Cabrio olé: Offene Gesellschaft

Cabrios, definiert durch ihren Genuss, die Fahrfreude und die Möglichkeit, alle Sinne auf Fahrten bei schönem Wetter einzusetzen, werden als eine Art Glücksbringer angesehen und sind historisch aus den Cabriolet-Einspännern Frankreichs entstanden. Im Laufe der Zeit kamen feste Autofdächer in Gebrauch, und mit den 1930er Jahren wurden diese Standard, wobe de offene Fahrgenuss in seiner Ursprungsform sehr eingeschränkt wurde. In neuerer Zeit werden Cabrios seltener und durch die Elektrifizierung dieher schwerer und aerodynamisch ungünstiger, was sie in der Anschaffung teurer und in der Haltung aufgrund geringerer Reichweite weniger attraktiv macht.
Fiat 500 an einer malerischen Landschaft neben dem Meer
Fahrvergnügen mit offenem Dach gibt es mit dem Fiat 500. © Fiat
Sie sind eindeutig Boten der warmen Jahreszeit – und zugleich eine der vielleicht schönsten Varianten der Fortbewegung überhaupt: Cabrios stehen für Genuss, Sehnsucht und Fahrfreude wie kaum ein anderes Auto. Ganz unbemerkt sind sie mittlerweile auch zur bedrohten Art geworden. Gründe genug, sich näher mit den vierrädrigen Glücksbringern zu beschäftigen.

Sonne, Fahrtwind und der Duft des Frühlings oder Sommers in der Nase: Wer Cabrio fährt, beschäftigt alle Sinne und muss dabei noch nicht einmal viel Gas geben. Im Gegenteil – entspanntes Cruisen ist der perfekte Bewegungsmodus unter freiem Himmel. Ursprünglich waren alle Autos Cabrios. Etwa ab Mitte der 1920er-Jahre kamen feste Dächer in Gebrauch. Ein Jahrzehnt später wurde das Verlöten von Metallhauben über den Passagieren zum Standard – schade eigentlich.

Kutscher-Jargon

Cabriolet hießen in Frankreich schon früher leichte Einspänner. „Spider“ oder „Spyder“ wurzeln ebenfalls im Kutschenbau: Grazile Varianten mit dünnen, außen stehenden Rädern erinnern äußerlich an das Insekt. Selbsterklärend ist Convertible, also wandelbar, für luxuriösere Freisitzer. Und in England bezeichnet ein Roadster wortschöpferisch einen, der es der Straße besorgt – so viel zu britischer Zurückhaltung.

Lange Zeit waren Cabrios sogar günstiger eingepreist als zum Beispiel ihre Coupé-Pendants – man bekommt ja schließlich auch weniger Auto um sein Geld. Und noch länger sind sie elitär, einzig der Volkswagen wurde damals ­seinem Namen noch gerecht und hielt mit dem leistbaren Oben-ohne-Käfer dagegen. In Schwung brachten die ganze Sache schließlich aber doch die Italiener: Alfa Romeo Spider, der eigentlich Duetto heißt, und Fiat 124 Sport, später auch Spider genannt, verursachten vor allem in den USA einen wahren Cabrio-Hype.

Offen für alle

Das Golf Cabrio läutete 1979 die Demokratisierung des automobilien Freiluft-Vergnügens ein. Der Fehdehandschuh kommt beim Mitbewerb gut an, die Hochblüte des Cabrio-Lebens waren die 1990er-Jahre: Ford Escort und später Focus, Opel Kadett und Astra, Fiat Ritmo und Punto, Peugeot 205 und 306, Renault 19 und Megane, um nur einige aus der Einsteigerklasse zu nennen. Darüber hinaus lockten schon damals Mercedes, BMW und Audi mit gehobener Ware. 

Seit etwa einem Jahrzehnt dünnt sich das Angebot an leistbaren Cabrios dramatisch aus. Durch das Wegrationalisieren der ­zweitürigen Varianten in der Kompaktklasse fehlt die Basis für die Dachlosen. Aus den Viertürern lassen sich die nur mit großem Aufwand schnitzen. Der Ausreißer ist der Kompakt-SUV VW T-Roc mit Fetzendach, dafür eigens auf zwei Türen umgestrickt.

Den Einsteiger ins Segment bietet Fiat mit dem 500C für knapp über 20.000 Euro, gefolgt von Mini, für dessen Offenen aber schon 14 Tausender mehr fällig werden. Wem die 70 PS des Turiner-Dolce-Vita-Zwergs zu mager sind, erfährt im hitzigen Abarth 595 Cabrio im grundsätzlich gleichen Karosseriekastl mit 165 PS sicher mehr, erreicht damit aber bereits die 30-Tausender-Schwelle. 

Beim offenen Mini beginnt das Leistungsniveau mit dem 136-PS-Cooper bereits höher und ist bis zum dachlosen Race-Cart namens John Cooper Works mit 231 Pferden steigerbar, was allerdings mit einem Betrag von über 47.000 Euro zu berappen ist. VW setzt mit dem Stoffdach-T-Roc eher auf Platz- und Komfortangebot als auf Power und zieht die Euro-Linie dafür bei etwas unter 37.000.

Frischluft versus Akku

In der gehobenen Mittelklasse ist das Oben-ohne-Angebot größer, aber auch empfindlich teurer: BMW 4er-Cabrio und Z4 Roadster, Audis A5 Cabriolet und TT Roadster, die Hut-ab-Versionen von Mercedes-C- und -E-Klasse, spielen in der Liga jenseits von 55.000 Euro. Die Elektrifizierung macht, absehbar, erst recht Schluss mit Luft-Lustig: Batterie-Autos sind schon in Normalbauweise überschwer, die für ein Cabrio notwendigen Karosserieversteifungen und Sicherheitsvorrichtungen würden noch einmal rund 200 Kilo dazupacken. Gemeinsam mit der schlechteren Aerodynamik des Offenen würde das massiv an der ohnehin schon heiklen Reichweite knabbern. Ob VW diese Gleichung mit dem angekündigten ID.Aero zu einem vernünftigen Preis lösen kann, ist noch nicht klar. Der offene Fiat 500e schafft den Spagat. Grund dafür ist, dass er wie sein thermisch angetriebener Bruder eigentlich ein Schummel-Cabrio ist, das nur Dachhaut gegen -stoff getauscht hat. Für einen Kleinstwagen ist er ab 32.700 Euro aber ebenfalls schon recht hochpreisig.

So oder so wird das Cabrio rarer und teurer werden, als es je war. Es kann also kein Fehler sein, jetzt zuzuschlagen. Auch das Adoptieren eines elternlosen Gebrauchten fällt unter gute Taten, die das eigene Karma aufpolieren. Weil die Frischluftregel Nummer eins immer noch lautet: Kein Tag kann so mies gewesen sein, dass ihn eine Heimfahrt unter freiem Himmel nicht wieder geraderückt.

Fiat 500 Cabrio – „Jedermanns Liebling“
  • Technik: Benzinmotor (Hybrid) mit 70 PS, 6-Gang-Schaltgetriebe, ­Vorderradantrieb
  • Abmessungen: L x B x H 3.571 x 1.627 x 1.488 mm
    Radstand 2.300 mm
    Kofferraum­volumen 182 l
    Gewicht 980 kg
  • Fahrleistungen: max. 167 km/h, 0–100 km/h in 13,8 Sek., 4,6 l auf 100 km, 105 g CO2 je km
  • Preis: ab 20.150 Euro 
  • Alle Infos gibt es hier
Mercedes-Benz C-Klasse Cabrio an einer kurvigen Straße mit viel Grün.
Der Mercedes-Benz C-Klasse bringt Freiheitsgefühle pur bei vollem Fahrkomfort. © Mercedes Benz
Mercedes C-Klasse Cabrio – „Hut-ab-Klasse“
  • Technik: Benzinmotoren mit 156, 184, 258, 333, 390, 476 oder 510 PS,
    Dieselmotoren mit 194 oder 245 PS,
    9-Gang-Automatikgetriebe, Hinter-/Allrad­antrieb
  • Abmessungen: L x B x H 4.686 x 1.810 x 1.409 mm,
    Radstand 2.840 mm
    Kofferraumvolumen 360 Liter
    Gewicht 1.690–1.885 kg
  • Fahrleistungen: max. 220–280 km/h, 0–100 km/h Benzin in 4,1–9,5 Sek., Diesel in 6,3–7,5 Sek., Benzin/Diesel 7,5–11,2 l/5,4–5,8 l auf 100 km, Benzin/Diesel 172–255 g/141–152 g CO2 je km
  • Preis: ab 66.093 Euro
  • Alle Infos gibt es hier
Rotes Cabriolet von VW am Meer mit Gebirge im Hintergrund.
T-Roc Cabriolet von Volkswagen bringt Fahrvergnügen für Cabrio-Liebhaber und Neueinsteiger in den luftigen Fahrspaß. © VW
VW T-Roc Cabriolet – „Gut gereifter Allrounder“
  • Technik: Benzinmotoren mit 110 oder 150 PS, 6-Gang-Schaltgetriebe, ­Vorderradantrieb
  • Abmessungen: L x B x H 4.271 x 1.811 x 1.527 mm, ­
    Radstand 2.630 mm
    Kofferraumvolumen 284 l
    Gewicht 1.491–1.536 kg
  • Fahrleistungen: max. 185–205 km/h, 0–100 km/h in 9,6–12,3 Sek., 6,3–6,5 l auf 100 km, 142–148 g CO2 je km
  • Preis: ab 36.690 Euro
  • Alle Infos gibt es hier
Blauer Mini Cabrio mit Münchner Kennzeichen unterwegs mit schneller Geschwindigkeit.
Der kleine Flitzer von Mini bringt rasende Geschwindkigkeit. © Mini
Mini Cabrio – „Gokart für alle Fälle“
  • Technik: Benzinmotoren mit 136, 178 oder 231 PS, 7/8-Gang-Automatik, Vorderradantrieb
  • Abmessungen: ­L x B x H 3.821 x 1.727 x 1.415 mm
    Radstand 2.495 mm,
    Kofferraumvolumen 21 l
    Gewicht 1.255–1.330 kg ­
  • Fahrleistungen: max. 205–242 km/h, 0–100 km/h in 6,5–8,7 Sek., 5,9–7,1 l auf 100 km, 136–162 g CO2 je km
  • Preis: ab 34.700 Euro 
  • Alle Infos gibt es hier
Noch mehr Offene

Mazda MX-5, BMW 4er Cabrio & Z4 Roadster, Audi A5 Cabriolet & TT Roadster, Porsche 718 Boxster, Mercedes-E-Klasse Cabrio 

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