Gibt es ein Land, wo der Kult rund um die Reinheit des Menschen einen höheren Stellenwert hat als in Japan? Ich denke nicht. Seinem Körper Gutes zu tun, ist tief in der japanischen Gesellschaft verwurzelt – nicht nur wegen der Hygiene, es handelt sich vielmehr um eine umfassende Lebensphilosophie. Japan ist ein Land mit hohen vulkanischen Aktivitäten und deshalb Heimat von mehr als 27.000 Quellen. Die Badetradition in Onsens erfreut sich seit Ewigkeiten und bis heute höchster Beliebtheit – sei es in der Natur oder noch viel mehr in öffentlichen Bädern.
Ryokan Goshobessho in Arima Onsen
Erstes Ziel meiner Überlandreise ist gleich eines der traditionsreichsten Badestädtchen. Von Kobe geht es in den Norden, hinein in eine malerische Berglandschaft. Nach einer halben Stunde taucht Arima Onsen auf, das auf eine 1.300-jährige Geschichte als Thermalort zurückblickt: und das dank eines doppelten Schatzes, nämlich des goldenen Wassers (kinsen) und des silbernen Wassers (ginsen) aus zwei Heilquellen mit unterschiedlichen Mineralien.
Durch den kleinen Ort zieht sich ein schmales Bächlein mit kleinen Becken, wo man seine Füße gratis ins Wunderwasser tauchen kann. Oder man besucht eines von zwei öffentlichen Bädern. Am exklusivsten ist der Wellnessgenuss in einem der Ryokans, wie die traditionellen Gästehäuser in ganz Japan heißen. Ich steuere gleich das beste an: das 5-Sterne-Ryokan Arimasansoh Goshobessho in den Hügeln des Rokko-Gebirges. Hier erfreute sich schon der Kaiser höchstpersönlich mit Familie und Gefolge an den heißen Quellen.
Die Villen und Maisonette-Zimmer strahlen den Flair von einst aus und bieten trotzdem alle modernen westlichen Annehmlichkeiten. In allen Bädern der Unterkünfte fließt Thermalwasser, wobei die Villa „Corvo de Ouro“ den ultimativsten Luxus offeriert: ein Privatonsen auf einer Baumhausplattform unter dem hohen Blätterdach des Waldes. Das 45-Grad-Bad ist eine Wohltat für Körper und Geist.
Danach spaziere ich durch die Gärten des Ryokans, natürlich traditionell gekleidet in einen Yukata (Sommer-Kimono), der schon bereitgelegen ist. Zum Glück mit einem Kärtchen obenauf, das auf die erste Regel beim Anziehen hinweist: „Please make sure to wear underwear.“ Zum Tagesausklang beweist das Goshobessho seine Kunst der japanischen Genusskultur. In kleinen Zimmern, getrennt mit Reispapierwänden, werden die Schätze der alten Kaiseki-Küche serviert, der höchsten Form der japanischen Haute Cuisine, hier mit Bio-Gemüse aus der Umgebung, erstklassigem Kobe-Beef und frischen Meeresfrüchten.
Nishimuraya Honkan in Kinosaki
Die nächste Bäderstadt ist nicht weniger geschichtsträchtig. Nach gut zwei Stunden gemütlicher Autofahrt erreiche ich Kinosaki an der Nordküste der japanischen Hauptinsel. Hier befinden sich gleich sieben Onsen, allesamt in Laufweite zueinander und für Gäste von Ryokans mit einem eigenen Pass sogar gratis zu besuchen. Ich wähle das Nishimuraya Honkan, ein mehr als 165 Jahre altes Ryokan und Mitglied bei Relais & Châteaux. Lonely Planet hat es vor Kurzem zum besten Onsen Ryokan in Japan gewählt.
Rund um einen idyllischen Garten mit sattem Grün, Wegen aus Steinplatten und plätscherndem Wasser mit großen Kois sind Zimmer im klassisch japanischen Stil angelegt: Am Boden liegen Tatami-Strohmatten, hinter Schiebetüren aus Papier sind Matten versteckt, die vom Personal abends hervorgeholt und zu Futon-Betten ausgerollt werden. Das minimalistische Interieur besteht nur aus niedrigen Tischen und Sitzkissen. Keine überladene Deko, sondern konzentriert auf die Schönheit im Einfachen – eine Wohltat für die Augen und das Wohngefühl.
Das Nishimuraya Honkan, zu dem auch das nahe gelegene Nishimuraya Hotel Shogetsutei gehört, bietet neben Thermalbädern auch höchste Kulinarik: Ein exklusives Menü wird im eigenen Zimmer serviert, wobei sich das Personal nach traditioneller Art auf den Knien mit der Stirn bis zum Boden verneigt.
Spaziert man in die kleine 3.500-Seelen-Stadt, hört man den ganzen Tag lang das Klappern der traditionellen Holzschuhe der Gäste am Asphalt, viele von ihnen in den Baumwollkimono gekleidet, den man am Weg zum Onsen trägt, aber auch zum Shoppen, zum Lunch oder Dinner. Klassischer geht es nicht.
Tipp: Unterwegs mit dem Mietauto
Japan hat ein hervorragendes Netz mit Zügen und Bussen. Doch in den letzten Winkel und zu vielen Geheimtipps kommt man nur mit dem Auto. Der Linksverkehr ist nur ein wenig gewöhnungsbedürftig, die zurückhaltende Fahrweise vieler Japaner sehr angenehm. Bei der Buchung eines Mietwagens sollte man aber auf Nummer sicher gehen. Bei Sunny Cars ist man mit der inkludierten Rundum-Sorglos-Garantie gut aufgehoben. Mit diesem Versicherungsschutz kann man einfach losfahren und die Reise genießen.


