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18. April 2024
Genuss

Frühlingserwachen im „Ziegelwerk“: Wo der Genuss aufblüht

Passend zur Blütezeit der Kulinarik haben wir mit den Gastronomen Julia Weber und Werner Tschiedel über ihre Reise von New York zurück ins Burgenland gesprochen und darüber, warum das „Ziegelwerk“ in Wimpassing an der Leitha mehr als nur ein Restaurant ist.

Werner und Roland Tschiedel stehen mit Julia Weber vor dem Gasthaus Ziegelwerk
Gemeinsam mit Julia Weber erneuerten Werner und Roland (r.) Tschiedel das Ziegelwerk. 2018 erfolgte die Eröffnung. © Nicole Heiling

Im Frühling, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Natur in ein lebhaftes Grün tauchen, erwacht auch das Gasthaus „Ziegelwerk“ in Wimpassing an der Leitha aus seinem Winterschlaf. Seit 2018 zaubern Julia Weber und Werner Tschiedel als Gastgeber Köstlichkeiten aus Österreich und aller Welt. Mit seiner Kombination aus authentischer Küche und dem Charme rustikaler Ziegelwände erweist sich das Gasthaus als ein wahres Genussparadies.

Von New York nach Wimpassing

Alles begann, als sich Julia Weber und Werner Tschiedel bei einem Catering in New York kennenlernten. Neben Inspirationen für Speisen und dem Optimismus der New Yorker entdeckten die beiden ihre Leidenschaft fürs Kochen. Nach unzähligen Restaurantbesuchen in der Großstadt wurden viele Ideen und Kreationen für die eigene Küche geboren. „In New York war man schon damals der Zeit voraus, was das Angebot von Speisen angeht. Diese moderne Welt der Kulinarik hat uns motiviert, unser eigenes Ding zu machen. Nach meinen Ferialpraktika in Österreich konnte ich in New York außerdem zum ersten Mal richtige Kochtechniken erlernen“, erzählt der burgenländische Haubenkoch. Julia Weber ergänzt die süße Seite der Gourmetkunst. Als Quereinsteigerin aus der Wirtschaft absolvierte sie eine Patisserie-Ausbildung und machte in den USA ihr Hobby zum Beruf.

2010 kehrten die beiden zurück nach Österreich und folgten verschiedenen Stationen in der Wiener Küche. Ihre Geschichte in der Haute Cuisine reicht vom „Motto am Fluss“ zum Restaurant „Kussmaul“ bis zur Übernahme des „Coté Sud“. Als aber schließlich die Kinder kamen, war es Zeit für einen Neuanfang im Burgenland. „Es war schon immer mein Traum, in meiner Heimat mein eigenes Restaurant zu eröffnen“, erzählt Werner Tschiedel.

Geschichte neu serviert

Nach jahrelangem Stillliegen des Familienbesitzes wurde das Ziegelwerk vor rund zehn Jahren Stück für Stück wieder zu neuem Leben erweckt. Was früher der Ziegel- und Kalkerzeugung diente, ist jetzt ein kulinarisches Highlight im Nordburgenland. „Durch die Renovierung der Architektur bleibt ein Teil der Geschichte des Ziegelwerks erhalten. Das ist uns sehr wichtig, weil oft Leute zu uns kommen und über die Zeit von früher erzählen.“ So blieb der Grundriss des Bauwerks erhalten und Teile wie die Säulen oder der ehemalige Steinbrecher wurden renoviert. Eine Besonderheit ist der einstige Kalkofen, der nicht nur ein wahrer Blickfang, sondern auch das Wahrzeichen des „Ziegelwerk“ ist.

Kulinarische Vielfalt aus Österreich

Beim Thema Hingucker darf im „Ziegelwerk“ das kulinarische Feuerwerk nicht unerwähnt bleiben. Von typisch österreichischen Gerichten wie dem selbst hergestellten Bio-Sauerteigbrot bis zur modernen Wirthausküche ist im „Ziegelwerk“ alles zu finden. Besonders verzaubert wird der Gaumen mit Fisch und Fleisch aus Österreich, Wild aus dem Leithaland und Produkten von kleinen Bauern. Durch die eigene Tierverarbeitung von beispielsweise Aubrac-Rindern werden die Regionalität und Qualität der Köstlichkeiten sichergestellt. Bauern aus der Region liefern große Teile eines Tiers und Werner Tschiedel zerlegt sie eigenständig und mit großer Sorgfalt im Gasthaus. „Dabei achten wir auf eine möglichst nachhaltige Verwertung des Tieres. Wenn wir es zerlegen, versuchen wir, so viele Speisen wie möglich daraus zu kreieren. Die Bandbreite reicht von Burger über Beef Tatar bis hin zu Roast Beef.“

Als Mitglied der Initiative „Leithaland“ wird allerdings nicht nur auf regionale Produkte gesetzt. Auch das wirtschaftliche Wachstum des Leithalands spielt eine große Rolle für das „Ziegelwerk“. Durch Arbeitsplätze für Menschen aus der Region wollen die Gastgeber zum Wirtschaftsfaktor Burgenland beitragen.

Handwerkliche Kochkunst

„Wir versuchen, für die Gäste einfach und verständlich zu kochen, aber auf hohem Niveau. Eine ehrliche Küche, wo wir transparent angeben, woher unsere Produkte kommen und wie wir sie verarbeiten, ist uns wichtig. Produkte wie Eier, Fleisch oder Fisch erhalten wir von Bauern aus der Region. Alles andere stellen wir selbstständig bei uns im Haus her. Jede einzelne Speise wird mit großer Handwerkskunst und viel Liebe zubereitet“, erklärt uns Julia Weber.

Die gebürtige Vorarlbergerin lässt ihre Heimat ebenfalls in die Küche miteinfließen: „Mein Zuhause ist bei uns dabei mit Käse und Schnaps.“ Kein Wunder also, dass die Vorarlberger Käsknöpfle ein besonderer Gästeliebling sind. Auch mit der süßen Seite des Lebens kennt sie sich bestens aus, denn von Eis über Kuchen bis Sorbets und Sirupe geht alles durch Julia Webers Hände. „Werner ist die salzige Seite, ich die süße, und den Rest macht das ,Ziegelwerk’ selbst“, erzählt uns die Patissière. Inspirationen für ihre Speisen kommen entweder aus Kochbüchern oder sie sind Teamwork. „Oft hat einer eine Idee, und dann kommt noch jemand anderem eine Idee dazu, und so entstehen unsere Gerichte.“

Ein Paradies für Genießer

Auch zukünftig soll das „Ziegelwerk“ ein Genusszentrum für alle Sinne bleiben. „Wir wünschen uns auch für die Zukunft, dass die Gäste das Essen, das auf den Tisch kommt, weiterhin schätzen. Es steckt sehr viel Handwerk, aber vor allem auch Liebe in jeder einzelnen Speise.“