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26. Mai 2024
Familie

Windelpopo: Wenn der Baby-Popo Probleme macht

Dr. Karin Jahn-Bassler, Fachärztin für Dermatologie (Zusatzfach für Angiologie) im Gespräch mit schauFAMILIE über Windeldermatitis – eine ebenso häufige wie schmerzhafte Hauterkrankung unserer Kleinsten.

Lächelnder Vater hält lachendes Baby im Arm.
Ein gesunder Popo sorgt für mehr Wohlbefinden und glückliche Babys. © Getty Images

schauFAMILIE: Warum ist die Pflege vom Windelpopo so wichtig? Wie geht man dabei am besten vor?

Dr. Karin Jahn-Bassler: Die Haut im Windel­bereich wird konsequent stark durch die Reibung der Haut mit dem Windelmaterial beansprucht. Verstärkt wird dies durch die Tatsache, dass die Windel ein geschlossenes, mit Urin bzw. Stuhl gefülltes System darstellt und ein feucht-warmes Klima hat, also eine „feuchte Kammer“ ist. Die Feuchtigkeit in der Windel lässt die Haut aufquellen und stört ihre natürliche Barrierefunktion. 

Da Vorbeugung besser und einfacher ist als der Heilungsprozess bei einer Hautreizung, sollten Eltern die ABCDE-Regel (siehe Kasten) kennen. Auf diese Weise sorgen sie dafür, dass sich der Po des ­Babys nicht entzündet, und können eine schmerzhafte Windeldermatitis vermeiden. 

Wie kann es zu einer Windeldermatitis kommen und wie erkennt man sie?

Die Windeldermatitis ist eine sehr häufige Hauterkrankung im Säuglingsalter und tritt oft plötzlich innerhalb von Stunden auf. Zahnen, scharfes, saures und stark zuckerhaltiges Essen (bei gestillten Kindern auch der Mutter) oder schwere Infekte können am Anfang stehen. Ebenso können auch hautreizende Stoffe im Stuhl bzw. Urin (Ammoniak), die falsche Reinigung der Haut oder Unverträglichkeiten auf Windeln oder Cremen Auslöser sein. Häufig besteht auch eine Pilzinfektion mit Hefepilzen (Candida albicans), in schweren Fällen kann eine bakterielle Besiedelung zu schmerzhaften Wunden führen. Auch zu häufiges Waschen mit nicht ph-neutralen Seifen kann zum Austrocknen der Haut führen und so die Entstehung begünstigen. Ebenso können auch bei Babys Unverträglichkeiten gegenüber Inhaltsstoffen von Waschmitteln, Seifen, Salben, Cremen oder Windeln auftreten.

Bei einer Windeldermatitis sind der Po- und Genitalbereich unscharf gerötet/geschwollen/schuppend (das Gesäß, die Leistenregion, die Oberschenkel ­sowie die äußeren Geschlechtsorgane). In seltenen Fällen kann sich die Windeldermatitis auch bis auf den Rücken und den Unterbauch erstrecken. Bei ­einem Pilzbefall (Windelsoor) zeigen sich zudem nässende Pusteln.

Was tut man bei ihrem Auftreten am besten?

In den meisten Fällen heilt eine Windeldermatitis innerhalb weniger Tage folgenlos aus. Leider gibt es aber auch Kinder, die über den gesamten Zeitraum ihrer „Windelkarriere“ immer wieder unter starken Ausbrüchen leiden. Umso wichtiger sind vorbeugende Maßnahmen wie häufiges Windelwechseln. Sofern das Kind wach ist, bitte die Windel stündlich kontrollieren; wenn das Kind Durchfall hat, noch häufiger – in dem Fall empfiehlt sich auch ein Aufbau des Darmmikrobioms von „innen“ mit Probiotika. 

Wichtig ist, atmungsaktive Windeln zu verwenden, sodass die Luft vom Inneren der Windel nach außen zirkulieren kann. Die hohe Atmungsaktivität kann dann dazu führen, dass sich die ­Windel außen feucht anfühlt. Es empfiehlt sich ein Wechsel der Windelmarke, wenn unter laufender Therapie keine Besserung auftritt, und die Windeln eine Nummer größer zu kaufen, damit die Reibung etwas reduziert wird.

In welchen Fällen muss man einen Arzt aufsuchen?

Reichen die gängigen Windelschutzcremen nicht aus und kommt es zur Entstehung von offenen Wunden, dann suchen Sie bitte schnell einen Arzt auf. Ebenso, wenn das Kind Schmerzen beim Wechseln der Windel hat.

Tritt die Windeldermatitis öfter auf oder helfen die vorbeugenden Maßnahmen nicht, dann sollte der allgemeine Gesundheitszustand des Kindes untersucht werden. Das Kind könnte an Allergien, einem schwachen Immunsystem oder chronischen Darmerkrankungen leiden. 

Warum ist Babys Haut so besonders sensibel und worin unterscheidet sie sich von der Erwachsenenhaut? 

Ganz allgemein unterscheidet sich die Haut des Kleinkinds noch bis ins zweite Lebensjahr deutlich von der eines Erwachsenen. Unter anderem ist sie bis zu einem Fünftel dünner, Hornschicht und Säureschutzmantel sind noch nicht stabil.

Zusätzlich verunsichert, dass ­Babyhaut gerade in den ersten Lebensmonaten oft gerötet oder etwas schuppig ist. Die Haut des Neugeborenen macht einen radikalen Wechsel durch – von der komplett feuchten Umgebung im Fruchtwasser an die relativ trockene Luft der Außenwelt. 

Oft werden ganz allgemeine Fehler bei der Baby­pflege gemacht, wie das Abwaschen der Käseschmiere, das Kind wird zu häufig oder aber zu ­selten gebadet, Baden mit zu warmem Wasser – die Temperatur sollte zwischen 35 und 37 Grad betragen –, eincremen mit „puren“ Speiseölen wie Olivenöl, die Haut wird nach dem Baden trocken gerieben, sollte aber abgetupft werden, „gewaltvolles“ Entfernen des Milchschorfs – bis hin zu blutiger Kopfhaut.

Windelpopo: Die ABCDE-Regel

So beugen Sie einer Windeldermatitis bzw. einem Windelpopo vor

  • Air (Luft): Kinder ohne Windeln bekommen keine Windeldermatitis, deshalb so oft wie möglich Luft an die Haut lassen. 
  • Barriers (Barrieren): Sorgen Sie für eine gute Regeneration der Hautbarrieren. Eine Creme mit Zink kann als Barriere dienen, um die Haut vor Urin und Kot
    zu schützen. 
  • Cleansing (Reinigung): Ein häufiger Windelwechsel, behutsame Reinigung und gründliches Trocknen des Intimbereichs bilden die Voraussetzungen für eine -gesunde Babyhaut im Windelbereich. 
  • Diapers (Windel): Bevorzugen Sie besonders saugfähige Windeln mit hoher Aufnahmekapazität. 
  • Education (Schulung): Aufgeklärte Eltern können Hautreizungen bei ihren Kindern vermeiden, denn sie wissen, worauf sie achten müssen. 

Dr. Karin Jahn-Bassler

FÄ für Dermatologie, Zusatzfach für Angiologie in der Kinderarztpraxis Schumanngasse