Das ist also Rossella. Seit Wochen kenne ich sie vom Schreiben – und jetzt bin ich da, auf „ihrer“ Insel. Diese Frau mit dem lockigen Haar und einem Fahrrad an der Hand steht am Pier von Spetses und umarmt mich gleich herzlich. Zuvor war es ein ruhiger Ritt mit der Fähre von Hellenic Seaways über die sanften Wellen der Ägäis von Piräus gen Süden. Schon hatte sich die Nacht angekündigt, als der Highspeed-Katamaran die Inselhauptstadt ansteuerte. Eine prachtvolle Kulisse, denke ich. In den nächsten Tagen will ich dieses Eiland erkunden, und dabei wird mir Rossella helfen.
Viel Geschichte und Flair

Die Mailänderin managt nämlich hier auf Spetses, ihrer zweiten Heimat, vier traumhafte Villen – im Auftrag von The Thinking Traveller. Diese vielfach ausgezeichnete Vermietungsagentur hat sich auf handverlesene Luxushäuser im Mittelmeerraum spezialisiert. Und da geht es nicht nur um exklusives Wohnen auf Zeit in der schönsten Zeit des Lebens, sondern um viel mehr, wie ich erleben werde. So viel sei mal verraten. „Komm, los geht’s!“, sagt Rossella mit einem Lächeln und führt mich die Hafenmeile entlang. Ein prächtiges Haus reiht sich ans nächste. Dann gehen wir durch schmale Gassen, nur Mopeds dröhnen manchmal vorbei.
Spetses ist mit wenigen Ausnahmen autofrei, eine Wohltat. Schließlich zieht Rossella vor der Tür an einer von einer üppig rosa blühenden Bougainvillea verzierten Wand einen Schlüssel und öffnet den Weg ins Paradies der weiß getünchten Villa Clelia. Vorbei am beleuchteten Swimmingpool, der Sommerküche und dem riesigen Open-Air-Esstisch geht es über einige Steinstufen ins ehemalige Haus eines Kapitäns, heute ein geschmackvolles, luxuriöses Hideaway. Wie aus einem Interieur-und-Design-Magazin entsprungen, reiht sich Zimmer an Zimmer, die einen gemütlichen Flair mit einem hervorragenden Mix aus alten und modernen Kunstwerken und edlen Materialien verbinden.
Und ja, in der Villa Clelia kann man auch vorzüglich schlafen. Aus Morpheus’ Armen erwacht, wartet schon die Erkundung der Inselhauptstadt auf mich. Und Rossella. In einem Kafenio, wie das traditionelle griechische Kaffeehaus heißt, macht sie Spetses gleich eine Liebeserklärung: „Ich liebe diese Insel von ganzem Herzen. Sie unterscheidet sich so sehr von vielen anderen Orten in Griechenland.“ Von den rund 4.000 Insulanern leben fast alle im geschichtsträchtigen, eleganten Hauptort mit kosmopolitischem Flair, der Rest ist fast nur Natur auf dem 27 Quadratkilometer großen Eiland. Die nach dem mythischen König Saron benannte Inselgruppe besteht auch noch aus Ägina, Hydra, Dokos, Poros, Salamis und Angistri. Auf den „Inseln der Athener“ wird der gesellschaftliche Zusammenhalt noch großgeschrieben: „Ich schätze das Gemeinschaftsgefühl hier sehr“, erzählt Rossella. „Wir kennen uns alle, und man fühlt sich nie allein.“ Ein Winken und Grüßen hier, ein Scherzen dort – und für mich fallen dabei gleich einige Tipps ab, was ich auf Spetses nicht versäumen darf.
Allgegenwärtige Heldin
Und immer wieder fällt ein Name: Laskarina Bouboulina. Sie ist die legendäre Heldin der Insel, eine Kapitänin, die vor mehr als 200 Jahren im griechischen Befreiungskrieg mit einer kleinen Privatarmee gegen die Osmanen kämpfte. Heute sind in ganz Griechenland Straßen nach ihr benannt und Geldscheine und Münzen zieren ihr Konterfei.
Auf Spetses ist sie allgegenwärtig. Als ich durch eine enge Gasse mit Läden und Bars am kleinen Fischmarkt vorbeigehe, erblicke ich an der Flaniermeile am Meer das Restaurant Bouboulina. Um die Ecke komme ich zum Hafen Dapia, dem Zentrum des Insellebens mit Cafés, Restaurants und Schanigärten, von denen der Blick über die Taxiboote bis zum wenige Kilometer entfernten Ufer des griechischen Festlands schweift. Bouboulina-T-Shirts in Boutiquen lasse ich links liegen, aber ihre Statue wenige Schritte entfernt ist ein Muss. Dahinter steht das riesige Poseidonion Grand Hotel, untrennbar mit der Geschichte des Tourismus auf Spetses verbunden. Das traditionsreiche, neoklassische Luxushotel öffnete im Jahr 1914 seine Pforten und ist mit seinen 55 Zimmern seither das einzige größere Inselhotel. Ansonsten wohnt man in Spetses meist in Ferienwohnungen oder Villen, und davon gibt es hier angesichts des Erbes reicher Athener und erfolgreicher Seeleute jede Menge.
Weltweit einzige Admiralin

Natürlich hatte auch die Familie der Nationalheldin ein paar Gässchen weiter ein prächtiges Herrenhaus, das ich jetzt ansteuere. Hier hat ein Nachfahre im Gedenken an Laskarina Bouboulina ein Museum gegründet. Man fühlt sich in die Vergangenheit zurückkatapultiert und staunt über den Reichtum der damaligen Inselgesellschaft. Für Griechen mit Nationalstolz ist dieser Palast Pflicht, und ihre Augen glänzen, wenn sie durch die Räume wandeln und Waffen, Modelle von Kriegsschiffen, Dokumente der Revolution und persönliche Gegenstände jener Frau bewundern, die von der griechischen Marine erst vor acht Jahren zur Konteradmiralin ernannt worden ist.
Und weil es noch nicht genug ist, mache ich noch einen Abstecher zum Spetses Museum. Der Spaziergang verläuft durch Gässchen mit historischen Häusern, links Katzen und rechts Katzen, bis ich beim Herrenhaus von Hatzigiannis Mexis ankomme. Mächtig und prächtig thront es und begeistert mit Objekten aus mehr als 4.000 Jahren Kulturgeschichte der Insel.
Privatdinner und Helikopter
Nun sollte ich aber in die Gegenwart springen, denn jetzt hat mich die Lust auf die griechische Küche übermannt. Bei der riesigen Auswahl an Tavernen und Kneipen hat man auf Spetses die liebe Qual, denn die hervorragende Küche ist allgegenwärtig. Wer es dagegen lieber privat und intimer hat, für den arrangiert das Team von The Thinking Traveller rund um Rossella Manzetti eine besonderes Dinner: Eine Inselköchin kommt in die Villa und zaubert ein mehrgängiges traditionelles Menü für die Gäste, mit den besten Weinen als köstliche Begleiter.
Überhaupt sind die Ideen der Tourismusprofis nahezu unendlich und reichen vom privaten Jachtcharter über private Kochkurse bis zum Reitabenteuer. Sogar mit dem Helikopter kann man abheben und einen unvergesslichen Blick von oben auf die Insel und das Meer genießen.
Einmal rund um die Insel

Doch wozu hoch in die Luft, wenn das Gute liegt so nah, denke ich mir am nächsten Tag. Heute will ich die andere, die wilde, die grüne Seite der Insel entdecken. Also auf zum nächsten Rental Service, und schon starte ich gemütlich mit einem Elektro-Tuktuk die 27 Kilometer lange Inselrunde. Gleich ist man draußen aus der Stadt, und dann geht es gemächlich bergauf und bergab die Küste entlang. Stets den Himmel mit weißen Schönwetterwolken und das blaue Meer vor sich, ist es eine Genussfahrt für die Augen. Bleibt man stehen, steigt einem die duftende Flora neben der Straße in die Nase. Es ist hier so wenig los, dass man glauben könnte, die Insel gehöre einem alleine. Wie gut, diese Nebensaison.
Natürlich geht es nicht ohne den einen oder anderen Abstecher zum Wasser. Entlang der Strecke liegen mehrere Strände, mal nur mit einer kleinen Kirche, mehreren Liegestühlen und Sonnenschirmen, dann wieder mit einer Bar und einem Restaurant und dann auch mal gar nichts als Natur pur, ideal zum Wildbaden. Schließlich komme ich abends von der anderen Seite zurück in die Stadt, genehmige mir noch einen Sundowner am Meer und träume versonnen von diesem Tag.
Mit dem Skipper nach Hydra
Aber klar ist: In Griechenland muss man auch raus aufs Meer. Deshalb schickt mir The Thinking Traveller Christophorus vorbei. Mit seinem Iron Boat schippern wir raus aus dem Hafen, rechts am Horizont liegt die Privatinsel Spetsopoula, die die Reederfamilie Niarchos in den 1960er-Jahren gekauft hat, und vor uns nach einer halben Stunde das andere Inseljuwel Hydra. Keine Filmkullisse, sondern echt ist dieser Hafen mit alten Fischerbooten neben Edeljachten, von dem altehrwürdige Häuser die Hänge hinaufklettern. Auch hier hat übrigens The Thinking Traveller einige Villen, aber dafür muss ich wohl mal extra herkommen.
Info: The Thinking Traveller
Für anspruchsvolle Reisende bietet das Ehepaar Rossella und Huw Beaugié edle Villen und außergewöhnliche Hideaways. „Wir suchen Häuser, Villen und Anwesen mit Charakter. Wir kennen die Objekte genau – ihre Geschichte, ihr Design und ihre Verfügbarkeit.“ Die Domizile werden von ihrem Team im Auftrag der jeweiligen Besitzer vermietet und betreut. Gegründet wurde The Thinking Traveller im Jahr 2002 auf Sizilien. Der Fokus liegt auf Italien, Griechenland und Korsika.


