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19. April 2024
Genuss

Cucina Itameshi im Dogenhof: Grandioses Cross-Over

Im Dogenhof in Wien-Leopoldstadt verbindet sich die japanische mit der italienischen Küche zu beglückender „Umaminess“.

Küche im Dogenhof in der Totale
Die Cucina Itameshi im Dogenhof konzentriert sich auf italienisch-japanische Kochtechniken. © Sandra Jedliczka

Als die Mochi-Eigner ernsthaft über die Anmietung vom Dogenhof nachdachten, war schnell eine kulinarische Skizze entwickelt. Venedig, Ita­lien, die weitgereisten Dogen, ­deren Handelsimperium schon früh bis nach Asien reichte.

Die japanische und die italienische Küche sinnvoll miteinander zu verbinden, ist kein einfaches Unterfangen und ein Albtraum für alle, die gerne über Authentizität referieren. Eddi Dimant unternahm zu diesem Zweck im Herbst gemeinsam mit seinem Berliner Küchenchef-Freund The Duc Ngo auch ausführliche Erkundungstouren durch Italien. Das Ergebnis in der Cucina Itameshi im Dogenhof ist beglückend und durchaus unique.

Perfekte Umami-Attacke

Das opulente Goldambiente sorgt für prunkvolle Rahmenbedingungen. Die unzähligen individuellen Ausstattungsdetails machen das Lokal auf Anhieb kultig. Salopp gesagt, wird in der Mehrheit der servierten Gerichte die perfekte Umami-Attacke gepflegt. Etwa wenn eine kleine mild-süß-cremige Burrata auf einer Sauce aus in Sojasauce ­gekochten Algen zum Liegen kommt. Oder wenn die herrlich mürben rohen Beef-Scheiben in einer Dashi-Sojasauce-dominierten Marinade mit Wasabi, Parmesan und eingelegten Zwiebeln ein neues Bild des gängigen Carpaccio ergeben. Brokkoli bekommt den Kick mit reichlich Miso und Messermuscheln bekommen mit XO-Sauce einen erstaunlichen neuen Auftritt.

Die verwendeten Produkte sind wie erwartbar von höchster Qualität, haben durch die Bank den allerbesten Stammbaum. Das gilt für die luftig-leichte Focaccia ebenso wie für Mozzarella di Bufala oder Fisch. Sehr spannend die Pasta-Neuinterpretationen. Tortellini in brodo haben hier eine Fülle aus Shrimps und Prosciutto und werden in einer intensiven Tsuyu-Dashi serviert. Für Cacio e pepe kommen hier statt Spaghetti dicke Tsukemen-Nudeln zur Anwendung, die Sauce dominiert rohes Eigelb.

Tiramisu – ein Muss

Und wer hätte das gedacht: Das Tiramisu ist hier punkto Qualität eine ziemlich endgültige Version. Heißt: Besser geht’s nicht. Wir sprechen hier von Cremeschichten und nicht von der mancherorts üblichen Biscotti-Variante. Muss man nehmen, so wie auch Pannacotta, schneeweiß mit herrlich kräftigem Obers-Ton und einem belebenden Olivenöl-Honig-weißer-Balsamico-Mix on the top.

Eddi Dimant, Tobi Müller und deren Teams haben mit der Gründung des Mochi vor mehr als einem Jahrzehnt Frohsinn und Lächeln in die Wiener Gastronomie gebracht. Eine atmosphärische ­Eigenschaft, die sich neben den kulinarischen Qualitäten zum Glück auch in den ­danach erfolgten „Extensions“ im Mochi-Imperium durchgesetzt hat. So passt dann auch auf Anhieb der Spirit im neuesten Wiener Gas­tro-Hotspot, der Cucina Itameshi im Dogenhof auf der Praterstraße. Die Freundlichkeit des kompetenten Service ist nach wie vor nur mit inter­nationalen Standards und nicht mit der gängigen Wiener Grant-Scha­blone zu messen.

Artikel aus A La Carte 01/2024