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16. April 2024
Europa Reise

Doppeltes Inselglück auf Usedom und Rügen 

Die beiden bekanntesten Inseln Mecklenburg-Vorpommerns atmen noch die Kaiserzeit. Aber Usedom und Rügen zeigen auch, wohin sich die Trends beim Urlaub am Meer entwickeln.

Blick auf die Ahlbecker Seebrücke bei Sonnenuntergang
Die Ahlbecker Seebrücke versprüht Romantik pur. © Usedom Tourismus GmbH / Dirk Bleyer

„Ab nach Usedom und Rügen!“ Jahrzehntelang war eher Ruf nach den Ländern des Mittelmeers zu vernehmen. Heute tritt aber immer stärker der Norden in den Fokus von Reisefreudigen, speziell die Küsten Deutschlands. Bei der unaufhaltsamen Suche nach alternativen Ferienzielen am Meer wird die deutsche Ostsee immer populärer. Schließlich hat Mecklenburg-Vorpommern mit Usedom und Rügen gleich zwei attraktive Ferienziele, die sich immer größerer ­Beliebtheit erfreuen. 

Das Flair von anno dazumal

Usedom ist mit über 2.000 Sonnenstunden und beeindruckenden 42 Kilometern durchgehenden Sandstränden so etwas wie die Karibik des Nordens. Große Teile der Küste sind völlig unverbaut und vermitteln wirkliches Insel­gefühl. 

Bei unserer Ankunft strahlt die Sonne jedenfalls in voller Pracht vom Himmel; und das in angenehmer Wärme, um auch in der Natur aktiv zu sein. Dazu kommen teils beeindruckende Unterkünfte: Campingplätze, die sich naturnah im Küstenwald gleich hinter den Dünen verstecken etwa; oder gemütliche Ferienhäuser und Pensionen, die nach der Wende liebevoll auf Hochglanz gebracht wurden; oder wahre Prachthotels mit historischem ­Anstrich, die Ferien hier auf Topniveau ­anbieten, wie zum Beispiel das Travel Charme Strandidyll Hotel in Heringsdorf – beste Lage direkt am Strand mit Panoramaausblick auf die Ostsee.

Pudrig weiß ist der Sand, und das Wasser zwar nicht karibisch warm, aber zum Schwimmen doch angenehm. Lediglich das Handling der Liegestühle sorgt anfangs für Verwirrung. Ein Strandkorb ist schließlich eine eigene Wissenschaft und will erst einmal durchschaut werden. Einige Versuche später ist er dann in der richtigen Position, um windgeschützt die herrliche Sonne und würzige Meeresluft zu genießen.

Boot im Naturhafen Krummin auf der Insel Usedom
Der Naturhafen Krummin zeigt das idyllische Hinterland der Insel Usedom. © Usedom Tourismus GmbH / Thies Philipp Jahnknecht

Der Glanz der Kaiserbäder

Der Blick streift vom Strandkorb in Richtung Ort. Und schon ist klar, dass man sich hier auf historischem Boden befindet. Heringsdorf, Ahlbeck und Bansin werden nicht umsonst Kaiserbäder genannt. Im 19. Jahrhundert kam alles hierher, was in der besseren Berliner Gesellschaft Rang und Namen hatte. Die Liste reicht von Theodor Fontane und Maxim Gorki über die Brüder Mann und Tolstoi bis zum deutschen und österreichischen Kaiser. 

Man residierte in prachtvollen Grandhotels oder baute sich gleich selbst eine eigene Villa. Das allerdings mit viel Fantasie. Da strahlt ein Herrenhaus im Renaissancestil, dort wiederum ein Schloss fast in Barock und gleich nebenan feinster Jugendstil. Wild durcheinander wurden ganz nach Geschmack und Geldbeutel die Stile kombiniert und Erker, Türmchen oder Säulen noch dazugebaut. 

Promenade mit Stilmischung

Dafür, dass die Entdeckung dieser Baujuwele entlang der zwölf (!) Kilometer langen Promenade direkt am Strand nicht zu ­einem trockenen Geschichtsausflug wird, sorgt der neue Kaiserbäder-Erlebnispfad. Neben Info-Stelen gibt eine eigene App Einblicke in die Geschichte der Villen und sorgt mit vertiefenden digitalen Elementen wie Selfies oder interaktiven Videos für ­besondere Aufmerksamkeit. Der Pfad ist sowohl zu Fuß als auch per Rad zu erleben, und wenn es zu viel wird mit der Kultur, sind ein Badestopp und der nächste Strandkorb nur wenige Meter gleich über die Düne entfernt. 

Ein lohnenswertes Erlebnis ist auch der Heringsdorfer Kur- und Heilwald hinter dem Strand. 187 Hektar Buchen-Kiefern-Mischwald wirken in Kombination mit der staubfreien Seeluft wie ein riesiges Gesundheitsstudio im Freien. Die Stationen entlang des Wegs laden abwechselnd zu gezielter Bewegung oder bei Meditations- und Atemübungen zum Entspannen ein. 

Schifffahrt an der Küste

Jetzt heißt es, Usedom zu entdecken. ­Gemütlich und besonders beeindruckend geht das vom Wasser aus mit den Kurzkreuzfahrten der Adler-Schiffe entlang der Küste. Ein Muss dabei sind die prächtigen Seebrücken, die es in vielen Badeorten gibt. Jene von Heringsdorf ist 508 Meter lang und erlaubt einen traumhaften Spaziergang weit hinaus in die Ostsee, ohne die Füße nass zu machen. Mit ihren prachtvollen Aufbauten erstrahlt sie in Ahlbeck ganz in historischem Glanz. 

Nach einer herrlichen Fahrt erreicht das Schiff dann Koserow weiter im Norden Usedoms. Hier befindet sich seit 2021 die neueste Seebrücke der Insel. Auf 67 Pfählen errichtet, schiebt sie sich futuristisch gestaltet wellenförmig fast 300 Meter hi­naus ins Meer und bietet an ihrem Ende eine eindrucksvolle Sitz- und Liegelandschaft für 150 Personen zum Genießen ­eines fantastischen Panoramas. Das fühlt sich schon leicht nach Paradies an.

Zwei Radfahrer bei einer Tour am Achterwasser der Insel Usedom
Usedom ist auch ein ideales Urlaubsland für Radfahrer. © Usedom Tourismus GmbH / MarTiem Fotografie

Auf ins benachbarte Rügen

Die Insel ist Mecklenburg-Vorpommerns zweites großes Juwel. Gleich bei der Ankunft auf Rügen prägen alte preußische Alleestraßen mit ihren Baumgiganten, Heidelandschaften und immer wieder kleine Höfe und versteckte Schlösser das Bild. In Sachen Strände wetteifert Rügen erfolgreich mit dem Nachbarn Usedom. Sie sind blendend weiß und mit bunten Strandkörben gespickt, etwa in Binz, wo prachtvolle Hotels wie das Travel Charme Kurhaus im Stil der Jahrhundertwende ihre Gäste aufs Beste verwöhnen.

Rügens Badeorte beeindrucken mit liebevoll restaurierter Bäderarchitektur. Auf den renovierten Seebrücken und Strandpromenaden flaniert man wie anno dazumal entlang des Meeres, um zu sehen und gesehen zu werden. 

Für Ausflüge vom Strand hat die Binzer Bucht einiges zu bieten. Riesige Buchenwälder bedecken große Teile der Insel und sind von herrlichen Wanderwegen und Radrouten durchzogen. Sehr entspannt geht es so per Drahtesel zum Naturerbe-Zentrum in Prora mit seinem Baumwipfelweg. Dort beeindruckt der 40 Meter hohe Aussichtsturm, auch Adlerhorst genannt, selbst höhenaffine Alpenurlauber. Oben angekommen, bietet sich ein Prachtausblick auf die Ostsee und die umliegenden Wälder. Diese können dann am Baumwipfelweg, der sich in bis zu 17 Metern Höhe durch die Kronen der Baumriesen schlängelt, hautnah ­erlebt werden. Spannende Lern- und Erlebnisstationen mit ­Balancierbalken und Wackelelementen entlang der Route ­machen ebenso Spaß wie die 52 Meter lange Tunnelrutsche. 

Noch mehr wilde Natur gibt’s im Nationalpark-Zentrum Königsstuhl, wo ein Welterbe-Kino und eine Erlebnisausstellung die ­berühmte Kreideküste Rügens zeigen. Zeit also für etwas Entschleunigung. Und die bietet ausgerechnet der „Rasende Roland“: Im Schneckentempo dampft der Nostalgiezug seit 1895 von der Südspitze Rügens vorbei an den schönsten Badeorten, dem Jagdschloss Granitz bis ins historische Putbus mit seiner kreisrunden Fürstenresidenz. Dass die Sonne dann einmal nicht vom Himmel lacht, ist uns nur recht.