Wenn am 30. Juni 2026 der 100. Geburtstag von „Peter dem Großen“ medial abgefeiert wird, erwartet die Öffentlichkeit im gesamten deutschsprachigen Raum eine Welle von Wiederaufführungen seiner mehr als 50 Spielfilme, darunter „Die Abenteuer des Grafen Bobby“, „Schwejks Flegeljahre“ oder „Das Liebeskarussell“. Apropos Fernsehen: Dieses Medium machte ihn zum Superstar. „Peter Alexander präsentiert Spezialitäten“ (von 1969 bis 1978 zwölf Mal im ZDF), „Peter Alexander: Wir gratulieren“ (von 1979 bis 1985 sieben Mal im ZDF) und „Die Peter Alexander Show“ (von 1987 bis 1995 sechs Mal im ZDF und ORF) waren Straßenfeger.
Und seine Schallplattenhits sind zeithistorische Dokumente für die heile Schlagerwelt der Nachkriegszeit. Die Peter-Alexander-Tourneen durch Österreich, Deutschland und die Schweiz füllten in den 1970er- und 1980er-Jahren die größten Hallen. Mit „Hier ist ein Mensch“, „Ich zähle täglich meine Sorgen“ oder „Das machen nur die Beine von Dolores“ begeisterte er ein Millionenpublikum.
Jazz am Flügel
Ich war mit Peter sowie seiner Frau und cleveren Managerin Hilde seit den 1970er-Jahren befreundet. Bei unseren vielen privaten Treffen zeigte sich, dass Peter Alexander wie kein anderer gekonnt Anekdoten zum Besten gab. Da tauchten all seine Filmpartner aus fünf Jahrzehnten auf – bis hin zu Gunther Philipp, meinem Lieblingskomiker aus Kindheitstagen. Herrlich auch, wie Peter erzählte, die Stadt Wien habe ihm ein Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof angeboten. Und als er geantwortet habe, er wünsche in Döbling beerdigt zu werden, habe man ihn auf den Grinzinger Friedhof gebeten, wo ihm ein Beamter der städtischen Bestattung einen bestimmten Grabplatz in unmittelbarer Nähe der letzten Ruhestätte von Gustav Mahler, den er letztlich akzeptierte, mit folgenden Worten anpries: „Schaun’S, Herr Alexander, des is a ideales Platzerl. Da schaun’S direkt auf die Weinberge!“ Peter und Hilde Alexander liebten schwere französische Rotweine. Und wenn Peter in Stimmung war, setzte er sich nach ein paar Gläsern an den Bösendorfer-Flügel in unserem Salon und interpretierte nicht etwa Schlagermelodien, sondern Jazzstandards.
Fünf Jahre Bank Austria
Das war das Motto einer Gala, die ich am 20. September 1996 für die größte Bank im Auftrag von deren Generaldirektor Gerhard Randa mit Vienna Entertainment in der Stadthalle ausrichtete. Randa wünschte sich eine Show der Superlative mit den größten österreichischen Stars aus Pop, Musical, Jazz und Klassik. Und er sollte sie bekommen. Als Präsentator engagierte ich Dietmar Schönherr. Heinz Marecek und Barbara Stromberger waren ebenso mit von der Partie wie die Musicalstars Ethan Freeman, Pia Douwes, Uwe Kröger und Marika Lichter, die Wiener Virtuosen, ein Ensemble aus dem Kreis der Philharmoniker, die Militärmusik des Gardebataillons sowie unser Skisprungass Andreas Goldberger. Die Höhepunkte vor der Pause waren die Auftritte von Österreichs Jazz-Weltstar Joe Zawinul, der seinen Hit „Birdland“ in einem Big-Band-Arrangement vortrug, und von unserem Popstar Udo Jürgens, der ein Best-of-Programm darbot.
Nach der Pause kam es zum legendären letzten Bühnenauftritt des großen Peter Alexander, der damals im 71. Lebensjahr stand und längst seinen Abschied vom Showbusiness kundgetan hatte. Der Jubel des Publikums in der mit 12.000 Menschen voll besetzten Stadthalle war nicht enden wollend. Peter Alexander war für mich als Showman ein Gesamtkunstwerk nach internationalen Standards, der unangefochtene Top-Entertainer des deutschen Sprachraums.
„Schöne, wohlklingende Stimme“
Nach wochenlangen Verhandlungen mit Hilde Alexander hatte er endlich den Vertrag für diesen Auftritt unterzeichnet. Doch plötzlich, es war drei Wochen vor der Gala, machten Hilde und Peter einen Rückzug: „Du, sei uns nicht böse, aber wir wollen diesen Auftritt doch nicht mehr machen!“ Nach bangen Tagen und vielen Telefonaten konnte ich sie doch überreden, und die einmalige Megagala mit den Spitzen der österreichischen Musikwelt wurde ein Riesenerfolg.
Nicht zu glauben, dass das schon 30 Jahre zurückliegt. Udo Jürgens erinnerte sich später: „An diesem Abend ist mir klar geworden, dass es kaum einen Kollegen gab, der so eine professionelle Einstellung zu unserem Job gehabt hat wie Peter. Er hatte eine schöne, wohlklingende Stimme, zwar keine moderne, aber sie hat es ihm ermöglicht, von der Operette bis zum Schlager ein breites Repertoire zu singen. Das hat man in diesen 45 Minuten komprimiert miterleben dürfen.“ In der Pause dieser Gala kam übrigens der nach einigen Stamperln Sliwowitz schon illuminierte Joe Zawinul in die Garderobe von Peter Alexander, der im Smoking auf seinen Auftritt wartete, und sagte in breitem Wiener Dialekt: „Peter, altes Haus, i hab’s schon hinter mir. I geh jetzt.“ Alexander schaute seinen Spezi Zawinul prüfend an und fragte: „Sind noch Leute da?“
Das traurige Ende
Da der ORF diese tolle Show leider nicht aufgezeichnet hat, ist sie nicht für die Nachwelt dokumentiert. Schade, denn Peter Alexander sang viele seiner Hits und brachte seine berühmten Parodien, wie etwa jene von Hans Moser. Er hatte alle Auszeichnungen bekommen, die ein Künstler erhalten kann: 6 Bambis, 4 Goldene Kameras, 10 Löwen in Gold und Silber von Radio Luxemburg, 3 Goldene Europas vom Saarländischen Rundfunk, 1 Goldenes Mikrofon, 1 Lieben Augustin, den Goldenen Rathausmann seiner Heimatstadt Wien, die Romy in Gold und Platin usw.
Das Presse-Echo war erwartungsgemäß enorm. „Der Standard“ nannte die Gala „Superparty“, Michael Jeannée alias Adabei betitelte seine Story in der „Kronen Zeitung“ mit den Worten „Stars und Superstars en masse“ und Ro Raftl brachte es im „Kurier“ auf den Punkt: „Peter der Große war in schwungvoller Hochform.“
Am 12. Februar 2011 verstarb Peter Alexander, dessen großes künstlerisches Vorbild Frank Sinatra war, im Alter von 84 Jahren in der Stadt, der er mit unzähligen Wienerliedern gehuldigt hatte. Seine letzten Lebensjahre waren von Schicksalsschlägen und Krankheit gekennzeichnet. Seine geliebte Frau Hilde war ihm am 30. März 2003 vorangegangen. Tochter Susanne folgte ihr 2009 nach, während Sohn Michael Peter überlebte und erst 2019 verstarb. Zuletzt lebte Peter Alexander zurückgezogen in seiner Döblinger Villa.
Einer der wenigen Freunde, zu denen er noch Kontakt hielt, war unser Piano-Weltstar Rudolf Buchbinder, in dessen Haus Peter Alexander einst zu Silvester vor ausgewählter Gästeschar frivole Gstanzln zum Besten gab, begleitet von Gerhard Bronner am Klavier. Dieser Ausnahmekünstler mit seiner Vielfachbegabung war mehr als eine Ikone der heilen Unterhaltungswelt der Nachkriegszeit. Peter Alexander bleibt als Grandseigneur seiner Zunft unvergessen.


