Story

Immersives Klassenzimmer „Staunino“ macht Demokratie zum Erlebnis

Thomas Brezina eröffnet mit „Demokratino“ ein neues immersives Klassenzimmer im Alten Kino Mörbisch. Das interaktive Format soll Kindern spielerisch zeigen, wie Demokratie funktioniert.
V. l.: Bürgermeisterin Bettina Zentgraf, KBB-Geschäftsführerin Claudia Priber, Thomas Brezina, Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, Bildungslandesrätin Daniela Winkler, Landtagspräsidentin Astrid Eisenkopf und Klubobfrau LAbg. Margit Paul-Kientzl. © Landesmedienservice Burgenland

Wie fühlt es sich an, wenn plötzlich jemand alle Entscheidungen für andere treffen will? Genau dieser Frage geht „Demokratino“ nach, der ersten Produktion von „STAUNINO – Das immersive Klassenzimmer“ in Mörbisch. Das österreichweit bislang einzigartige Projekt wurde von der Burgenländischen Landesregierung gemeinsam mit den Kulturbetrieben Burgenland und mit Unterstützung des Bildungsministeriums unter der inhaltlichen Verantwortung von Thomas Brezina umgesetzt.

Abstimmen statt zuschauen

Das Format richtet sich an Kinder zwischen neun und zwölf Jahren. In einer Fantasiewelt bedroht der selbst ernannte Herrscher Diktatos die Demokratie. Gemeinsam mit dem Zauberlehrling Max müssen die Kinder Entscheidungen treffen und verhindern, dass aus Demokratino eine Diktatur wird. Dabei geht es um Wahlen, Mitbestimmung, unterschiedliche Interessen, Toleranz und gemeinsame Regeln – allerdings nicht als trockene Unterrichtsstunde.

„Mir war wichtig, Demokratie nicht einfach zu erklären. Die Kinder sollen erleben, was passiert, wenn plötzlich jemand kommt und sagt: Ich entscheide alles für euch. Genau das versucht Diktatos. Und er darf nicht dumm sein – er muss verführerisch sein. Denn zunächst klingt es vielleicht sogar bequem, wenn einem jemand alle Entscheidungen abnimmt. Die Kinder müssen selbst entdecken, was sie dadurch verlieren würden. Wenn Kinder nachher darüber reden und vielleicht sogar miteinander diskutieren, dann ist etwas passiert. Genau das wollten wir“, erklärt Brezina.

Auch Landeshauptmann Hans Peter Doskozil ist vom Konzept überzeugt: „Wer hier hineingeht, sitzt nicht einfach vor einer Leinwand und schaut zu. Die Kinder stehen mitten in der Geschichte und entscheiden selbst, wie es weitergeht. Sie stimmen ab, widersprechen und müssen gemeinsam Lösungen finden. Genauso versteht man viel besser, was Demokratie eigentlich bedeutet. Thomas Brezina weiß wie kaum ein anderer, wie man Kinder erreicht, ohne ihnen etwas von oben herab zu erklären. Das merkt man diesem Projekt vom ersten Moment an.“

360-Grad-Erlebnis

„Demokratino“ verbindet eine immersive 360-Grad-Welt mit Animationen, real gedrehten Szenen und interaktiven Elementen. 47 Personen aus sieben Ländern waren an der Umsetzung beteiligt. Gleichzeitig steckt viel Burgenland im Projekt: Gerhard Krammer komponierte die Musik, Elias Music aus Bad Sauerbrunn übernahm die Tontechnik. Auch Stimmen von Eva Maria Marold, Barbara Karlich und Georg Kusztrich sind zu hören.

„Wir haben bei der Entwicklung sehr schnell gemerkt, dass es für vieles, was wir hier machen wollten, kein Rezept gab. Wir mussten ausprobieren, verwerfen und neu anfangen. Dass jetzt hier im Burgenland ein Ort steht, an dem eine ganze Schulklasse mitten in einer Geschichte drinnen ist und gebraucht wird, freut mich ganz besonders“, sagt Brezina.

„Am Ende geht es um etwas sehr Einfaches“, sagt Doskozil. „Kinder sollen verstehen: Demokratie heißt nicht, dass immer alle derselben Meinung sind. Demokratie heißt, dass jede Stimme zählt, dass man einander zuhört und gemeinsam Entscheidungen trifft. Wenn Demokratino genau das vermittelt und dabei auch noch Spaß macht, dann haben wir viel erreicht.“

Neues Leben für das Alte Kino

Mit STAUNINO erhält auch das Alte Kino Mörbisch eine neue Aufgabe. Das 1955 eröffnete und später umfassend sanierte Haus wird von den Kulturbetrieben Burgenland betrieben und neben Kino und Kabarett künftig auch für das immersive Klassenzimmer genutzt. KBB-Geschäftsführerin Claudia Priber sagt: „Mit STAUNINO schaffen wir im Alten Kino ein Format, das es so bisher nicht gegeben hat. Das Haus eignet sich hervorragend dafür: Wir können hier Geschichten buchstäblich in den ganzen Raum holen und Kindern einen Zugang zu Themen bieten, der weit über klassischen Unterricht hinausgeht. Demokratino ist der Auftakt – und zeigt gleichzeitig, welches Potenzial in diesem neuen Format steckt.“

Kostenlos für Schulklassen

Ab 22. Oktober kann „Demokratino“ von Schulklassen aus ganz Österreich nach vorheriger Anmeldung besucht werden. Eine Vorstellung dauert rund 50 Minuten, pro Termin können etwa 50 Personen teilnehmen. Bis 31. Dezember ist der Besuch für Schüler österreichischer Schulen und ihre Begleitpersonen kostenlos.

Auch Bildungslandesrätin Daniela Winkler sieht darin einen neuen Zugang zur Demokratiebildung: „Wir wollen Kinder für Bildung begeistern und ihnen unterschiedliche Zugänge zum Lernen ermöglichen. Dafür probieren wir im Burgenland auch bewusst neue Formate aus. Mit Thomas Brezina haben wir bereits bei unserer Initiative ‚Lesen-Schreiben-Verstehen‘ einen besonderen Weg eingeschlagen. Jetzt setzen wir die Zusammenarbeit mit einem wichtigen Thema fort: Demokratiebildung. Kinder sollen früh verstehen, dass ihre Stimme zählt, dass unterschiedliche Meinungen dazugehören und dass Demokratie vom Mitmachen lebt.“

STAUNINO soll weiter wachsen

Brezina blickt bereits weiter: „Als Nächstes wollen wir auf eine Reise durch den menschlichen Körper gehen und erleben, was dort jede Sekunde Erstaunliches passiert. Und wir haben noch viel vor: Wir wollen dem Neusiedler See auf den Grund gehen. Und wir wollen Räume schaffen, in denen man suchen, rätseln, spielen und manchmal vielleicht auch einen Weg hinausfinden muss. STAUNINO hat gerade erst angefangen.“

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