schauvorbei.at: Herr Landeshauptmann, wenn Sie das Burgenland als Reisedestination mit drei Begriffen beschreiben müssten: Welche wären das und warum?
Hans Peter Doskozil: Vielfältig, herzlich und regional. Das Burgenland etabliert sich immer mehr als Ganzjahresdestination, die viel zu bieten hat: von unseren Thermen, Nationalparks, Kulturbühnen bis hin zu den sportlichen Angeboten, umrahmt von einer einzigartigen kulinarischen Vielfalt, bei der besonders Weinliebhaber auf ihre Kosten kommen. Ich bin auch davon überzeugt, dass die burgenländische Geselligkeit ein großer Pluspunkt unserer Region ist und die vielen Betriebe mit ihren herzlichen Gastgebern zum guten Ruf des Burgenlandes als Urlaubsdestination enorm beitragen. Das wird den Tourismus auch in Zukunft tragen. Und der gemeinsame Nenner, der über alle unsere Tourismussäulen gestülpt werden kann, ist Regionalität.
schauvorbei.at: Von Jänner bis Oktober 2025 wurden 3.018.224 Nächtigungen gezählt, ein Plus von 3 % gegenüber dem gleichen Zeitraum 2024. Damit wurde die 3-Millionen-Marke so früh wie noch nie in der Geschichte der burgenländischen Tourismusstatistik erreicht. Wie kann dieser Erfolg fortgeführt werden?
Hans Peter Doskozil: Indem wir uns auf das Wesentliche konzentrieren: Unsere Gäste sollen hier ankommen, sich wohlfühlen, wiederkommen. Dafür investieren wir bewusst in Qualität – in unsere Radwege, starke Naturangebote, moderne Thermen, mutige Kulturprojekte. Tourismus funktioniert nur, wenn er die Regionen stärkt. Wir setzen daher weiterhin bewusst auf sanften Tourismus und regionale Produkte, das kommt bei den Gästen an. Die aktuellen Zahlen bestätigen jedenfalls einmal mehr, dass wir mit unseren strategischen Projekten, der Investition in Infrastruktur und einer konsequenten Vermarktung des Burgenlandes als Ganzjahresdestination goldrichtig liegen.
schauvorbei.at: Welche Märkte und Zielgruppen werden für den burgenländischen Tourismus zunehmend wichtiger?
Hans Peter Doskozil: Wir merken: Die Menschen wünschen sich kurze Wege, echte Begegnungen und Natur, die nicht inszeniert ist. Deshalb werden Gäste aus Wien, den Nachbarländern Ungarn und Slowakei und junge Familien immer wichtiger. Und jene, die bewusst reisen: Radfahrer, Genießer, Erholungsuchende – Menschen, die ein Gefühl suchen, nicht nur ein Hotelzimmer. Immer mehr Burgenländerinnen und Burgenländer machen auch Urlaub in der eigenen Region, nach dem Motto „Das Gute liegt so nah“. Aber auch Deutschland bleibt als wichtigster Auslandsmarkt in unserem Fokus.
schauvorbei.at: Heuer wurde das gesamte Burgenland nachhaltigkeitszertifiziert. Welche Effekte erwarten Sie sich davon?
Hans Peter Doskozil: Nachhaltigkeits-Zertifizierungen sind mehr als ein Gütesiegel. Sie sind auch ein Versprechen: dass wir die Natur, die das Burgenland ausmacht, ernst nehmen. Durch diese Zertifizierungen können wir einen messbaren Qualitätsstandard anbieten und die Gäste merken: Hier meint man es ehrlich. Das schafft Vertrauen. Und Vertrauen zieht Besucher an, die bleiben wollen und wiederkommen. Außerdem machen uns Zertifizierungen auch stärker sichtbar im internationalen Wettbewerb, weil das Interesse an nachhaltigen Destinationen mit starken Naturerlebnissen stetig wächst.
schauvorbei.at: Stichwort Fachkräftebedarf: Sie planen drei neue überbetriebliche Lehrwerkstätten, eine davon für die Sparte Tourismus. Welche Verbesserungen sollen damit erreicht werden und wie ist der aktuelle Stand der Planungen?
Hans Peter Doskozil: Wir wollen jungen Menschen zeigen, dass Tourismusberufe voller Entwicklungsmöglichkeiten und auch voller Begegnungen sind, Berufe mit Zukunft. In den Lehrwerkstätten bekommen sie eine moderne, hochwertige Ausbildung auf Augenhöhe. Die Planungen sind im Laufen, aktuell liegen Standort- und Ausbildungskonzepte vor. Das ist ein wichtiger Schritt für das ganze Land, dadurch wirken wir dem Fachkräftemangel entgegen.
schauvorbei.at: Welche Rolle spielt der burgenländische Tourismus beim Umgang mit aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen?
Hans Peter Doskozil: Wenn die Wirtschaft wackelt, bleibt der Tourismus oft jener Bereich, der Regionen trägt. Einerseits, weil der Tourismus ein stabiler regionaler Arbeitgeber ist. Andererseits, weil unser touristisches Angebot den Menschen im Land auch vor Augen hält: Wir haben eine Region, die wir mit Stolz zeigen können. Das ist in herausfordernden Zeiten mehr wert als man in Zahlen messen kann. Aber auch die Zahlen sprechen für sich, ein Nächtigungsrekord jagt den anderen. Das heurige Kalenderjahr erreichte bis September mit über 2,7 Millionen Nächtigungen und einem Plus von drei Prozent den höchsten Wert aller Zeiten. Darauf können wir stolz sein, diesen Rekordkurs wollen wir mit unserem Ganzjahresangebot natürlich weiterfahren.
schauvorbei.at: Zum Abschluss eine persönliche Frage: Welche Region im Burgenland würden Sie heute einem Freund als Geheimtipp empfehlen und warum?
Hans Peter Doskozil: Das Burgenland ist so vielfältig, dass es wirklich darauf ankommen würde, welcher Freund mich fragt. Jetzt, in der Adventzeit würde ich vielleicht einen Thermenaufenthalt in Kombination mit einem Ausflug zum Winterwunder Mörbisch mit der größten Weihnachtskrippe der Welt empfehlen. Wobei, ich glaube Geheimtipp ist das keiner mehr. Als Geheimtipp würde ich wahrscheinlich einen Aufenthalt in einem Kellerstöckl vorschlagen. Dort findet man Ruhe, die nicht künstlich erzeugt ist. Und Weinbauern, die ihre Weine mit Know-how und einer Wärme erklären, die man nicht spielen kann. Alle Reisen ins Burgenland lassen sich mit Kulinarikerlebnissen verbinden, das steht fest. Und wer gerne wandert oder mit dem Rad unterwegs ist, kommt sicher auch auf seine Rechnung. Und im Sommer sollte man im Burgenland die großen und kleinen Bühnen von Mörbisch bis Schloss Tabor nicht auslassen. Vielleicht wären Tickets dafür ein Geheimtipp für ein besonderes Weihnachtsgeschenk.
schauvorbei.at: Vielen Dank für das Gespräch!
