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15. April 2024
Wirtschaft

Nur das Beste für den Kunden: Nachhaltige Verpackungen von Lebensmitteln

Die Bio-Gurke ins Plastik gezwängt, die Fair-Trade-Orange geschält und in Kunststoff-Behältern transportfähig gemacht und die Mango in ein stoßsicheres Polyurethan-Korsett verpackt – man kennt’s. Da fragt man sich als Verbraucher natürlich, ob das wirklich sein muss. Eine neue Studie von Strategy& setzt genau dort an und gibt Lösungsvorschläge für Unternehmen, die künftig auch Kunden zufriedener machen dürfte.

Lebensmittelbranche: Lebensmittel auf Tisch in einem Saukerl. Vorwiegend Gemüse, aber auch Eier sind zu sehen.
Nachhaltig Einkaufen: Die Verpackungen der Lebensmittelbranche werden sich in den nächsten Jahren stark verändern und können zu einem besseren ökologischen Fußabdruck führen. © Getty Images

Man schlendert durch den Supermarkt, füllt den Einkaufswagen – und bei der Kassa kommt der Schock. Für die paar Lebensmittel bekam man vor ein paar Jahren noch deutlich mehr. Nicht nur die Verbraucher, auch die Unternehmen kämpfen mit steigenden Kosten. Verantwortlich dafür sind neben Inflation und Co. steigende Indexe für Verpackungsrohstoffe. Dazu gehört Glas mit einem Plus von 24 Prozent in den letzten drei Jahren. Auch Plastik erzielte mit 35 Prozent einen Anstieg von über einem Drittel. Zugleich müssen Hersteller auf die zunehmende Nachfrage der Verbraucher nach nachhaltigen Produkten reagieren. Dabei soll zeitgleich die Ökonomie im Auge behalten werden.

Keine Frage, die Lebensmittelbranche steht vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Doch inmitten dieser bietet die Umstellung auf nachhaltige Verpackungen ein enormes Potenzial. Laut der aktuellen Studie „Mastering food and beverage packaging“ von Strategy&, der globalen Strategieberatung von PwC, könnten Lebensmittelproduzenten durch effizientere Verpackungskonzepte jährlich zwischen 18 und 23 Millionen Tonnen CO2 reduzieren. Derzeit machen Verpackungen bis zu 23 Prozent der Gesamtkosten von Lebensmitteln aus. Außerdem sind sie für 25 bis 35 Prozent der Treibhausgasemissionen der Hersteller verantwortlich. Die Studie analysierte 20 der weltweit größten Food-and-Beverages-Unternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit bei Verpackungen. Dabei steht bei den Verpackungsmaterialien auf Platz eins Plastik mit 47 Prozent, gefolgt von Papier mit rund einem Drittel auf Platz zwei und auf Platz drei findet man Metall mit elf Prozent.

Herausforderungen und Potentiale

Dazu muss man sagen, dass die meisten Firmen bereits die ersten Schritte gesetzt haben. Es arbeiten derzeit 85 Prozent aller untersuchten Unternehmen auf selbst gesteckte Ziele im Bereich Recycling hin. Das ist aber nicht genug. Denn laut Regulatorik müssen bis 2030 alle Betriebe gewisse Zielvorgaben implementieren. Die Recyclingrate für Verpackungen innerhalb der EU soll bis dahin auf 70 Prozent steigen. Zum Beispiel hat beim Beimischungsanteil recycelter Materialien bislang ein gutes Drittel aller Unternehmen Richtwerte etabliert. Dennoch wird der vorgeschriebene Anteil darüber hinausgehen. Im Abfallmanagement ist die Kluft am größten. Dort hat weniger als ein Viertel klare Leitlinien eingeführt. Aufgrund neuer Regulierungen könnte das Thema in Zukunft jedes Unternehmen betreffen. Denn in diesem Bereich schreibt der Gesetzgeber bis 2040 eine Reduzierung der Abfälle um 15 Prozent vor. Für Verbraucher bedeutet das konkret: Gesteigerter nachhaltigerer Konsum.

Indem Unternehmen frühzeitig auf diese Entwicklungen reagieren und innovative Lösungen implementieren, können sie nicht nur ökologische Vorteile für sich selbst und Konsumenten erzielen. Sie können auch wirtschaftlichen Nutzen daraus ziehen. Denn durch die Einbettung von Maßnahmen in Bezug auf nachhaltige Verpackungen können Firmen bis zu 30 Prozent ihrer Kosten und bis zu 25 Prozent ihrer Treibhausgase reduzieren. „Viele Unternehmen begegnen dem Thema Verpackungen bisweilen mit großem Respekt. Es fehlt oft sowohl an Ressourcen als auch an Teams, die das Thema vorantreiben. Unsere Erfahrung zeigt jedoch, dass es am Anfang nicht immer der große Wurf sein muss, sondern sich auch mit Quick Wins bereits enorme Fortschritte erzielen lassen“, so Harald Dutzler, Co-Autor der Studie und Leiter des Bereichs „Konsumgüter und Handel“ bei Strategy& in Europa.

Pioniere sind gefragt

Dabei bieten Verpackungen in der Lebensmittelbranche nicht nur die Möglichkeit, Kosten zu senken und Emissionen zu reduzieren, sondern auch, sich als Vorreiter in Sachen Umweltschutz zu positionieren. „In jedem Fall empfiehlt es sich, möglichst früh alle beteiligten Abteilungen einzubinden, in einer Task Force zu bündeln, und klare Ziele für sie zu definieren. Zudem ist es sinnvoll, sich am Anfang auf Bestseller mit hohem Volumen zu fokussieren. So oder so sollten sich die Unternehmen lieber heute als morgen mit dem Thema beschäftigen. Denn der Druck von Politik und Kunden wird weiter steigen. Wer jetzt Tempo macht, kann sich also noch vom Wettbewerb absetzen“, ergänzt Dutzler. So kann eine nachhaltige Positionierung, die Ressourcenschonung ins Zentrum rückt, zu einem USP führen, der neue Kunden überzeugt und bereits bestehende zufriedenstellt.

Handlungsimpulse für Unternehmen

Um die Vorteile nachhaltiger Verpackungen voll auszuschöpfen, werden folgende Handlungsmaßnahmen empfohlen:

  1. Rethink (Neudenken): Überprüfung und Optimierung von Verpackungsdesigns und Beschaffungsprozessen
  2. Reduce (Reduzieren): Einsatz von leichteren Materialien und effizienteren Designs zur Reduzierung des Rohstoffverbrauchs
  3. Reuse (Wiederverwenden): Einführung von wiederverwendbaren Verpackungen, um Abfall zu reduzieren und Kundenbindung zu fördern.
  4. Recycle (Wiederverwertung): Verwendung von Materialien, die in bestehende Recycling-Kreisläufe integriert werden können, um die Wiederverwertung zu erleichtern.

Übersetzt in konkrete Schritte heißt das:

  • Eine multi-disziplinäre Task-Force etablieren.
  • Kennzahlen integrieren, die sich auf Kosten und Nachhaltigkeit spezialisieren.
  • Das eigenen Portfolio analysieren, kritisch überprüfen und optimieren.
  • Unternehmen, die in der eigenen Product Supply Chain vor- oder nachgelagert stehen, einbinden und Kollaborationen schaffen, die das Ökosystem stärken. Wie zum Beispiel die Zusammenarbeit mit NGOs oder der Regierung.