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26. Mai 2024
Lifestyle Stars

Christine Reiler: „Was mich strahlen lässt“

Weizenkeime und Nachtkerzenöl statt Spritze und Skalpell: Gesundheitsexpertin Christine Reiler setzt auf die Kraft der Natur, wenn es ums Thema Schönheit geht. In ihrem neuen Buch verrät die ehemalige Miss Austria ihre Geheimtipps – schau hat genauer nachgefragt.

Christine Reiler im Garten mit Korb in der Hand beim Gemüse ernten
Christine Reiler beim „Einkaufen“ im Garten. © Sarah Katharina Hochmayer

Sie ist Ärztin, Pflanzenheilkundlerin, zweifache Mutter und kennt als Ex-Miss den Druck der Schönheitsindustrie: In ihrem zweiten Buch geht Christine Reiler (41) den Grundpfeilern für natürlich strahlendes Aussehen auf den Grund. Dabei widmet sie sich nicht nur Power-Nährstoffen für straffe Konturen und rosige Wangen, sondern gibt auch Entspannungs- und Bewegungstipps. Dazu kommen Genussrezepte für den inneren „Glow“, der bis nach außen scheint. schau hat die sympathische Wienerin einen Einblick in ihre Beauty-Geheimnisse gegeben. 

schau: Was hat Sie dazu bewogen, dieses Buch zu schreiben?
Christine Reiler: Wie Tausende Frauen in Österreich versuche auch ich, den Spagat zwischen Mamadasein, Ehefrau und Arbeit zu bewältigen. Das sieht nach außen oft leicht aus, gelingt aber ehrlicherweise nie so, dass ich es als richtig befriedigend empfinde. Entweder habe ich ein schlechtes Gewissen meinen Kindern gegenüber oder bin nicht so fokussiert im Job, wie ich es eigentlich gerne wäre. Und dann bleiben die eigenen Bedürfnisse einfach auf der Strecke. Dieses Buch ist für alle Frauen da draußen, die zu wenig auf sich selbst schauen. Und damit eignet es sich auch gut für alle Männer, als Geschenk oder zum selbst Hineinschmökern. Einfach eine kleine Wohlfühloase in Buchform für all jene, die sich etwas Gutes tun möchten und vielleicht auch wie ich die Liebe zur ­Natur teilen. 

Welche fünf Kräuter oder Heilpflanzen sollten in keinem Haushalt fehlen und warum?
Als Kräuterliebhaberin ist es schwierig, das einzugrenzen. Ich bin eine Verfechterin von Kräutern, die bei uns auf der Wiese, im Wald oder im Garten wachsen. Sie sind gut verfügbar, weil sie überall wachsen, und leicht zu ­bekommen. Großartig finde ich zum Beispiel Thymian. Er wirkt Wunder bei Erkältungen. Oder den Spitzwegerich, der nicht nur als Hustensaft toll ist, sondern auch Insektenstiche lindert. Außerdem bin ich ein großer Fan von Zwiebeln und Knoblauch: Die Lauchgewächse schmecken nicht nur gut, sie sind auch für ihre antioxidativen Eigenschaften bekannt und wirken dank der enthaltenen Schwefelstoffe antibakteriell sowie antiviral – sozusagen natürliche Antibiotika. Viel zu ­bieten hat aber auch der Löwenzahn. Er wird oft als lästiges Unkraut gesehen, obwohl so viel Positives in ihm steckt. Früher wurden die Wurzeln etwa als ­Kaffee-Ersatz verwendet. Und heute wissen wir, dass die in ihm enthaltenen Bitterstoffe sehr gesund sind. Löwenzahn wirkt verdauungsfördernd, harntreibend und regt den Ap­petit an. 

Dem Thema Stress haben Sie ein eigenes Kapitel gewidmet. Was tun Sie am liebsten, um sich zu entspannen und Stress abzubauen?
Ganz ehrlich: Ich nehme ein Vollbad. Das geht sich ­irgendwie ­immer aus und versetzt mich in Tiefenentspannung. Ein paar Tropfen ätherisches Öl dazu, ein Buch und ab in die Wanne. Ansonsten ist mir Bewegung sehr wichtig für meinen Ausgleich. Am liebsten bin ich draußen, gehe spazieren, auf den Berg oder Ski fahren – aber auch Yoga daheim entspannt mich. Sport hilft mir, mich statt auf den manchmal übervollen Kopf auf ­meinen Körper zu konzentrieren. Und die Glückshormone, die danach ausgeschüttet werden, sind auch nicht zu verachten. 

Sie stehen für natürliche Schönheit. Was halten Sie von kleinen und größeren Eingriffen beim Beauty-Doc?
Ich bin der Meinung, jeder sollte das tun, was ihm guttut. Ich bin die Letzte, die sich da eine Meinung anmaßt. Schlussendlich geht es um den eigenen Körper und um das subjektive Empfinden – womit man leben kann und womit nicht. Ich persönlich finde es schade, wenn Beauty-Eingriffe so weit gehen, dass sie zur Sucht werden und von der ursprünglichen Persönlichkeit beziehungsweise Physiognomie nichts mehr da ist. Aber da hinterfrage ich dann auch eher die Ärzte, die diese Transformation überhaupt ermöglicht haben.

Als ehemalige Miss Austria ist man wahrscheinlich einem gewissen Druck ausgesetzt, immer gut auszusehen. Wie gehen Sie damit um?
Je älter ich werde, desto gleichgültiger stehe ich dem gegenüber, was andere Menschen über mich denken. Den Druck, dem ich ausgesetzt bin, den mache ich mir höchstens selber. Und ja, ich finde das Älterwerden auf der körperlichen Ebene auch nicht immer so super. Klar verändert sich das Aussehen mit den Jahren. Aber ich halte es da mit Coco Chanel: „Eine Frau kann mit 19 entzückend, mit 29 hinreißend sein, aber erst mit 39 ist sie absolut unwiderstehlich. Und älter als 39 wird keine Frau, die einmal unwiderstehlich war!“ Und ehrlich gesagt bin ich ganz froh, dass ich mental inzwischen dort bin, wo ich bin. Es wäre sehr anstrengend, nochmal von vorne zu beginnen.

Sie haben zwei kleine Kinder, sind als Medizinerin, Moderatorin und Autorin tätig, halten sich gleichzeitig fit und gesund: Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?
Diese Frage ist die beliebteste Frage an Frauen und Mari Lang stellt sie öfter Männern in ihrem Podcast „Frauenfragen“. Dafür feiere ich sie, denn es wird wirklich höchste Zeit, dass das geschieht. Ich mag die Frage nicht, wie man merkt. Denn die heutige Zeit wird dominiert von Social Media und dem Wunsch, nach außen hin perfekt zu sein – und ich glaube, keinem gelingt es. Mir auch nicht. Also ist meine ehrliche Antwort hier folgende: Ich versuche, alles unter einen Hut zu bekommen, aber es gelingt mir nur punktuell. Und es macht mich auch nicht glücklich, es überhaupt zu versuchen. Ich hoffe, irgendwann wird es mir gelingen, noch mehr im Moment zu leben und darüber gar nicht mehr nachzudenken oder mich auch selber unter Druck zu setzen, ob ich den Standards gerecht werde, die sowohl die Gesellschaft als auch ich mir auferlege. 

Was ist die größte Gesundheitssünde von Christine Reiler? 
Ich vermute, die meisten Menschen würden hier antworten, dass sie eine Naschkatze sind und ohne Süßigkeiten nicht leben könnten. Das ist bei mir definitiv nicht der Fall. Wenn man mir eine Schokolade und eine Salami hinhält, wird es klar der salzige Snack. Also am ehesten würde ich mal sagen, dass ich bei Speck, Popcorn, Käse und Co schwer Nein sagen kann. Die Abende bieten sich da so gut an, den Kühlschrank nach Köstlichkeiten zu durchsuchen. Und ich habe Phasen, in denen ich mich sehr schwer zu regelmäßigem Sport durchringen kann. Die Motivation kommt in Wellen und manchmal muss ich sie wirklich sehr intensiv suchen. 

Was wünschen Sie sich für die nächsten fünf bis zehn Jahre? Gibt es Träume, die Sie sich noch nicht erfüllt haben?
Ich möchte wieder leichtfüßiger durchs Leben gehen und den Moment mehr genießen. Die letzten Jahre habe ich durch Corona und das weltpolitische Geschehen als einschränkend und unsicher empfunden. Das würde ich gerne wieder abstreifen und mit noch mehr Freude und Hoffnung in die Zukunft schauen, als ich es derzeit schon mache. Beruflich habe ich mir nie Ziele gesetzt, sondern mit den Gelegenheiten, die sich ergeben haben, gearbeitet. Und das macht mir sehr viel Spaß. Ich möchte meinen Kindern, wenn sie etwas größer sind, die Welt zeigen und viel reisen. Und ansonsten … mal sehen, was das Universum noch für mich in petto hat! Ich spiele schon etwas länger mit dem Gedanken, den Jakobsweg zu gehen. Das ist definitiv ein Traum, den ich mir irgendwann etappenweise erfüllen möchte.

Vielen Dank für das Gespräch!