Wir müssen sicherstellen, dass wir für die Zukunft die richtigen Projekte, die richtigen Ausbauschritte vornehmen. Gerade im Mobilitätsbereich ist wichtig, dass wir einen Lückenschluss im Bereich des hochrangigen Straßennetzes vornehmen. Bei der Bahn ist wichtig, dass wir teilweise einen viergleisigen Ausbau vornehmen und Hochgeschwindigkeitszüge anbieten. Und natürlich ist auch die Konnektivität im Flugverkehr wichtig, um internationalen Tourismus und Wirtschaft entsprechend anzukurbeln. Also alles Bereiche, in denen wir den Menschen mit handfesten Projekten beweisen müssen, dass wir Politik zum Angreifen machen. Das erwarten sich alle von uns. Und hier ist diese Bundesregierung angetreten, das auch zu liefern.

schauvorbei.at: Infrastrukturprojekte gelten als starke Konjunktur- und Beschäftigungsmotoren. Welche Wirkung haben sie konkret?
Peter Hanke: Als Republik investieren wir große Summen in den Verkehrsbereich. Bei den Österreichischen Bundesbahnen sind es rund zwanzig Milliarden Euro in einem Zeitraum von sechs Jahren. Rund zwölf Milliarden Euro fließen ins hochrangige Straßennetz. Das sind Investitionen, die die Wirtschaft ankurbeln, denn jede Milliarde, die investiert wird, sichert Arbeitsplätze und schafft Wertschöpfung. Um es konkret zu machen: Eine Milliarde Euro sichert rund 10.000 Arbeitsplätze und schafft Wertschöpfung in Höhe von 1,4 Milliarden Euro. Investitionen sind also wichtige Faktoren, die den Wettbewerbsstandort Österreich groß machen, aber auch die Qualität des Lebens im positiven Sinne stark beeinflussen.

schauvorbei.at: Wie eng hängen moderne Infrastruktur und sichere Arbeitsplätze heute zusammen?
Peter Hanke:
In einem hohen Ausmaß. Wir müssen dranbleiben, weiterhin Schritte setzen, die andere nach hinten verschoben haben. Ich erinnere an teilweise schwierige Situationen in Deutschland, wo man jetzt einen Aufholprozess starten muss. Wir müssen unsere Verkehrsträger so ausbauen, dass wir alles Nötige für Sicherheit und Qualität tun, und zwar generationsübergreifend. Das heißt, Sicherheit und Qualität müssen nicht nur jetzt, sondern auch für die kommenden zwanzig oder fünfundzwanzig Jahre gesichert sein. Und eines ist ganz klar: Infrastrukturprojekte sind langfristige Projekte. Sie haben einen langen Vorlauf, führen dann aber zu neuen Qualitäten. Und deshalb muss man auch Baustellenbereiche da oder dort oft anders sehen. Baustellen vergehen, die Qualität bleibt und wird noch besser. 

schauvorbei.at: Gerade auch die Ostregion entwickelt sich wirtschaftlich sehr dynamisch. Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht dabei Schlüsseltechnologien wie Mobilität oder Energieversorgung?
Peter Hanke:
Eine Metropole zieht immer neue Themen an. Gerade in der Ostregion sind wir sehr technologisch unterwegs. Es braucht aber auch Guidelines seitens der Politik, in denen sich Wirtschaftsunternehmen gut entwickeln können. Das bedeutet, dass die Politik und auch mein Ministerium alles zu tun haben, um hier die richtigen Förderungen und Unterstützungen auf den Weg zu bringen. Das machen wir mit einer Reihe von Möglichkeiten über die FFG, über das AIT und andere Organisationen, wo wir beweisen, dass wir einerseits gemeinsam mit Unternehmen arbeiten können, aber auch Schlüsseltechnologien ganz bewusst fördern. Schlüsseltechnologien wie KI, Quanten und ähnliche Themen sind Gebot der Stunde für Österreich, um an vorderster Front in Europa zu stehen. Wir haben uns mit der Industriestrategie vorgenommen, zu den Top 10 der wettbewerbsfähigsten OECD-Länder zu gehören. Das ist ein großes Ziel und da ist wichtig, nicht mit der Gießkanne im finanziellen Bereich auszuleeren, sondern bewusst auf Spitzenfelder zu setzen. Und diese Spitzenfelder sind in der Industriestrategie verankert.

schauvorbei.at: Innovationen sind zunehmend eine Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit. Wie verändern sich die Anforderungen an Unternehmen und Arbeitnehmer?
Peter Hanke:
Für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist wichtig, die richtige Ausbildung zu absolvieren und sich in die richtige Richtung zu entwickeln. Eines der Nebenprodukte der Industriestrategie ist die Vorgabe, dass wir für die definierten Spitzenfelder speziell ausgebildetes Personal benötigen. Und da müssen wir Partner der Österreicherinnen und Österreicher sein. Da muss es uns gelingen, für KI, Quantenthemen oder neue Materialien zu kämpfen und dafür Sorge zu tragen, dass wir auch die richtige Unterstützung, den richtigen Turbo für Unternehmen zünden können. Auf der anderen Seite sind Unternehmer und Investoren natürlich auch gefordert, sich diesen Themen zu stellen und mitzuhelfen, Österreich an die Spitzenposition zu bringen. Es ist also eine gemeinschaftliche Aufgabe, auf die wir uns hier besinnen müssen. Aber eine, die wir seit achtzig Jahren geliefert haben und die nichts Neues für uns ist. Wir müssen nur in neuen Bereichen optimieren.

schauvorbei.at: Welche Chancen entstehen durch neue Mobilitäts- und Energietechnologien vor allem auch für heimische Betriebe und für Fachkräfte?
Peter Hanke:
Es tun sich neue Geschäftsfelder auf. Das zeigt das Beispiel automatisiertes Fahren. Wir gehen jetzt mit einer neuen Verordnung neue Wege und wollen Testfelder eröffnen. Dort, wo es touristisch wichtig ist, wollen wir automatisiertes Fahren durchaus lernen. Das heißt, es muss Bewusstseinsbildung bei uns allen stattfinden, aber es muss auch der Industrie Zeit und Möglichkeit gegeben werden, diese Testfelder auszurollen. Und da geht es um ein intelligentes Miteinander für die Zukunft des Standorts.

schauvorbei.at: Worauf wird es in Zukunft ankommen bei dieser Kooperation zwischen Forschung und Industrie, was ist sozusagen das Geheimrezept?
Peter Hanke:
Wie schon in den letzten Jahren wird es vielmals auf Digitalisierung ankommen, die mit KI in eine neue Höhenlage versetzt wird. Auch Sensorik und Robotik werden zunehmend wichtig und führen zu Veränderungen der Themen. Insbesondere im Mobilitätsbereich beweisen wir – unter anderem auch mit der Asfinag –, dass wir bereit sind, diese neuen Themen zu besetzen. Denken Sie an die A10, wo wir dem Thema Staubildung eine neue Qualität im Sinne des Verminderns und Verhinderns geben wollen. Oder daran, dass wir über unsere Staatsgrenzen hinaus mit Deutschland und Italien gemeinsame Sache machen wollen, um eben zu beweisen, dass wir uns in diesem Europa keine Grenzen setzen dürfen. Wir müssen Mobilität sehr groß denken, um entsprechende Möglichkeiten für Unternehmen am Standort bieten zu können. Das ist Qualität, wie wir sie uns in Zukunft vorstellen.

schauvorbei.at: Warum ist die Fokussierung auf Schlüsselthemen aus Ihrer Sicht besonders wichtig?
Peter Hanke:
Es ist aus finanzieller Sicht nie leicht, in Spitzenfelder zu investieren. Und man darf nicht den Fehler machen, überall Spezialitäten zu sehen und überall an die Spitze kommen zu wollen. Wir müssen uns positionieren. Deshalb hat die Industriestrategie neun Spitzentechnologien und Stärkefelder definiert, in denen wir jetzt schon sehr gut sind und in denen wir beweisen können, dass wir noch einmal einen Schritt nach vorne gehen. Im Mobilitätsbereich zum Beispiel können wir aufgrund von Unternehmen, die seit Jahrzehnten am Standort Österreich produzieren, Schwerpunkte setzen, die einen unglaublichen Impact im Bereich der Innovation bringen können.

Die Stärkefelder müssen ausbalanciert und unterstützt werden. Wir müssen Sorge tragen, dass wir uns mit ihnen gut an einem Markt wie Europa beteiligen können. Aber auch den Wettbewerb mit asiatischen Ländern und dem amerikanischen Raum dürfen wir nicht scheuen. Wir haben auf Augenhöhe zu planen, Innovationen voranzutreiben und am Ende auch zu produzieren.

schauvorbei.at: Viele Menschen sind besorgt, wie es in Zukunft mit ihren Jobs weitergeht. Wie kann man es schaffen, aus dieser Strategie letztlich Arbeitsplätze für die Zukunft zu generieren?
Peter Hanke:
An sich ist der Markt ein Thema, der Entwicklungen vorgibt. Diese Entwicklungen, so wie wir sie jetzt über die Industriestrategie ausgeführt haben, können wir unterstützen. Wir können sie priorisieren, wir können sie verstärken. Und dafür brauchen wir natürlich die Menschen, die in diesen Bereichen arbeiten wollen und natürlich auch gut ausgebildet sind. Das bedeutet, dass wir schauen müssen, dass wir den Menschen in der Mitte sehen und mitnehmen, dass wir gewisse Arbeitsfelder, die vielleicht der Vergangenheit angehören, ausklammern und in neue Bereiche verlagern. Dafür müssen wir uns der Ausbildung, der Höher- und Weiterqualifizierung widmen. Und das hat sich diese Bundesregierung über das AMS vorgenommen.

schauvorbei.at: Das Thema Energie ist derzeit immer wieder Bestandteil von diversen Krisenszenarien und hat gezeigt, wie wichtig eine unabhängige Energieversorgung ist. Welche Lehren hat Österreich ganz konkret aus der derzeitigen Situation gezogen?
Peter Hanke: Wir haben in vielen Bereichen bereits große Schritte gesetzt. Die Österreichischen Bundesbahnen fahren mittlerweile zu hundert Prozent mit grünem Strom und mit Photovoltaik und Windenergie sind wir in vielen Regionen Musterbeispielgeber. Diesen Weg müssen wir geschlossen weitergehen. Wir müssen unsere Netzqualitäten verstärken, die Erneuerbaren im Fokus halten und natürlich auch die Mobilität darauf abstimmen. Daher war uns in der Industriestrategie einmal mehr wichtig, dass wir Unternehmen einen Industriestrompreis anbieten können und so eine Wettbewerbsgleichheit mit unseren Nachbarn in Deutschland, aber auch in der Schweiz gegeben ist.

schauvorbei.at: Ich möchte ganz kurz noch auf das Burgenland zu sprechen kommen. Dort entsteht derzeit eine ganz spannende Kombination aus unterschiedlichen Formen von Energie. Windkraft, Photovoltaik, aber auch Speichertechnologien werden erforscht und entwickelt. Wie wichtig sind solche Modellregionen für die allgemeine Energiewende?
Peter Hanke:
Natürlich sehr, sehr wichtig. Und ich freue mich, dass ich in meiner Rolle als Bundesminister gemeinsam mit Landeshauptmann Hans Peter Doskozil einen der größten Windparks eröffnen durfte. Dort wird gezeigt, wie moderne Technologie in der Umsetzung funktioniert. Das ist beispielgebend für die gesamte Ostregion und darüber hinaus. Ich kann nur alle Bundesländer und alle Vertreter immer wieder auffordern, diesen Technologien ein großes Augenmerk zu schenken. Teilweise ist Überzeugungsarbeit notwendig, teilweise können wir legistisch einiges dazu beitragen. Hier sind neue Energiegesetze auf den Weg gebracht. Uns ist wichtig, bei Windparks möglichst schnell in die Umsetzung zu kommen. Das Burgenland ist in diesem Bereich sicher einer der Vorreiter.

schauvorbei.at: Sie haben es geschafft, im Klimaschutz ein Innovations- und Wirtschaftsaufschwungsprogramm zu sehen. Was ist Ihr Zugang zu dieser Thematik?
Peter Hanke:
Ich glaube, es geht immer um Effizienz und Leistungsfähigkeit. Und wenn man da noch die Innovation ergänzt, hat man ein Bündel an Aktivitäten, die die Zukunft beschreiben. Wenn wir in diese Bereiche einzahlen, kommt in der finanziellen Logik wieder einiges in die Volkswirtschaft Österreich zurück. Wir müssen also mutig nach vorne gehen, um dann einen Ertrag ernten zu können. Dafür bedarf es natürlich eines Wollens aller, das auf breiter Basis gesichert werden muss. Und deshalb ist wichtig, dass wir Vorzeigeprojekte haben, Pilotprojekte, mit denen wir beweisen können, dass wir es technologisch verstehen, aber auch diesen Mut, von dem ich gesprochen habe, aufbringen, den nächsten Schritt zu gehen. Ich sehe eine junge Bevölkerung, die sehr offen ist, eine gut ausgebildete Menge an Menschen, die sagt, dass sie in diesem Österreich weiterhin die besten Lebensqualitäten vorfinden will. Und das geht nur dann, wenn wir – angefangen bei der Ausbildung über die Forschung bis zur angewandten Forschung und dem Unternehmertum – eine gemeinsame Rolle einnehmen. Das kann eine Bundesregierung tun. Hier sind wir in der Verantwortung und das wollen wir in den nächsten Jahren unter Beweis stellen.

schauvorbei.at: Wo sehen Sie speziell in Sachen Jobs die größten Chancen für die junge Generation?
Peter Hanke:
Die duale Ausbildung hat in Österreich einen Erfolgslauf genommen. Wir wissen, dass wir Praxis und Theorie gemeinsam lehren können und dass das sichere Arbeitsplätze für die Zukunft sind. Dabei geht es um ganz klassische, aber auch um neue Berufsformen. Wir werden spezialisiertes Personal brauchen, und das mit der dualen Ausbildung zu ermöglichen, ist den Sozialpartnern und mir ein großes Anliegen.

Auch im Bereich der Hochschulen wird es weiterhin Spezialisierungen geben. Damit können junge Menschen davon ausgehen, dass sie eine qualitative, hochwertige Ausbildung erhalten und dass sie danach in Österreich bleiben können, weil wir sie brauchen und weil sie in den neuen Spitzenfeldern einen sicheren Arbeitsplatz finden werden. Das heißt, wir können diesen Baustein der Ausbildung und der Vorbereitung liefern und die Jungen können dann diesen Weg gehen. Ich bin sicher, das wird funktionieren.

schauvorbei.at: Vielen Dank für das Gespräch!

Sponsored
Das könnte dir gefallen:

Seefestspiele Mörbisch: Probenstart für „Ein Käfig voller Narren“

Blätterlogistik mit Mehrwert: Burgenland versorgt Schönbrunns Tiere

Bieramisu: Süßes Rezept für den Vatertag

Werde jetzt schauvorbei-Newsletter Abonnent und bleibe immer auf dem Laufenden!
Leider konnten wir deine Anmeldung nicht abschließen. Versuche es bitte später erneut.
Die Anmeldung zum Newsletter war erfolgreich!
Sponsored