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24. September 2023
Wirtschaft

New Work: Entwicklungen am Arbeitsmarkt

Ob Homeoffice, 4-Tage-Woche, Bildungsmöglichkeiten, flache Hierarchien: Nicht erst seit gestern ändern sich die Arbeitswelt und ihre Bedingungen grundlegend. Nun heißt es, sich anzupassen – und zwar vor allem für Arbeitgeber.

Mitarbeiter bei einem Seminar in einem modern eingerichteten Raum.
Auch, wenn es im Büro schön ist: Beschäftigte wünschen sich laut Umfrage mindestens ein bis zwei Homeoffice-Tage pro Woche. © Getty Images

Die Digitalisierung sowie Krisen der vergangenen Jahre haben in vielen Bereichen Spuren hinterlassen. Den globalen sowie auch den heimischen Arbeitsmarkt haben sie ordentlich auf den Kopf gestellt. So sind nun sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer mit einer Reihe an Veränderungen konfrontiert, an die es sich anzupassen gilt. Wer das nämlich nicht tut, hat es immer schwerer „mitzuhalten“. So viele offene Stellen wie noch nie auf der einen Seite und eine seit Langem sinkende Arbeitslosenquote auf der anderen Seite – diese Kombination ist interessant, zumindest für Arbeitsuchende. Und so kommt’s, dass Arbeitgeber in vielen Branchen derzeit besonders stark um die besten Bewerber buhlen.

New Work

Vor allem junge Arbeitnehmer wollen anders arbeiten und anders geführt werden, als es bisher am Arbeitsmarkt Usus war. New Work ist diesbezüglich ein Sammelbegriff für viele Veränderungen. Klar ist: Wer neues Personal finden oder Bestehendes halten will, muss kreativ werden und vermutlich seine Strukturen und Arbeitsweisen überdenken. In den Entwicklungen der letzten Jahre stechen fünf Trends der Arbeitswelt besonders hervor: die Wünsche nach einer Viertagewoche, flachen Hierarchien, flexiblen Arbeitszeiten, Bildungskarenz und mehr Anerkennung. Angemessenes Gehalt und gute Arbeitsbedingungen gehören selbstverständlich auch auf diese Liste, sind aber nicht mehr primär am wichtigsten für Arbeitnehmer.

Vollzeit ade

Lohnt sich die Viertagewoche? Erst in diesem Jahr wurde in Großbritannien eine Studie dazu veröffentlicht. 61 Unternehmen und knapp 3.000 Angestellte reduzierten ihre Arbeitszeit für sechs Monate um 20 Prozent, bei vollem Gehalt. Die Ergebnisse sprechen für sich: Mehr als 50 Prozent der Belegschaft gab an, mehr Zeit für Betreuungsarbeit oder das Sozialleben zu haben. Rund 40 Prozent meldeten zurück, dass sie weniger gestresst seien. Die Zahl der Krankenstandstage verringerte sich um 65 Prozent und weniger Mitarbeitende verließen das Unternehmen. Die Einnahmen der teilnehmenden Firmen blieben über die Testphase hinweg durchwegs konstant.

Auch der österreichische Arbeitsmarkt ist bereits mit diesem Modell in Kontakt gekommen: Österreichische Firmen – von der Hotellerie bis zum Handwerk – haben die Viertagewoche bereits eingeführt. Jedoch werden meistens nicht die Stunden reduziert, sondern auf nur vier Tage aufgeteilt. Ob so trotzdem die gewünschten Effekte eintreten, ist fraglich. 

Flache Hierarchien

Hierarchisches Führen nach dem Top-down-Prinzip – sprich: von „oben“, dem Management, runter zu den Mitarbeitern –, das kommt bei der jüngeren Generation gar nicht mehr gut an. Denn: Die Chefin beziehungsweise der Chef wird als Teil des Teams gesehen. Das alte Motto „Die Jungen müssen erst mal was leisten, dann dürfen sie mitreden“ lässt sich die junge Generation oft nicht mehr gefallen. Sie fordert Mitspracherecht und vor allem: Kommunikation auf Augenhöhe.

Für flachere Hierarchien braucht es primär neue Strukturen. So eine Umstrukturierung ist zwar nicht unbedingt das Einfachste im ­Unternehmenskontext, doch: Es sollte künftig wohl möglich gemacht werden.

Flexibles Arbeiten

Homeoffice, Remote Work, Gleitzeit: Wie auch immer man es nennen mag, die Pandemie hat den Arbeitsmarkt stark beeinflusst. Für viele ist eine Rückkehr zu 100 Prozent Anwesenheit im Büro kaum mehr vorstellbar. Flexible Arbeitsmodelle sind für zahlreiche Menschen unentbehrlich und vor allem wichtig für die Markenbildung und den Außenauftritt des Unternehmens, wenn es darum geht, neue Mitarbeiter zu gewinnen. Laut einer Umfrage des Arbeitsministeriums wünschen sich Beschäftigte, mindestens ein bis zwei Tage von zu Hause aus arbeiten zu dürfen. Als Vorteile werden ungestörtes und selbstbestimmtes Arbeiten und eine individuelle Pausengestaltung genannt. Eine Schwierigkeit ist jedoch, dass der Kontakt zu Kollegen oder die Arbeitsabstimmungen darunter leiden können.

Ebenso eine Hürde: Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit könnte immer mehr verschwimmen. Arbeitsplätze im Büro werden mittlerweile immer häufiger geteilt. Viele Firmen erstatten ihren Angestellten bestimmte Kosten, wie zum Beispiel einen Anteil der Stromkosten oder für die Arbeitsplatzausstattung zu Hause. Mit Sicherheit ist dieses flexible Arbeiten eine Veränderung, die gekommen ist, um zu bleiben.

Auszeit für Weiterbildung

Bildungskarenz oder ein Sabbatical in Anspruch zu nehmen, wird in Österreich immer beliebter. Doppelt so viele Personen wie noch vor zehn Jahren nehmen diese Art von Auszeit in Anspruch. Das belegen Daten des AMS. In Absprache mit dem Arbeitgeber können sich Beschäftigte mindestens zwei und maximal zwölf Monate innerhalb von vier Jahren frei nehmen, um Fortbildungen zu besuchen. Für diesen Zeitraum bezahlt das AMS weiterhin Lohn, und zwar maximal etwas über 1.400 Euro im Monat. Sogar noch beliebter als die Bildungskarenz ist die Bildungsteilzeit, die seit 2013 in Österreich möglich ist. Auffällig ist jedenfalls, dass es vor allem Frauen sind, die sich eine solche Auszeit für Fortbildung nehmen. 

Wertschätzung gefragt

Während der Pandemie sind besonders im Gesundheits- und Sozialbereich zwei zentrale Forderungen laut geworden: mehr Gehalt und echte Wertschätzung. Dies ist zwar keine sehr neue Entwicklung, aber dennoch aktueller denn je. Zu lange schon galt der Mensch rein als Ressource auf dem Weg zur Umsatzsteigerung des Unternehmens: billig, austauschbar und möglichst unauffällig. Gegen diese Anschauung begehrt auch hier wieder besonders die junge Generation auf. Ihr sind ehrliche, offene Kommunikation und eine erlaubte, menschliche Fehlerkultur wichtiger als die Höhe des Gehalts. Jene, die zwischen 1997 und 2012 zur Welt gekommen sind – auch Generation Z genannt –, wünschen sich am allermeisten ehrliche Wertschätzung und eine motivierende Dynamik.

Die Umsetzung kann auf verschiedene Weise erfolgen: gut zuhören, ernst nehmen, Lob, nach der Meinung fragen, mit einbeziehen, persönliche Gespräche, angemessenes Gehalt und mehr Verantwortung. Hierbei handelt es sich jedenfalls nicht nur um eine Entwicklung, die sich ausschließlich an Führungskräfte richtet, sondern alle Mitarbeitenden betrifft. Fakt ist: Es tut sich was am Arbeitsmarkt. Und das ist definitiv ein Fortschritt.