Mit parodistischen Videos über den burgenländischen Kleinstadt- und Dorfwahnsinn hat es Michael Steiger zu einer beachtlichen Menge an Followern auf Instagram, Tiktok und Facebook gebracht. Mit seinem Debütprogramm „Grammelpogatscherl-Eskalation“ schlägt er ab April ein neues Kapitel auf.
schauvorbei.at: Lieber Michael, mit gerade einmal 26 Jahren bist du gelernter Einzelhandelskaufmann, ehemaliges Kreuzfahrtschiff-Crewmitglied, ausgebildeter Pfleger und studierter Schauspieler. Jetzt trifft man dich bald als Kabarettist auf der Bühne. Was hat dich zu deiner Arbeit in diesen ganz verschiedenen Branchen motiviert?
Michael Steiger: Ich glaube das Älterwerden. Ich hätte mich zum Beispiel nie getraut, mit 15 an die Schauspielschule zu gehen. Gleichzeitig wollte ich aber schon relativ früh finanziell unabhängig sein. Deswegen wollte ich nach der neunten Schulstufe auf eigenen Beinen stehen und habe eine Lehre gemacht. Und der Rest war einfach eine Aneinanderreihung an glücklichen und unglücklichen Zufällen.
schauvorbei.at: Eines hat also zum anderen geführt?
Michael Steiger: Ja. Nach meiner Lehre war ich beim Zivildienst, danach für sechs Monate auf einem Kreuzfahrtschiff. An Bord habe ich das Showensemble gesehen und gehört, dass die Darstellenden das alle beruflich machen und ganz Unterschiedliches studiert haben – Schauspiel, Gesang, Musical, Tanz, alles Mögliche.
Ich bin dann nach Hause gekommen und jemand aus meiner Familie ist krank geworden. Es hat nicht so gut ausgesehen und ich wollte nicht mehr so lange am Stück weg sein. Und weil mir der Zivildienst großen Spaß gemacht hat, habe ich mich entschieden, eine Pflegeausbildung zu starten. Nach dieser Ausbildung war ich etwa ein Jahr in einem Altenwohn und -pflegeheim. Das war zur Corona-Hochphase. Durch die Lockdowns und den wenigen Kontakt zur Außenwelt habe ich mich dann zum ersten Mal intensiv mit Monologbüchern beschäftigt und bin sehr, sehr spontan zur Aufnahmeprüfung nach Wien an die Schauspielschule gefahren – und es hat geklappt. Da habe ich mir gedacht: „Das wird wohl ein Zeichen sein.“
schauvorbei.at: Wie ging es dann weiter?
Michael Steiger: Ich habe die Schauspielausbildung fertig gemacht. Drei Jahre. Dann war natürlich erst einmal Flaute – wie bei so vielen in dieser Branche. Deswegen habe ich anschließend meinen Weg in eine WG für Menschen mit Schwerbehinderung gefunden.
schauvorbei.at: Es hört sich ganz so an, als hättest du in deinem jungen Leben schon sehr viele verschiedene Erfahrungen sammeln können. Wie profitierst du davon heute als Social-Media-Star und Kabarettist-to-be?
Michael Steiger: Von meinen Erfahrungen profitiere ich total. Ich habe bis jetzt eigentlich immer mit Menschen gearbeitet und es gibt bestimmt Kollegen, die mir an dieser Stelle widersprechen, aber ich glaube, so wie ich Schauspielerei verstehe, muss man sich wahnsinnig gerne mit Menschen umgeben, sie studieren und ihnen zuhören.
Auch in der Altenpflege – etwa bei der Arbeit mit demenzkranken Menschen – versucht man, in den Schuhen von anderen zu gehen. Das nennt man Validation, und eigentlich ist das nichts anderes als Schauspielerei. Man versucht, den Menschen, seine Biografie und seine Welt so gut wie möglich zu kennen. Deswegen glaube ich, dass meine vorherigen Stationen eine tolle Inspiration für mein jetziges Tun sind.
schauvorbei.at: Ist die Schauspielerei also nach wie vor dein großes Herzensprojekt? Selbst jetzt, wo du dich in Richtung Kabarett bewegst?
Michael Steiger: Ich würde das gar nicht so trennen. Ich habe zwar Lehrer und Dozenten kennengelernt, die gesagt haben, ein Schauspieler kann kein Kabarettist sein und ein Kabarettist kein Schauspieler, aber das halte ich für eine eher veraltete Ansicht. Gerade in Österreich haben wir ja die besten Beispiele, dass dem nicht so ist. Vor allem wenn man sich die großen Buchteln anschaut, die ja auch nicht nur in lustigen Sachen mitspielen. Trotzdem ist es bei mir momentan so, dass sich durch Kabarett und Comedy natürlich eher die Komik in den Vordergrund geschoben hat.
schauvorbei.at: Machst du als studierter Schauspieler eine Trennung zwischen dem Spiel auf der Bühne und dem vor der Kamera?
Michael Steiger: Es sind beides Arbeiten, denen ich gerne nachgehen möchte. Aber es gibt Unterschiede. Man könnte sogar sagen, dass es zwei verschiedene Berufe sind. Vor der Kamera kommt es viel auf Technik an. Man muss ständig abrufbereit sein. Man muss eigentlich einfach funktionieren, um es hart auszudrücken. Auf der Bühne ist das ganz anders. Man lernt zwar auch seinen Text, aber man spielt live und muss deswegen auch spontan auf Situationen reagieren. Trotzdem hat beides definitiv seinen Reiz.
schauvorbei.at: Du hast einmal erzählt, deine Videos auf Social Media hätten als Schauspielübung begonnen. Wie ist es nun dazu gekommen, dass du diese Videos nicht nur für dich selbst aufgenommen hast, sondern auch ins Internet gestellt hast?
Michael Steiger: Als erstes muss ich sagen, dass eine ganz tolle Lehrerin von mir immer total dagegen war, dass man sich selbst beim Proben filmt und das später anschaut – weil es einen im Spiel beeinflusst. Es wird dann zur Performance, bei der man krampfhaft versucht, etwas darzustellen. Aber ich hasse Stillstand und irgendwie war zu dieser Zeit gerade Stillstand, also habe ich die Kurzvideos aufgenommen.
Tja, und warum habe ich sie geteilt? Ich glaube, zur Übung gehört auch, ein bisschen den Mut zu üben. Ich hätte meine Videos natürlich nur meinen Freunden oder der Familie oder Bekannten schicken können. Aber gerade das Sich-Herzeigen und Hinausgehen ist ein Riskieren. Ich riskiere das grandiose Scheitern, und das war fast schon wichtiger als Sprache, Text oder Technik zu üben.
schauvorbei.at: Hast du von Anfang an auf Feedback, Kommentare und Reaktionen gehofft?
Michael Steiger: Auf Social Media wird alles immer gleich durch Likes und Views in Zahlen kategorisiert und festgehalten. Also kann man gar nicht anders. Und wahrscheinlich hofft man auch sonst insgeheim auf eine Reaktion. Ja, es wäre gelogen zu sagen, dass man sich nicht irgendwas erwartet.
schauvorbei.at: Inwiefern haben sich deine schauspielerischen Fähigkeiten durch deine Videos entwickelt?
Michael Steiger: Ich merke eine totale Veränderung in puncto Fantasie. Das habe ich, glaube ich, gut geübt. Am Anfang habe ich mir noch lange überlegt, was ich sagen könnte und an welchen Orten sich meine Figuren befinden könnten. Mittlerweile stelle ich die Kamera auf und rede einfach. Dann entwickelt sich schon was. Meistens entwickelt sich sogar zu viel und ich muss kürzen, kürzen, kürzen.
schauvorbei.at: Und befolgst du die Tipps deiner Lehrerin oder beobachtest du dich dabei selbst?
Michael Steiger: Größtenteils beobachte ich mich nicht. Manchmal aber doch, zum Beispiel wenn ich mich oft verrede. Dann ist es, als ob ein Vogel aufsteigen würde, durch den ich mich von oben betrachte. Dagegen versuche ich anzukämpfen. Sonst ist man, wie gesagt, in einer Choreografie drinnen. Dann wird’s nix mehr. Ich schreibe mir deswegen auch kein Skript. Es muss einfach passieren. Es muss aus mir rauskommen.
schauvorbei.at: Das heißt, dir geht es darum, dass dein Spiel fließt und so natürlich wie möglich wirkt?
Michael Steiger: Genau.
schauvorbei.at: Wie natürlich ist dein Spiel aber wirklich?
Michael Steiger: Das ist eine schwierige Frage. Da alles aus mir herauskommt, muss es ja eigentlich schon davor irgendwo in mir drinnen einen Platz gehabt haben. Man kann also schwer eine Linie ziehen und sagen: „Das ist jetzt der Michi und das nächste ist aber imaginär.“ Vielleicht liegt das daran, dass ich in meinen Kurzvideos banale Alltagsgeschichten nachspiele, die wir alle schon erlebt haben oder zumindest erleben könnten. Bei einer psychologisch wahnsinnig anspruchsvollen Rolle wäre das wahrscheinlich anders. Da könnte ich nur bis zu einem gewissen Punkt etwas von mir geben. Alles andere müsste ich mir aneignen. Aber was ich auf Social Media mache, das ist eigentlich gar nicht wirklich gespielt.
schauvorbei.at: Könnte man sagen, du spielst bestimmte Menschentypen, die du kennst, aber selbst nicht bist?
Michael Steiger: Ja, das ist eine gute Beschreibung. Wobei, ich glaube, wir sind alle so ein bisschen diese Typen. Einer mehr, einer weniger. Manche wissen das wahrscheinlich auch gar nicht und erkennen das vielleicht erst beim Schauen.
schauvorbei.at: Mit deinen Videos hast du inzwischen ja einen eigenen kleinen burgenländischen Mikrokosmos mit den unterschiedlichsten Figuren geschaffen. Zum einen gibt es die typische Dorftratschtante Gerti, die du verkörperst. Zum anderen gibt es aber auch noch ein Sammelsurium an Charakteren, zu denen sie spricht, etwa Ehemann Seppl, Sohn Manfred, dessen vegetarische Freundin Marlene, Dorfbäckerin Gitti, Freundin Sabine und deren Bub, der wegen Trunkenheit am Steuer auch schon mal seinen Führerschein abgeben musste. Welche dieser Figuren ist deine liebste?
Michael Steiger: Das ist wirklich schwierig zu beantworten. Natürlich fühle ich mich der Gerti wahnsinnig verbunden. Ich muss aber ehrlicherweise sagen, der Seppl hat auch etwas Tolles an sich, weil er alles mitmacht. So oft er auch motschgert, ist er wahrscheinlich eh eine gute Seele.
schauvorbei.at: Mittlerweile hast du mit deinen Figuren Zigtausende Follower quer über Facebook, Instagram und Tiktok angesammelt. Zu Silvester hast du dich für den Support bedankt und folgenden schönen Satz geschrieben: „Humor ist genauso vielfältig wie unsere Fingerabdrücke und doch haben sich so viele gefunden, die ihn teilen.“ Woran denkst du liegt es, dass deine Videos so großen Anklang finden?
Michael Steiger: Wenn es ein Geheimrezept für Humor gäbe, würde ein jeder von uns Hallen und Stadien füllen. Vielleicht resultiert der Zuspruch zu meinen Videos auch ein bisschen aus einem Gefühl der Erinnerung an etwas, das nicht immer gut war, aber trotzdem sehr, sehr nahe bei den Menschen ist. „Heimat“ ist in diesem Zusammenhang ein wahnsinnig großer Begriff, aber Herkunft, Sprache und Dialekt, das ist etwas sehr Intimes. Ich glaube für die Zuseherinnen und Zuseher geht es deshalb auch gar nicht darum, dass ich in meinen Videos im burgenländischen Dialekt spreche, sondern darum, dass meine Videos an echte Leute erinnern. Vielleicht schwingt sogar ein bisschen Melancholie an die eigene Kindheit mit.
Eine meiner Omas war zum Beispiel Betreiberin einer Frühstückspension, die andere hatte ein Kaffeehaus. Da waren ständig Leute, und natürlich auch Damenrunden. Das war einfach wahnsinnig nett und irgendwie auch unbeschwert. Vielleicht lösen meine Videos bei den Menschen genau diese Art von Gefühlen aus. Und Gott sei Dank finden die Leute meine Videos auch lustig. Es gibt es so viel Negatives auf der Welt, da ist es schön, wenn man sich über manche Dinge herzhaft amüsieren kann.
schauvorbei.at: Würdest du also sagen, du vermittelst in deinen Videos ein Gefühl der Geborgenheit?
Michael Steiger: Ja, aber es schwingt auch immer etwas Kritik mit. Es liegt an den Zusehenden, wie sie meine Videos auffassen. Ich bin während meiner Zeit in der Schauspielschule nach Wien gezogen, weil ich raus musste aus dem Burgenland. Ich habe mir gedacht: „Das kann es nicht gewesen sein“. Trotzdem habe ich am Ende meiner Schauspielausbildung wieder mehr im burgenländischen Dialekt gespielt. Und da habe ich plötzlich auch gemerkt: Den Begriff „Heimat“, den muss man ganz anders definieren. „Heimat“ hat gar nichts mit dem Ort zu tun, an dem man wohnt. So richtig daheim bin ich erst, seit ich bei mir bin – auch in der Sprache. Und dadurch kann man einen Safe Space und Geborgenheit vermitteln. Egal, wo man wohnt.
schauvorbei.at: Geht es um den Erfolg deiner Videos, wird gerade dein Dialekt oft thematisiert. Welche Rolle schreibst du dem Dialekt für deinen Erfolg zu?
Michael Steiger: Man darf nicht vergessen, dass mein Publikum gut in den Bundesländern verteilt ist. Jeder hat seinen eigenen Dialekt. Trotzdem ist es anderswo genauso wie bei uns, wenn man zum Beispiel am Sonntag gemeinsam Mittagessen geht. Egal, ob das in Kärnten, in der Steiermark, in Oberösterreich oder in Tirol ist. Ich weiß nicht, ob das etwas Österreichisches ist. Ich glaube, die Grundhaltung ist überall die gleiche. Aber natürlich macht es viel aus, was ich sprachlich über meine Videos lege. Vielleicht werden sie deshalb manchmal auf den Dialekt reduziert. Würde ich meine Videos auf Hochdeutsch aufnehmen, würden sich wahrscheinlich weniger Leute dafür interessieren – weil’s aber auch nicht so authentisch wäre. Ich rede ja privat genauso.
schauvorbei.at: Seit dem Sommer hast du auf Social Media wahnsinnig viel Erfolg. Hat dich das schon jemals Druck verspüren lassen?
Michael Steiger: Ja, auf jeden Fall. Ich produziere auch nichts vor, es sei denn, ich habe einen Abgabetermin für eine Kooperation. Dann kann es schon mal sein, dass ein paar Tage nichts von mir kommt. Wenn ich dann wieder etwas poste, schreiben die Leute natürlich Sachen wie: „Mein Gott, wir haben uns schon Sorgen um die Gerti gemacht!“ oder „Schön, dass wieder was Neues kommt, ich hab’ jeden Tag reingeschaut“. Ich will mich davon aber nicht stressen lassen, aber es ist irgendwie unumgänglich.
schauvorbei.at: Wie bringst du deine Social-Media-Karriere, deine Kooperationen mit namhaften Partnern wie Tchibo und Burgenland Tourismus, die Vorbereitungen für dein erstes Kabarettprogramm und deinen Job als Pfleger derzeit unter einen Hut?
Michael Steiger: Ehrlicherweise gar nicht. Ich habe es versucht und bin grandios gescheitert. Mein großer Aufschwung, das mediale Interesse und die Kooperationsanfragen kamen alle zum gleichen Zeitpunkt, zu dem ich in meinem Beruf auch die Leitung für die WG mit schwerbehinderten Menschen übernommen habe. Das hat viel Energie und Kraft gekostet. Ich habe den Blick für die Prioritäten verloren und gemerkt, dass es so nicht auf ewig weitergehen kann. Personen aus meinem nahen Umfeld haben mir dann geraten, mich zu entscheiden. Also habe ich quasi die Reißleine gezogen und den Job in der WG aufgegeben.
schauvorbei.at: Das war sicher keine leichte Entscheidung.
Michael Steiger: Nein, weil ich einfach so gerne dort war. Ich bin selten so gerne in die Arbeit gegangen, aber die Arbeit jetzt ist einfach mein Traum. Erst gestern war ich mit einer guten Freundin unterwegs und habe zu ihr gesagt: „Es ist der Wahnsinn, mein größter Traum geht gerade in Erfüllung“. Darauf hat sie geantwortet: „Michi, ich weiß nicht, wann ich das jemals einen Menschen sagen hören habe.“ Gleichzeitig kann ich mich aber auch gar nicht so richtig darüber freuen, weil es definitiv keine einfache Entscheidung war, obwohl die Pflege eine körperlich wie psychisch wahnsinnig anspruchsvolle Arbeit ist. Aber ich habe mich entscheiden müssen, weil ich dachte, wenn ich so weitermache, dann mache ich beides nicht mehr gut.
schauvorbei.at: Wird dein beruflicher Fokus in Zukunft also auf der Bühne und auf Social Media liegen?
Michael Steiger: Ja. Ich bin bereit, diese Welle jetzt zu reiten. Von allen Ecken und Enden gibt es jetzt eine wahnsinnige Nachfrage. Das kam jetzt auch wieder alles auf einmal – wie damals bei der Ice-Bucket-Challenge, bei der dir ein Kübel mit eiskaltem Wasser über den Kopf geleert wurde. Aber das ist ein Privileg. Und es ist definitiv mein Ziel, so oft wie möglich auf Bühnen zu stehen, viele Menschen zu unterhalten und sie in eine lustigere Welt zu entführen. Natürlich werde ich auch Social Media weiter betreiben, aber der Fokus hat sich etwas verlagert. Ich sehe mich als Schauspieler und Kabarettist, auch wenn die großen Marketingagenturen das nicht gerne hören wollen. Die Unterhaltung steht bei mir im Vordergrund.
schauvorbei.at: Um bei der Ice-Bucket-Challenge als Bild zu bleiben: Als Schauspieler mit Bühnenerfahrung wirst du mit deinem kommenden Kabarettprogramm nicht ins ganz kalte Wasser gestoßen. Fühlst du dich dank deiner Vorerfahrungen auf deine kommenden Auftritte gut vorbereitet?
Michael Steiger: Was die Präsenz auf der Bühne betrifft, bin ich vorbereitet. Mein Programm ist aber noch nicht fertig geschrieben. In dem Sinne bin ich also noch nicht ganz so gut vorbereitet. Aber die nötige Zeit dafür habe ich ja jetzt bald. Ansonsten verspüre ich schon Nervosität. Aber sie lähmt nicht. Es ist wie Adrenalin. Keine Ahnung, was da ausgeschüttet wird. Vielleicht Glückshormone. Pure Glückshormone. Ich muss mich fast in Zaum halten, dass ich nicht schon zu früh hinausspaziere. So gesehen fühle ich mich also schon gut vorbereitet.
schauvorbei.at: Dein Debütprogramm trägt den Titel „Grammelpogatscherl-Eskalation“. Wie ist es zu diesem urburgenländischen Namen gekommen?
Michael Steiger: Ich habe vier verschiedene Optionen gehabt, die alle irgendwie gepasst hätten. Allerdings war der Name „Grammelpogatscherl-Eskalation“ von Anfang an mein Favorit. Auch die Leute aus meinem Umfeld haben gesagt, der Name passt wie die Faust aufs Auge. Und er spiegelt wider, was an den Kabarettabenden passieren soll.
schauvorbei.at: Bringst du auch Elemente aus deinen Videos in dein Programm mit ein?
Michael Steiger: Es wird auf jeden Fall etwas aus den Videos mit einfließen und es wird – so viel darf ich schon verraten – um die Gerti und den Michael gehen. Wer von den beiden aber tatsächlich auf der Bühne steht oder ob das beide sind, das bleibt wohl eine Überraschung.
schauvorbei.at: Welches Zielpublikum hast du beim Schreiben deines Programms vor Augen?
Michael Steiger: Alle Leute, die gerne über sich und die Art und Weise, wie wir Menschen miteinander leben, lachen.
schauvorbei.at: Man muss deine Videos also nicht kennen, um in deinem Kabarettprogramm Spaß zu haben?
Michael Steiger: Nein, ich denke nicht.
schauvorbei.at: Wirst du dein Programm im Dialekt vortragen?
Michael Steiger: Ja, auf jeden Fall!
schauvorbei.at: Alle Vorstellungen, die du bisher angekündigt hast, waren binnen weniger Minuten restlos ausverkauft. Was hat das mit dir gemacht? Hast du das erwartet?
Michael Steiger: Also, ich habe das in dem Ausmaß nicht erwartet. Definitiv nicht. Ich war total neben der Spur. Ich habe das immer noch nicht ganz realisiert. Angekündigt habe ich die ersten Termine am Freitagabend. Samstag und Sonntag war ich dann eigentlich nicht zu gebrauchen. Ich habe mich gefühlt, als wäre ich einen Marathon gelaufen.
schauvorbei.at: Premiere feierst du mit einer Doppelvorstellung am 24. und 25. April in Mattersburg, im Anschluss spielst du in Eisenstadt und Deutschkreutz. Geht es für dich mit deinem Kabarettprogramm irgendwann auch über die Grenzen des Burgenlandes hinaus?
Michael Steiger: Auf jeden Fall. Dieser grandiose Vorverkaufsstart hat Wellen geschlagen und sogar Veranstalter wachgerüttelt, die mir davor schon eher eine Absage gegeben haben. Es ist aber viel Aufwand, alles zu planen. Aber für mich ist es megacool, wenn da mehrere Hundert Leute sitzen. Ja, ich bin ein totaler Fan von großen Bühnen. Es gibt mir etwas, wenn da so eine Menge von Menschen sitzt, die das feiert, was ich mache.
schauvorbei.at: Wirst du dein Jahr 2026 also auf der Kabarettbühne verbringen?
Michael Steiger: Jetzt ist das A und O mal die Vorbereitung, das Erarbeiten und das Proben. Aber ab April möchte ich definitiv Wochen, Monate, Jahre mit dem Programm touren. Es gibt sogar schon Anfragen für 2027. Das war auf jeden Fall auch der Plan, als ich mich dazu entschlossen habe, ein abendfüllendes Programm zu schreiben. Neue Termine kann ich aber noch keine ankündigen.
schauvorbei.at: Worauf darf sich dein Publikum freuen?
Michael Steiger: Auf eine Mischung zwischen Zu-Viel- und Zu-Wenig-Sein. Das finde ich ganz spannend. Das macht uns als Menschen irgendwie aus. Natürlich wird’s auch Grammelpogatscherl geben und auch auf einen Frizzante kann man sich freuen. Und wie’s so schön im Pressetext heißt: Die Leute werden sehen, dass ein kleiner Biss zu einer Eskalation führen kann.
schauvorbei.at: Worauf freust du dich am meisten?
Michael Steiger: Ich freue mich, ein Ventil zu öffnen. Das merke ich oft auf der Bühne. Man arbeitet so lange an etwas und es staut sich so viel an und beim Auftritt ist es, als würde man ein Ventil aufmachen. Ich mag es total, mich richtig zu verausgaben und hoffe, dass die Leute das dann auch spüren. Ich freue mich auch total darauf, die Menschen, die mich auf Social Media gefunden haben, persönlich kennenzulernen. Es wird deshalb bei allen Terminen eine kleine Aftershowparty geben – einfach aus dem Grund, weil ich mit den Leuten gerne rede.
schauvorbei.at: Vielen Dank für das Gespräch!
Meine Freizeit verbringe ich am liebsten:
in der Natur
Mein Lieblingsgericht ist:
Spaghetti bolognese
Am Burgenland schätze ich:
die Herzlichkeit und das menschliche Willkommen-Sein
Social Media empfinde ich als:
Fluch und Segen zugleich
Auf den ersten Auftritt mit meinem Kabarettprogramm blicke ich:
mit maximaler Vorfreude

