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1. Dezember 2023
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Michael Buchinger: Von Weihnachtshass und Burgenland-Liebe

Ob auf YouTube, Instagram, in seinen Podcasts oder auf Papier: Michael Buchinger liebt es, zu hassen. Anlässlich seines neuen Buchs „Alle Jahre nie wieder“ haben wir mit dem 29-Jährigen überUps and Downs, sein Erfolgsrezept und Zukunftspläne geplaudert. 

Michael Buchinger im Freizeitpark in Podersdorf in einem fahrenden Frosch in einem Schwimmbecken.
Michael Buchinger versteht auch privat jede Menge Spaß. © Tanja Hofer

„Was wäre, wenn Facebook das reale Leben wäre?“ Mit seinem Video über Social Media ist Michael Buchinger 2010 der Durchbruch auf YouTube gelungen. Zwölf Jahre später hat der 29-Jährige nicht nur Millionen von Klicks gesammelt, sondern auch im Fernsehen geglänzt, Kabarettbühnen erobert und Bücher gefüllt. Das neueste Werk von Michael Buchinger heißt „Alle Jahre nie wieder“ und widmet sich dem Weihnachtsfest – wie könnte es anders sein – mit einer gehörigen Portion Hass. schau hat den aus dem Burgenland stammenden Wiener in Podersdorf am See zum Interview getroffen.

schau: Du bist mit YouTube und deinen Hass-Listen groß geworden. Wie würdest du deine Entwicklung seit deinem Start 2009 beschreiben?

Michael Buchinger: Ich würde sagen, ich bin im Laufe der Zeit mehr in die traditionellen Medien gegangen, zum Beispiel mit meinen Buchprojekten. Ich wollte das, was ich mache, auch in die physische Welt bringen. Außerdem bin ich sicherlich reifer geworden. Meine ersten Inhalte im Internet waren unter anderem Lehrer-­Parodien. Damals habe ich sehr schnell gelernt, dass man vorsichtig sein muss, über wen man öffentlich Witze macht. Denn die Videos landen immer bei den Personen, die sie eigentlich nicht sehen sollten. Das heißt: Wenn ich heute über jemanden ablästere, dann anonymisiert (lacht). 

Du lässt deine Fans an deinem Alltag und deinen Erlebnissen teilhaben. Würdest du sagen, diese persönlichen Einblicke sind Teil deines Erfolgsrezepts?

Womöglich, Authentizität und Nahbarkeit sind ja auch wichtige Aspekte des Influencer- und Instagram-Daseins. Trotzdem habe ich eine gewisse Grenze und gebe nicht alles preis. Jeder muss da seine eigene Balance finden und selbst entscheiden, was okay ist und was nicht. Was viele meiner Freunde und Bekannten zum Beispiel crazy finden, ist, dass die Leute wissen, wie mein Schlafzimmer aussieht. Mir persönlich ist das komplett egal – Hauptsache, es steht niemand vor meiner Wohnungstüre. Auch das ist mir allerdings schon passiert und ich war alles andere als begeistert (lacht).

Trotzdem kann ich nachvollziehen, dass die Leute das Gefühl ­haben, mit mir befreundet zu sein, weil sie so viel über mich wissen. Vor Kurzem habe ich einer Freundin unter vorgehaltener Hand über eine bevorstehende OP erzählt und sie meinte nur: „Das weiß ich doch eh, das habe ich in deinem Podcast gehört.“ Wenn man so in seinem Kammerl mit dem Mikrofon sitzt und frei von der Leber weg aus seinem Alltag erzählt, vergisst man oft, dass 20.000 Leute zuhören. 

Was war für dich dein bisher größter Erfolg?

Zu meinen größten Erfolgen zähle ich zwei Dinge. Erstens, dass ich vor zwei Jahren im „30 unter 30“-Ranking des Forbes-Magazins gelistet wurde. Das war vor allem deshalb cool, weil die Leute dann endlich gewusst haben, dass ich unter 30 bin (lacht). Bis dahin haben mich nämlich immer alle älter geschätzt, als ich war. Und zweitens mein Auftritt vor rund 1.200 Menschen im Globe Wien, zu dem ich dezidiert meine Familie eingeladen habe. Für mich war das ein ganz besonderer Moment, weil ich generell eher gehemmt bin, wenn Freunde oder Familienmitglieder im Publikum sitzen. 

Gibt es Dinge, von denen du deinem früheren Ich heute abraten würdest? 

2015 habe ich vier Monate lang in Berlin gewohnt – und ich bin schnell draufgekommen, dass das so gar nicht meine Stadt ist. Dort ist jeder cool und hat ein Internetprojekt am Start. Da dachte ich mir: Lieber wieder zurück nach Österreich, wo man mit seinem digitalen Business eine besondere Schneeflocke ist. Ich gehöre nach Wien und ins Burgenland. 

Warum bist du überhaupt nach Berlin gezogen? 

Ich war bei einer Art YouTube-Agentur, die mich mit drei anderen YouTubern in eine WG gesteckt hat. Heute würde ich da nicht mehr mitmachen. Zum einen bin ich kein WG-Freund und zum anderen will man nicht den ganzen Tag mit Menschen verbringen, die das Gleiche machen. Wenn ich Wurstverkäufer bin, möchte ich ja auch nicht in eine WG mit anderen Wurstverkäufern ziehen. Ich habe gerne meinen persönlichen Freiraum und möchte nicht immer nur über YouTube und die Welt der Influencer sprechen. 

Wo wir schon von Umzügen sprechen: Du bist im burgenländischen Müllendorf aufgewachsen und wohnst derzeit in Wien. Kannst du dir vorstellen, später wieder auf dem Land zu leben?

Auf jeden Fall! Ich bin gerade auf der Suche nach einem Grundstück im Burgenland, vorerst vor allem für die Wochenenden und den Sommer. Wer das liest und ­einen Tipp für mich hat: nur her damit!

Wo findest du Inspiration für dein Schaffen? 

Je älter ich werde, desto mehr finde ich Inspiration im Freien und in der Natur. Eigentlich bin ich jemand, der beim Spazieren­gehen gerne Musik oder Podcasts hört. Aber ich habe mir vorgenommen, die Kopfhörer beiseitezulegen, um die Geräusche um mich herum besser wahrnehmen zu können – egal ob im Burgenland oder in einem Wiener Park. In meinem Job muss man ein guter Beobachter sein, Augen und Ohren offen halten. Häufig inspirieren mich Leute, die sich auf der Parkbank oder im Café am Nachbartisch unterhalten. Neue Ideen bekomme ich aber auch, wenn ich mich in Situationen begebe, auf die ich nicht unbedingt immer Lust habe, zum Beispiel eine Party. Aber dann denke ich mir: Im ­besten Fall habe ich Spaß, im schlimmsten Fall eine coole Story für meinen Podcast oder meine Hassliste. 

Nach „Drei wollen Durchblick“ mit Thomas Brezina startest du bald einen neuen Podcast. Was dürfen wir uns davon erwarten?

Die Kombi von Thomas Brezina und mir bleibt erhalten, statt wechselnden Gästen wird aber eine dritte Person, die einigen bekannt sein wird, als fester Bestandteil dabei sein. Zu dritt plaudern wir ganz ungezwungen über verschiedene Themen, es wird also nicht mehr so interviewlastig sein wie bei „Drei wollen Durchblick“. 

Michael Buchinger und Thomas Brezina: Wie kam es zur Zusammenarbeit? 

Wir haben einen gemeinsamen Bekannten und eines Tages hatte ich die Möglichkeit, ihn kennenzulernen und für meinen YouTube-Kanal zu interviewen. Für mich war das damals eine unangenehme Situation, ich war total aufgeregt. Inzwischen sehen wir uns recht häufig und ich bin nicht mehr nervös, bewundere ihn aber weiterhin für seinen einzigartigen Karriereweg und seine Stärke. 

Kürzlich ist dein viertes Buch „Alle Jahre nie wieder“ erschienen. Wie stehst du generell zum Weihnachtsfest und welches Ritual hasst du am meisten daran?

Grundsätzlich finde ich das Weihnachtsfest eh ganz lieb. Das Pro­blem sind wie immer die anderen Leute und die Zwänge, die mit ihnen zusammenhängen. Jedes Jahr denke ich mir: „Den Schas mach ich nie wieder!“ Und im darauffolgenden Jahr sag ich mir: „Na gut, Weihnachten muss man schon feiern.“ Was ich am nervigsten finde, ist, wie das mit den Geschenken gehandhabt wird. Mittlerweile habe ich mir mit fast jedem meiner Liebsten ausgemacht, nichts zu schenken, aber dann komme ich nicht in Weihnachtsstimmung. Ich finde, es gehört schon dazu, dass man sich Gedanken macht und jemandem eine kleine Aufmerksamkeit schenkt. 

Worauf dürfen sich deine Fans in den kommenden Monaten und vielleicht auch Jahren freuen? 

In nächster Zeit werde ich öfter im Fernsehen zu sehen sein. „Alle Jahre nie wieder“ ist bestimmt nicht mein letztes Buch gewesen und auch ein neues Kabarettprogramm ist geplant. Und wer weiß, vielleicht sieht man mich irgendwann als Schauspieler in einem richtig guten Film, das würde mir sehr gefallen. 

Danke für das Gespräch.

Michael Buchingers Buch: „Alle Jahre nie wieder“

Das vierte Buch von Michael Buchinger zaubert auch dem entschiedensten Weihnachtsgrantler zum anstrengendsten aller Feste ein finsteres Lächeln ins Gesicht – denn er ist nicht allein!

Heyne Verlag, 192 Seiten,
ISBN 978-3-453-60643-2,
ab 12,40 Euro