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25. Mai 2024
Bücher & Medien

Maple Creek-Romanreihe: Frühlingsgefühle in Kanada

Trifft ein großes Schriftstellerherz auf einnehmendes Sprachgefühl und ein schier unerschöpfliches Ideen-Reservoire, dann hat das Lottosechser-Potenzial. Gerlinde Friewald ist ein Doppel-Jackpot. Die vielseitige Bestsellerautorin ist vielen aus dem Thriller-Genre bekannt. Unter dem Pseudonym Olivia Anderson veröffentlicht sie die beliebte Maple Creek-Romanreihe.

Autorin Gerlinde Friewald
Autorin Gerlinde Friewald alias Olivia Anderson. © photopam

Vor der wild-romantischen Naturkulisse Kanadas erlebt der Freundeskreis um Hotelerbin Molly und Zimmermann Nat im pittoresken Örtchen Maple Creek alles, was das Leben in petto hat: Liebe, Krisen, finanzielle Nöte, Humoriges, Intrigen, Tränen und Happy Ends. Doch wer hier flache Schmachtfetzen wittert, der täuscht. Und wie. Im Zentrum der sensiblen Erzählungen stehen Freundschaft statt Flirt-Rochaden, Mitmenschlichkeit statt Melodram. Und das Bewusstsein, dass gelebter Zusammenhalt uns als Gesellschaft stärker macht. 

Love Language

Ein humanistisches Leitmotiv, das der Autorin auch privat ein Anliegen ist: „Die Bücherreihe beginnt zwar mit einer Liebesgeschichte, entwickelt sich aber zu etwas Größerem. Der Fokus liegt auf dem Füreinander-Dasein der Freunde“, erklärt Friewald und zwinkert: „Aber keine Sorge, die Romantik kommt nicht zu kurz!“ Nach „Wiedersehen“ und „Neuanfang“ erscheint am 18. April „Stürmische Zeiten in Maple Creek“ als Taschenbuch. Das „Sommerglück“ folgt am 19. Juni, bevor sich mit (be-)sinnlichem „Winterzauber in Maple Creek“ der Jahreskreis schließt

Leseprobe: Stürmische Zeiten in Maple Creek

Noch wagte Dorothy jedoch nicht, das Wort Liebe auszusprechen. Es war zu mächtig, um leichtfertig damit umzugehen. So leidenschaftlich sie empfand, bedeutete Liebe für sie etwas, das man nicht allein durch ein jähes Aufwallen der Gefühle erleben konnte. Es lag nichts Heißblütiges und Wildes in der Liebe, sondern war ein tiefer, nahezu ehrwürdiger Zustand, der durch die zuverlässige Verbindung zweier Menschen entstand. Liebe war Schweigen in Harmonie und Einklang, Verliebtheit hingegen voller Worte und überbordender Begeisterung – und sie war begeistert.

Jede einzelne Faser ihres Körpers sehnte sich nach Jack, und er war stets in ihren Gedanken, egal was sie tat. Selbst die Tatsache, dass sie ihn so sehr vermisste, empfand sie als schön und besonders. Es war ein süßer Schmerz, der sie lächeln ließ. Was die Zukunft wohl für sie beide bereithielt?

Folgten sie diesem wunderbaren Weg, lag es nahe, dass sie nicht ewig eine Fernbeziehung führen konnten. Zunächst war es aufregend, sich in Maple Creek zu treffen und Pläne zu schmieden, wann sie nach Toronto oder Jack zu ihr nach New York fliegen würde, diese Spannung würde sich jedoch mit der Zeit legen. 

Dorothy war nie an einem festen Platz verwurzelt gewesen und hatte an einigen Orten gelebt. Als Schriftstellerin war sie zudem nicht gebunden – ihren Laptop konnte sie allerorts aufstellen. Aber auch Jack als Architekt war an keinen bestimmten Schreibtisch gefesselt, wobei sich für ihn ein Umzug komplexer gestaltete als für sie. In Toronto hatte er sich in seinem Beruf einen guten Namen gemacht, überall anders würde er von null beginnen. 

Mit einem Seufzer trank Dorothy einen Schluck Wein. Noch mochte sie gar nicht so weit in die Zukunft blicken, sondern einfach die Gegenwart voll auskosten. Sich in dieser Weise allein auf ein Gespräch zu freuen und erst recht auf die bevorstehende gemeinsame Woche, durfte durch nichts in den Hintergrund gedrängt werden.

Als das Telefon endlich klingelte, nahm Dorothy sofort ab. „Darling! Ich habe es mir schon gemütlich gemacht und auf dich gewartet.“

Jack lachte. „Ausgezeichnet. Mir musst du bitte aber einige Minuten Zeit geben, um mich zu entspannen. Ich bin gerade erst heimgekommen. Der Tag war stressig, und auf der Heimfahrt habe ich zu allem Überfluss im Stau gestanden.“

„Gibt es Schwierigkeiten bei deinem neuen Projekt?“

„Ach, ich möchte dich nicht damit langweilen, Babe. Die Bürokratie verzögert ein Vorankommen. Wir warten auf einige Genehmigungen, die wiederum anderer Bestätigungen bedürfen, die noch nicht bei uns angelangt sind. Mühsam und lästig“, entgegnete er.

Dorothy bewegte das Handy so, dass Jack ihren Körper sah. „Hilft dir der Anblick vielleicht, auf andere Gedanken zu kommen, Darling?“

Jack spitzte die Lippen. „O ja, und ob.“ Er strich sich über das Kinn. „Lass uns bitte davor etwas besprechen, sonst kann ich mich nicht mehr darauf konzentrieren, was ich dir sagen muss.“

„Okay. Was denn?“ Dorothy schwenkte wieder zurück zu ihrem Gesicht und unterdrückte ein leises Gefühl der Enttäuschung. Sonst konnte Jack es kaum erwarten, dass sie zu dem sehr persönlichen Teil ihrer Gespräche übergingen.

„Es geht um unser Treffen in Maple Creek, Dorothy …“

„Ich freue mich so sehr. Endlich darf ich dich richtig spüren. Hunderte Kilometer schrumpfen auf null – die Zahl wird demnach meine Glückszahl“, reagierte sie postwendend.

„Mir geht es gleich, es ist allerdings ein Problem aufgetreten. Ich werde mich keine ganze Woche freimachen können. Genau genommen muss ich bereits am Montag zurück nach Toronto.“

Ein Schauer durchlief Dorothys Körper, und sie schnappte nach Luft. Es fühlte sich an, als hätte jemand einen Eimer eiskaltes Wasser über sie ausgegossen. „Dann haben wir nicht mal drei volle Tage für uns.“

„Mir gefällt das genauso wenig wie dir, aber es geht nicht anders. Es tut mir leid.“

Kurz schwieg Dorothy. Das durfte doch nicht wahr sein! Sie hatte sich nicht einfach nur auf diese Woche gefreut. Es war enorm wichtig, dass sie einander besser kennenlernten, und dafür benötigten sie gemeinsame Zeit. Lass dich nicht hinunterziehen! Denk positiv und finde rasch eine Lösung, dachte sie und begann im selben Moment zu überlegen. Im Grunde war es egal, wo sie waren: Maple Creek, Toronto oder sonst irgendwo. Zufrieden lächelte sie. „Und wenn ich am Montag mit dir nach Toronto fahre? Ich buche meinen Rückflug um. Lass mich noch einen Blick in den Kalender werfen, wie meine Termine liegen. Gegebenenfalls kann ich sogar zwei oder drei Tage länger bleiben.“

„Nein. Ich bin von früh bis spät im Einsatz. Wir würden uns kaum sehen. Das bringt nichts, zumal ich den Kopf auch nicht für die Arbeit freihätte. Es tut mir wirklich leid“, entgegnete Jack.

Alles in Dorothy verkrampfte sich, und sein Nein hallte wie ein Echo in ihr wider. Hatte sie gerade gemeint, unter einer kalten Dusche zu stehen, befand sie sich nun inmitten eines Hagelsturms mit riesigen Körnern.

Aufbau der Maple Creek-Reihe

  1. Wiedersehen in Maple Creek
  2. Neuanfang in Maple Creek
  3. Stürmische Zeiten in Maple Creek
  4. Sommerglück in Maple Creek
  5. Winterzauber in Maple Creek – Hörbuch

Alle Bücher gibt es hier.