Auch wenn der Klapperstorch sonst den Kindersegen bringt, so freut sich der Weißstorch im Burgenland selbst über Nachwuchs. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie stark sich der Bestand erholt hat. 1986 wurden im Burgenland nur 273 Brutpaare mit 518 ausgeflogenen Jungvögeln gezählt. Noch im Jahr 2020 waren es 385 Paare mit 797 Küken. Vor zwei Jahren wurden 584 Brutpaare gezählt und die 1.000er-Marke mit insgesamt 1.030 Baby-Störchen geknackt. Damit beherbergt das Burgenland weiterhin die meisten Störche aller österreichischen Bundesländer.
Gut gefördert
Diese steigenden Zahlen haben einen Grund. Seit 2019 fördert das Land Burgenland die Errichtung und Instandsetzung von Horsten für den Weißstorch. Auch heuer stehen dafür insgesamt 10.000 Euro zur Verfügung. Privatpersonen, Vereine und Gemeinden können für entsprechende Maßnahmen bis zu 1.500 Euro pro Standort erhalten. Ziel der Förderung ist es, ausreichend geeignete Nistplätze zu schaffen und damit die positive Entwicklung weiter zu unterstützen.
„Die aktuellen Höchststände zeigen, dass sich die Storchenpopulation nach den Verlusten der vergangenen Jahrzehnte wieder gut erholt hat. Mit unserer Storchennest-Förderung sorgen wir dafür, dass genügend geeignete Nistplätze vorhanden sind und sich die Störche weiterhin gerne im Burgenland ansiedeln“, erklärt Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner, die als Landesrätin unter anderem für Naturschutz zuständig ist.
Lebensräume sichern
Damit diese positive Entwicklung langfristig anhält, sind geeignete Lebensräume entscheidend. Vor allem extensiv bewirtschaftete Feuchtwiesen spielen eine wichtige Rolle für den Weißstorch. „Sie bieten Nahrung und Lebensraum – nicht nur für den Storch selbst, sondern für viele andere Arten. Ihr Erhalt ist daher ein zentraler Baustein für den Natur- und Artenschutz im Burgenland“, betont Haider-Wallner.
Gleichzeitig stellen veränderte Lebensbedingungen die Tiere vor neue Herausforderungen. Der Verlust von Grünland, sinkende Bestände an Insekten und Amphibien sowie der Rückgang kleiner Feuchtflächen – unter anderem durch zunehmende Trockenperioden – beeinflussen die Lebensräume der Störche zunehmend.
Klimawandel verändert Zugverhalten
Auch die Klimakrise wirkt sich auf das Zugverhalten der Störche aus. Weißstörche kehren heute häufig früher aus ihren Winterquartieren zurück. Besonders bei westwärts ziehenden Populationen, die über Gibraltar fliegen und teilweise bereits in Westeuropa überwintern, sind deutliche Verschiebungen der Zugzeiten zu beobachten.
Die burgenländischen Störche zählen überwiegend zu den sogenannten Ostziehern, die über den Bosporus fliegen. Obwohl ihre Zugrouten weitgehend stabil bleiben, zeigt sich auch bei ihnen eine frühere Rückkehr. Zeitig ankommende Tiere haben bessere Chancen auf geeignete Brutplätze – ein Faktor, der langfristig ebenfalls zu Veränderungen der Zugzeiten führen kann.


