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16. Juni 2024
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Leo Hillinger im Jubiläums-Talk

33 Jahre ist es her, dass Leo Hillinger den verschuldeten Betrieb seines Vaters übernommen hat. Was er seither erreicht und geschaffen hat, sorgt längst nicht nur in der
Weinszene für Beachtung. Im Interview zieht der Star-Winzer Bilanz und verrät seinen größten Zukunftswunsch.

Leo Hillinger sitzt bei einem Tisch mit einem Glas Wein in der Hand
Die Krönung für sein Lebenswerk: In den kommenden Jahren möchte Leo Hillinger an den Junior übergeben. © Tanja Hofer

Events, Aktionen, Gewinnspiele und der streng limitierte Merlot HILL33: So zelebriert Leo Hillinger sein 33-jähriges Firmenjubiläum. Wie es der Multi-Unternehmer, Investor, Autor und TV-Star im Laufe der Jahre an die Spitze geschafft hat, bringt der Buchtitel seiner Biografie „Konsequenz, Konsequenz, Konsequenz!“ ziemlich gut auf den Punkt.

Heute zählt Leo Hillinger mit einer Anbaufläche von mehr als 100 Hektar zu den größten Bio-Weinproduzenten im Top-Qualitäts­segment in Österreich. Und nicht nur das: Als „Business Angel“ in der Puls4-Sendung „2 Minuten – 2 Millionen“ hat er schon einigen Start-ups – von der iBike-Box bis zum Chaletdorf Hannersberg – auf die Sprünge geholfen. Bei unserem Besuch im Weingut in Jois lässt Leo Hillinger die vergangenen Jahre Revue passieren und wirft einen Blick in die Zukunft. Dabei schwärmt er nicht nur von seiner zweiten Heimat Südafrika, sondern auch vom Potenzial seines Juniors Leo „Jack“ Hillinger, der kürzlich seine Weinserie „Angel“ präsentiert hat.

schau: Was waren für Sie die größten Meilensteine der vergangenen 33 Jahre?
Leo Hillinger: Da gab es wirklich viele. Als ich den Familienbetrieb 1990 übernommen habe, war es extrem hart. Wir hatten sechs ­Millionen Schilling Schulden mit 17 Prozent Verzinsung, weniger als einen Hektar Weingärten und keine Kunden. Ein wichtiger erster Meilenstein waren deshalb die Weingärten in Rust, die ich 1997 erworben habe und aus denen die Weine HILL 1, 2 und 3 hervorgegangen sind. 2000 kam dann der erste Small HILL und ab 2007 habe ich mit jungen Winzern aus der Region die Flat Lake-Weine für Hofer produziert. Ein großer, wichtiger Schritt war natürlich auch die Umstellung auf Bio vor 13 Jahren. Der allergrößte Meilenstein für mich war aber, dass mein Sohn Ende des Vorjahres in den Betrieb eingestiegen ist. Das ist eigentlich das, was mich momentan am meisten motiviert.

Inwiefern?
Wenn man einen Betrieb wie ich mit sehr viel körperlicher und mentaler Kraft aufbaut und keinen Nachfolger hat, dann ist das wie eine Straße, die ins Nichts führt. Ich wünsche mir, dass es nach mir weitergeht und dass mein Sohn und danach vielleicht auch meine Tochter den Betrieb übernehmen. Zum Glück ist mein Sohn mit Herzblut dabei, liebt und lebt den Beruf des Weinbauern. Ich habe ihm immer gesagt, dass er machen kann, was er möchte – aber es kam nie etwas anderes für ihn infrage. Wenn er das Unternehmen in vielleicht zehn Jahren übernimmt, werde ich hier aber weiterhin präsent sein, solange er mich braucht.

Gibt es dann wieder mehr Freizeit für Sie?
Ich brauche keine Freizeit. Was ich hier tue, ist mein Leben, meine große Leidenschaft – und damit fast schon wie Dauerurlaub. Wenn ich das, was ich mache, nicht mit Herzblut tun würde, wäre ich am falschen Platz. Das Einzige, das mir zu schaffen macht, sind die Neider. Besonders bei den Mitbewerbern gibt es viele davon. Leider nehme ich mir das manchmal ein bisschen zu Herzen, da bin ich nicht wie mein Sohn. Er sagt immer: „Papa, ich versteh dich nicht! Wir haben bei Blindverkostungen bewiesen, wie gut wir sind, und du machst dir Gedanken darüber, was andere sagen.“ Ich finde, jemanden schlecht zu machen, kostet Energie, die man lieber in den eigenen Betrieb stecken sollte.

Sie selbst haben den Familienbetrieb mit 22 Jahren übernommen. Welchen Rat würden Sie Ihrem jüngeren Ich heute geben?
Aus wirtschaftlicher Sicht hätte ich den verschuldeten Weinhandel meines Vaters nicht übernehmen sollen. Mit so einem Minus anzufangen, ist schlichtweg brutal, das würde ich heute sicher nicht mehr machen. Besser wäre gewesen, ich hätte in ein neues Weingut investiert. Es gibt ja genügend Betriebe, die keine Nachfolger haben.

Ist jemals etwas anderes als Weinmachen für Sie infrage gekommen?
Nein, das war immer meine Leidenschaft. Ich habe meine Aus­bildung zum staatlich geprüften Wirtschafter und Weinbaumeister in Deutschland gemacht und danach weitere Erfahrungen im Ausland gesammelt, ich war in Neuseeland, Australien, Südafrika und Kalifornien. Nach Hause kommen und in eine andere Branche wechseln, das wäre mir nie in den Sinn gekommen.

Sie waren einer der Vorreiter in Sachen Bio-Wein. Könnte die Entwicklung künftig in Richtung Biodynamik weitergehen?
Wir versuchen schon, in diese Richtung zu denken, und herauszufinden, ob das etwas ist, das wir umsetzen wollen. Grundsätzlich sind wir für alles offen.

Wie steht es Ihrer Meinung nach generell um die burgenländische Weinwirtschaft?
Sehr gut. Es gibt viele engagierte Jungwinzer, die dafür sorgen, dass es auch in Zukunft bergauf geht. Was ich schon vor 30 Jahren gesagt habe, gilt auch heute noch: Die Branche wird sich weiter auf wenige große Weingüter konzentrieren, die stetig wachsen.

Ihr größter Wunsch für die kommenden Jahre?
Ich möchte, dass mein Sohn sich hier verwirklichen kann. Ich werde ihn immer unterstützen, möchte aber nicht mehr das Gesicht des Unternehmens sein. Und für mich persönlich wünsche ich mir nicht viel: Mir reicht es, wenn ich mit dem Rennrad fahren und den einen oder anderen Aufenthalt in Südafrika genießen kann.

Danke für das Gespräch!