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Die Macht der Maschinen: Welche Jobs von KI bedroht sind

Zugegeben, man könnte auch einfach Sci-Fy-Bücher wie „Blade Runner“ oder „Fahrenheit 451“ lesen und sich damit eine Zukunftsprognose der Arbeitswelt in Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz basteln. Ganz so düster sind die Prognosen der meisten Experten allerdings nicht. Lena Marie Glaser erforscht mit ihrem Labor basicallyinnovative.com schon seit langem, wie wir heute und in Zukunft arbeiten werden. Dabei geht es vor allem darum, die Prozesse sinnvoller und nachhaltiger zu gestalten. Was das in Zusammenhang mit KI genau heißt, haben wir mit der Wiener Autorin des Buches „Künstliche Konkurrenz“ ausführlich diskutiert.

schauvorbeiKIs werden bereits zur Spracherkennung, für Data Mining und Produktempfehlungen genutzt. Wohin wird uns diese Reise in Zukunft führen?
Lena Marie Glaser: Im Rahmen der Recherchen für mein neues Buch „Künstliche Konkurrenz“ ist mir erst bewusst geworden, wie sehr die KI bereits heute unser Leben bestimmt. In Zukunft wird der technologische Fortschritt auch massive Auswirkungen auf unser Arbeitsleben haben. KI ist immer mehr im Einsatz – auf unseren Computern und Smartphones. Oft ist uns das gar nicht bewusst. Als die KI „chatGPT“ im vergangenen Jahr berühmt wurde, ist vielen erst klar geworden: „Wow, die KI kann meine Arbeit teilweise schneller und besser machen.“ Das hat viele Ängste ausgelöst. Wie zum Beispiel: Wird die KI ein Jobkiller? Wird die KI zu einer künstlichen Konkurrenz am Arbeitsmarkt? So ist derzeit der Diskurs geprägt. Wir müssen aber weiterdenken und jetzt die Pausetaste drücken. Das bedeutet, andere Fragen zu stellen. Dazu gehört: Wie wollen wir die KI einsetzen? Wie kann sie uns unterstützen?

Welche Jobs  werden für Menschen konkret in den kommenden fünf Jahren wegfallen? Wer sollte dringend umdenken?
In meinen Gesprächen mit Beschäftigten, die ich für das Buch geführt habe, ist mir aufgefallen: Viele haben noch nicht verstanden, dass die KI auch ihren Job betreffen könnte. Studien zeigen, dass zunehmend Arbeitsplätze betroffen sind, die eine gute Ausbildung erfordern. Dazu zählen Berufe wie Jurist, Buchhalter, Journalist, Projektmanager und Betriebswirt. Wir sind alle gefragt, darüber nachzudenken und die Arbeitgeber sind gefragt die Rahmenbedingungen zu setzen. Wichtige Fragen werden aufgeworfen. Welche Weiterbildungsmaßnahmen müssen gesetzt werden? Wie kann man die KI zur Entlastung der Mitarbeitenden einsetzen? Was soll die Maschine machen und welcher Part muss menschlich bleiben?

Welchen Einfluss haben KIs auf Bewerbungen?
Ich beobachte, dass immer mehr Unternehmen bei der Suche nach Personal auf die Unterstützung von KI setzen. Das kann Prozesse beschleunigen. Aber es birgt auch die große Gefahr, dass die Maschine aufgrund von scheinbar objektiven Kriterien qualifizierte Personen nicht berücksichtigt und sie diskriminiert. Denn KI ist geformt und programmiert von Menschen und spiegelt bestehende gesellschaftliche Ungerechtigkeiten wider. Gerade Unternehmen, die dringend auf der Suche nach Personal sind, rate ich, die KI sehr kritisch und bewusst einzusetzen und die Ergebnisse der KI gründlich zu hinterfragen. Wer qualifizierte, motivierte Mitarbeitende sucht, kann KI einsetzen, sollte aber sehr schnell den persönlichen Austausch mit den Bewerbenden suchen. Denn diese tolerieren es nicht, wenn die Technik eine Hürde in der ersten Kommunikation darstellt.

Welche Chancen und Risiken ergeben sich daraus?
Wie ich in meinem neuen Buch näher ausführe, lassen sich einige Chancen und Risiken identifizieren. Als eine große Chance sehe ich, dass der richtige Einsatz von KI am Arbeitsplatz dazu führen kann, die Arbeitslast der Beschäftigten zu reduzieren. Weniger Stress und Belastungen führen zu einem gesünderen, erfüllten Arbeitsleben. Eine große Gefahr hingegen, die ich sehe, ist, dass Menschen durch den zunehmenden Einsatz von Maschinen selbst zu Robotern gemacht werden. So wird KI schon heute von Unternehmen eingesetzt, um die Effizienz und Produktivität von Arbeitskräften zu steigern, und sie zu kontrollieren.

Wie verändern KIs die Struktur unserer Gesellschaft?
In meinen Recherchen ist mir aufgefallen, dass es unterschiedliche Geschwindigkeiten bei der Nutzung von KI im Job gibt. Einerseits jene, die genau wissen, wie sie die Technologie einsetzen, um sich zum Beispiel Arbeit abnehmen zu lassen. Auf der anderen Seite jene, die von den Möglichkeiten überfordert sind. Dazu gehören viele, die einfach nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Bei manchen ist auch eine Angst spürbar, „abgehängt“ zu werden. Den Unternehmen und Führungskräften, die ich berate, sage ich: „Passt darauf auf, dass die Gräben nicht zu groß werden, und diejenigen, die sich mit KI nicht wohlfühlen, sich nicht in eine innere Kündigung zurückziehen.“ Das nennt man Quiet Quitting. Das ist problematisch – nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die ganze Gesellschaft.

Inwiefern gefährdet Künstliche Intelligenz zwischenmenschliche Beziehungen in Jobs?
Der unregulierte Einsatz der KI in der Arbeitswelt kann auch die Qualität unsere Beziehungen am Arbeitsplatz zerrütten. Zugespitzt gesagt: Wenn Künstliche Intelligenz zur Kollegin wird, mit wem gehen wir dann Kaffee trinken? Außerdem könnten der Druck und die Belastungen steigen, wenn die Menschen in ihren Jobs ständig zittern müssten, dass die KI ihre Arbeit schneller und besser macht. Oder auch die Kollegin mithilfe der KI den eigenen Job obsolet macht. Das kann dem Betriebsklima und dem Zusammenhalt schaden.

Danke für das Gespräch!

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