Es hat ganz schön lange gedauert, bis endlich die Modelle angeboten werden, für die der batterieelektrische Antrieb am besten geeignet ist: kleine Kompakte in der Vier-Meter-Liga, die weder dramatisch viel Leistung brauchen noch Phantasie-Reichweiten verlangen. Sie kommen daher mit verhältnismäßig kleinen Akkus aus und starten so mit einer vernünftigen Umweltbilanz aus der Produktion in ihr Autoleben.
Die Kaufpreise sind eventuell nicht überall ganz so niedrig, wie lange versprochen wurde, aber unverändert gilt: Wer daheim aufladen kann – womöglich sogar mit selbst produziertem Strom aus der hauseigenen PV-Anlage –, kommt insgesamt sehr günstig weg.
Kleiner Allrounder

Der VW-Konzern besetzt das Segment heuer gleich mit mehreren Volt- und Watt-Zwergen seiner Marken mit stets gleichen Technik-Paketen. Die 4,17 Meter lange Škoda-Interpretation davon heißt Epiq, ein kleiner Kompakt-SUV mit vielen praktischen Talenten und ebenso sympathischem wie robustem Look. Das Cockpit-Layout ist auffallend geradlinig gehalten, für Grundfunktionen wie Lautstärkeregelung und Klimasteuerung gibt es analoge Tasten und der zentrale Touchscreen macht sich mit 12,8 Zoll nicht wichtiger als notwendig.
Angeboten wird der Epiq mit Akku-Kapazitäten von 37 und 45 kWh, vorerst ist aber nur die größere Variante mit 211-PS-E-Motor bestellbar, womit der aktuelle Basispreis mit 33.280 Euro ohne Boni und Nachlässe relativ hoch ansetzt. Das eigentliche Einstiegsmodell mit 115 PS, kleinem Akku und rund 310 Kilometer WLTP-Reichweite folgt später in diesem Jahr und wird 26.880 Euro kosten. Für das 211-PS-Modell liegt die Reichweite nach WLTP bei rund 430 Kilometern, in der Praxis sollte sie sich bei rund 380 einpendeln.
Französischer Klassiker

Renault reanimiert in letzter Zeit leidenschaftlich historische Namen für seine E-Modelle, nun eben auch den noch jungen Klassiker Twingo. Als batterieelektrische Neuauflage ist er mit 3,79 Metern um gut 35 Zentimeter länger als der Urahn, für heutige Verhältnisse aber immer noch sehr kompakt. Dafür sind ihm zwei zusätzliche Türen gewachsen, was dem praktischen Nutzen zugutekommt. Sein Design spielt mit zahlreichen Retro-Zitaten, die er aber modern interpretiert.
Mit 82 PS ist er eher moderat befeuert, für den Hunderter-Sprint vergehen gemütliche 12,1 Sekunden, 30 km/h später ist auch schon die Höchstgeschwindigkeit erreicht. Dafür gibt es für diese Fahrzeuggröße beachtliche 360 Liter Kofferraumvolumen und eine um 17 Zentimeter längs verschiebbare Rückbank als praktische Goodies. Die Akku-Kapazität von 27,5 kWh ermöglicht etwa 260 Kilometer WLTP-Reichweite, im echten Leben sollte man mit etwas unter 200 rechnen. Mit einem Preis ab 20.360 Euro ohne Boni und Prämien ist er aktuell das günstigste kleine Elektromodell auf dem Markt.
Quadratisch und praktisch

Der EV2 ist mit 4,06 Metern Länge der kleinste Stromer im Kia-Programm, bietet mit bis zu 450 Kilometern aber die größte WLTP-Reichweite in diesem Segment. Mit geringen Abstrichen hält sie auch in der Praxis weitgehend. Das Design ist jedenfalls nicht alltäglich, Kia setzt unverändert auf den geometrischen Würfel-Look, der vom großen EV9 abwärts laufend maßstabsgetreu verkleinert wurde. Drinnen herrscht klare Aufgeräumtheit und das Raumgefühl eines wesentlich größeren Modells.
Angeboten wird der EV2 als Standard-Range-Variante mit 42,2-kWh-Akku und 146 PS oder als Long Range mit 61,2 kWh und 135 PS, wobei das Basismodell mit rund 310 Kilometer WLTP-Reichweite ab 26.690 Euro ohne Abzüge eingepreist ist. Der Top-Trimm der insgesamt fünf Ausstattungsvarianten streckt sich mit 40.190 Euro allerdings deutlich über gängige Kleinwagen-Limits. Mit rund 8,5 Sekunden für null auf 100 km/h und 160 km/h Höchstgeschwindigkeit gehört der EV2 zu den flotteren unter den kleinen Stromern, er kombiniert dazu sattes und dennoch leichtfüßiges Fahrverhalten und trifft auch in der Abstimmung die goldene Mitte zwischen Sport und Komfort.
Gute Wellenlänge

Der Dolphin Surf ist BYDs kompaktester Beitrag zur E-Mobilität. Er rollt mit einem spritzigen Mix aus Schwüngen und Kanten an, serienmäßig ist ein 10,1-Zoll-Touchscreen inklusive Infotainmentsystem und Navigation an Bord, hochwertige geschäumte Oberflächen und komfortable Sitze runden das Package ab. Der Dolphin Surf wird in zwei Leistungsstufen zu 88 oder 156 PS angeboten, bietet eine komfortable Abstimmung, aber dank nur 1.300 Kilo Kampfgewicht dennoch besonders agiles Handling. In der Ausstattung Active ist der 88-PS-Motor mit einer 30-kWh-Batterie kombiniert, als Boost mit einer 43,2-kWh-Variante. Sie ist auch im Comfort-Trimm an Bord und speist hier das 156-PS-Aggregat. Wer sich für dieses Modell entscheidet, wird mit Vollausstattung verwöhnt, in den anderen sind nur wenige Features wie Sitzheizung, 360-Grad-Kamera oder kabelloses Smartphone-Laden nicht dabei.
Die WLTP-Reichweiten liegen zwischen rund 220 und 320 WLTP-Kilometer, und als Technikvorreiter lässt sich BYD bei den Praxisdistanzen nicht lumpen. Sie decken sich weitgehend mit den Katalogversprechen. Bleibt noch die Preisfrage: Mit einem Starttarif ab 20.980 Euro ohne Abzug weiterer Boni dürfte der Dolphin Surf im Preis-Leistungs-Vergleich der kleinen Stromer klar vorne liegen.


