Max macht schon wieder Probleme. Er streikt. Keinen Zentimeter will er sich mehr bewegen. Nicht gerade optimal bei einer Wanderung mit Alpakas. Doch genau hier liegt das Geheimnis dieser herrlich entschleunigenden Erfahrung. Es ist die reinste Psychotherapie. Einmal die Leine in der Hand, sind der Alltag und alle Sorgen vergessen. Man konzentriert sich nur noch auf seinen flauschigen Wanderpartner. Und wenn Max, der Anführer der Gruppe, einfach lieber fressen statt laufen will, machen Milo, Hugo, Otto und Bruno exakt das Gleiche. Unser Wanderführer Ignaz (64) nimmt die unfreiwillige Pause gelassen.
Naschen muss erlaubt sein
Mit einem sanftmütigen Lächeln und Südtiroler Akzent erklärt er: „Das frische Gras ist nach dem langen Winter wie Schokolade für die Tiere.“ Das verstehe ich. Ein bisschen Naschen muss doch schließlich erlaubt sein. Also machen wir ein kleines Päuschen. Auf einmal geht es wieder weiter. Vorbei an hügeligen Wiesen, durch einen herrlich duftenden Wald, wo man ab und zu sogar noch eine Wildbiene vorbeischwirren sieht – und immer mit Blick auf die Südtiroler Berge.
Jeden zweiten Tag macht Ignaz die Tour mit den kleinen und großen Gästen des AKI Family Resort Plose. Die Alpakas leben dort das ganze Jahr über auf einer kleinen Farm gemeinsam mit Kaninchen, Ziegen und Hühnern. Ignaz kümmert sich liebevoll um die Tiere und hat die flauschigen Lama-Verwandten mit den knuffigen Knopfaugen sofort in sein Herz geschlossen, auch wenn es mit dem Gehorchen so eine Sache ist. Doch der Südtiroler hat dafür Verständnis und eine Erklärung: „Vorher hatten sie andere Namen.“ Haben sich also Spartacus, Caesar & Co einfach noch nicht an ihre neue Identität gewöhnt? Möglich! Immerhin leben sie erst seit nicht viel mehr als einem Jahr im neu eröffneten Familien-Resort in Plose. An ihrem neuen Zuhause haben die ursprünglich in den Anden heimischen Tiere schnell Gefallen gefunden. Aufgrund ihres sanften Wesens und ihrer besonderen Anpassungsfähigkeit haben sich die Andenkamele in Südtirol, wo es inzwischen mehrere Zuchtbetriebe gibt, in den vergangenen Jahren schnell etabliert. So auch Max und seine Männer-Clique.
Weibchen sind zu neugierig
Dass es hier um die Frauenquote so schlecht bestellt ist, hat einen guten Grund. „Wandern kann man nur mit den Männchen. Die Weibchen bleiben ständig stehen. Sie sind so neugierig“, berichtet Ignaz und muss dabei selbst ein bisschen schmunzeln. „Mich faszinieren die Tiere. Vom Charakter her sind sie wie Schafe. Doch was sie von allen anderen abhebt, ist ihre Reinlichkeit. Sie haben quasi eine Toilette, machen immer an die gleiche Stelle“, zeigt sich der Alpaka-Flüsterer begeistert. Toilettenpausen wird es also auf unserer Tour definitiv nicht geben. So können wir mit den Tieren noch ein paar Meter durch diese wunderschöne Landschaft machen.
Am Ende haben wir in nicht einmal zwei Stunden zwar nur zwei bis drei Kilometer geschafft und auch keinen Gipfel erklommen – aber darum geht es bei einer Alpaka-Wanderung auch gar nicht. Wie wahr ist hier der Spruch: Der Weg ist das Ziel. Und während Max zum Abschluss nochmals prüfend über die Wiese schnuppert, bevor er gemächlich den Rückweg antritt, wird eines ganz klar: Man braucht keinen Gipfel, um hoch hinaus zu kommen. Manchmal reichen ein flauschiger Begleiter, ein ruhiger Schritt und der Blick auf die Berge, um zu spüren, was wirklich zählt. Entschleunigung im Alpaka-Stil.
Gute Tipps
AKI Family Resort Plose: Das Resort hat 70 Familiensuiten mit getrenntem Kinderzimmer. Im Kids Club werden Babys ab vier Wochen betreut (tägl. 9 bis 21 Uhr). Die Badewelt verfügt über beheizte Indoor- & Outdoorpools, ein Kinder- sowie ein Babybecken. Für Erwachsene gibt es zudem einen Wald-Spa.
Outdoor-Paradies Plose: Auf einfachen Wanderwegen wie dem WoodyWalk oder dem Longen können am Plose bei Brixen Groß und Klein die Natur spielerisch entdecken. Wer Action liebt, kommt mit dem PloseBob, einer rasanten Schienenrodelbahn, auf seine Kosten. Ein besonderes Erlebnis ist die Fahrt mit den Mountaincarts. Auf einem neun Kilometer langen Weg geht’s rasant talwärts.


