Wien rüstet sich für zukünftige Extremwetterereignisse: Nach den schweren Unwettern im september 2024 wurde das Pumpwerk Donauinsel umfassend modernisiert und um eine neue Hochleistungspumpe erweitert. Diese kann bis zu 15.000 Liter Wasser pro Sekunde fördern und gilt damit als größte Regenwasserpumpe ihrer Bauart in Europa. Insgesamt wurden 18 Millionen Euro in das Projekt investiert, das innerhalb von nur 22 Monaten von der Ausschreibung bis zur Inbetriebnahme umgesetzt wurde.
Das Pumpwerk Donauinsel zählt zu den wichtigsten Einrichtungen der Wiener Abwasserinfrastruktur und ist insbesondere für die Entsorgung in Floridsdorf und der Donaustadt von zentraler Bedeutung. Während an trockenen Tagen zwischen 600 und 2.000 Liter Abwasser pro Sekunde unter der Donau zur Kläranlage in Simmering transportiert werden, steigt die Wassermenge bei starken Regenfällen erheblich an. Um das Kanalnetz zu entlasten und Überflutungen zu verhindern, kann überschüssiges Mischwasser aus Abwasser und Niederschlag über leistungsstarke Pumpen in die Donau abgeleitet werden. Mit der neuen Anlage wurde die maximale Förderleistung des Pumpwerks von bisher 45.000 auf 60.000 Liter pro Sekunde erhöht – ein Plus von rund 33 Prozent.
„Verantwortungsvolle Politik bedeutet heute schon, an Übermorgen zu denken. Deshalb haben wir sofort nach dem verheerenden Hochwasser im september 2024 mit den Ausbauplänen für diesen Abwasserknoten begonnen. Wir stärken unsere Infrastruktur, um die Menschen in Floridsdorf und Donaustadt in Zukunft noch besser vor Starkregenereignissen zu schützen. Mit der Investition in das Pumpwerk Donauinsel erhöhen wir die Abflusskapazität bei Regen, und schaffen so mehr Sicherheit für den 21. und 22. Bezirk“, erklärt Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky die Maßnahmen.
Neben der neuen Hochleistungspumpe wurde auch die bestehende Anlagentechnik modernisiert. Zwei Regenwasserpumpen können künftig über Frequenzumrichter bedarfsgerecht gesteuert werden. Dadurch lässt sich ihre Leistung an die jeweilige Wassermenge anpassen, was den Energieverbrauch reduziert und die Lebensdauer der Motoren verlängert. Auch das Gebäude selbst wurde umfassend saniert. Neue Isolierglasfenster, verbesserte Wärmedämmung, außen liegender Sonnenschutz und eine Dachbegrünung sollen für eine bessere Energiebilanz sorgen. Auf der rund 3.000 Quadratmeter großen Dachfläche wurde zudem eine Photovoltaikanlage mit einer Spitzenleistung von 260 Kilowatt installiert. Diese kann je nach Verbrauch den Strombedarf von 50 bis 100 Haushalten decken. Ein weiterer Schritt ist die Umstellung von der bisherigen Ölheizung auf eine Grundwasser-Wärmepumpe. Damit sollen jährlich rund 300 Tonnen CO₂ und 50.000 Euro eingespart werden.
Im Pumpwerk Donauinsel befindet sich außerdem die zentrale Leitwarte des rund 2.500 Kilometer langen Wiener Kanalnetzes. Von hier aus wird die Abwasserentsorgung der Stadt digital überwacht und gesteuert. Täglich werden rund 500 Millionen Liter Abwasser von etwa zwei Millionen Menschen, 180.000 Gebäuden und sieben Umlandgemeinden durch das Kanalnetz transportiert. Für einen möglichst reibungslosen Betrieb liefern 700 Messstellen laufend aktuelle Durchflussdaten. Zusätzlich werden Niederschlagsmessungen und Wetterprognosen der GeoSphere Austria in die Steuerung einbezogen. Im Rahmen der Modernisierung wurde auch die digitale Infrastruktur der Leitwarte mit neuer Hard- und Software ausgestattet. Damit sollen die Betriebssicherheit und der Schutz vor Cyberangriffen weiter verbessert werden.
Mit der Fertigstellung der neuen Pumpe ist der Ausbau der Wiener Abwasserinfrastruktur noch nicht abgeschlossen. Wien Kanal plant bereits zwei weitere Großprojekte, die insbesondere die Versorgungssicherheit in Floridsdorf und der Donaustadt erhöhen sollen. Auf der Donauinsel soll ein unterirdisches Speicherbecken mit einem Fassungsvermögen von rund 100 Millionen Litern entstehen. Dieses soll bei Starkregen große Mengen Mischwasser vorübergehend aufnehmen und damit die direkte Ableitung in die Donau reduzieren. Gleichzeitig könnte es bei einem Ausfall des Pumpwerks als zusätzlicher Speicher dienen. Ergänzend ist eine zweite, rund 500 Meter lange Abwasserleitung unter der Donau geplant. Sie soll eine alternative Transportverbindung zur Kläranlage in Simmering schaffen und die Abwasserentsorgung auch bei einer Störung der bestehenden Leitung sicherstellen. Beide Vorhaben befinden sich derzeit in der Planungsphase.