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Gefühlsecht: Der IONIQ 5 N im Test

Hyundai hat mit dem IONIQ 5 N, der erste N-Modell seiner Elektropalette, den Charme von Hochleistungssportwagen in die Welt der Elektroautos gebracht; die Version strotzt mit bis zu 650 PS und bietet auch eine künstlich simulierte Soundkulisse, die an echte Verbrenner-Turbinen erinnert. Dieser Elektro-Bolide besitzt nicht nur stärkere technische Spezifikationen, sondern auch Simulationen, wie acht künstliche Schaltstufen, die den Eindruck von Gangwechseln inklusive kurzzeitigen Aussetzens der Zugkraft ermöglichen. Der IONIQ 5 N bietet eine neuartige Fahrdynamik mit Vier Direktwahltasten im Cockpit zur Auswahl von verschiedenen Fahrmodi, darunter ein Drift- und ein Race-Programm, welche die Vorzüge von Elektrofahrzeugen mit der Erfahrung traditioneller Sportwagen vereinen.
Der Hyundai IONIQ 5 N auf der Rennstrecke
Der Hyundai IONIQ 5 N röhrt und blubbert wie ein hitziger Benziner, knallt Gänge rein obwohl er gar keine Schaltung hat und bringt mit ­seinen 650 PS richtig Druck auf den Asphalt. © Hersteller
Wer E-Autos bisher steril, langweilig und leidenschaftslos fand, muss sich jetzt neue Argumente suchen – denn Hyundai hat den IONIQ 5 heiß gemacht: Im N-Trimm stellt der Elektro-Bolide mit 650 PS selbst eingefleischte Sportlerherzen zufrieden. Und der Sound passt auch wieder.

Leidenschaft kommt beim Thema E-Autos bisher vor allem dann auf, wenn man über sie streitet. Dass sie sich auch an Bord ihren Platz verdienen kann, beweist nun Hyundai mit dem ersten N-Modell seiner Elektropalette. N steht für Nürburgring/Nordschleife und ist bei Hyundai das, was anderswo GTI oder RS heißt. Die Sport-Variante des IONIQ 5 durfte also vor allem eines nicht: gegenüber seinen Benzin-Geschwistern schwächeln.

Große Gefühle

Das Drehen der Leistungsschraube auf bis zu 650 PS und 770 Newtonmeter Drehmoment plus Tuning an Fahrwerk, Lenkung und Bremsen war den Ingenieuren daher nicht genug. Der IONIQ 5 N musste sich auch anfühlen und -hören wie ein Vollblüter, also alle Sinne bespielen. Dazu hat Hyundai acht Schaltstufen simuliert. Sie tun aber nicht nur mit einem schnöden Zucken am digitalen Drehzahlmesser so, als ob. Auch die Zugkraft setzt bei jedem Gangwechsel authentisch für einen Augenblick aus. Eine perfekte Software-Simulation, die sogar soweit geht, dass der Motor nicht oder nur träge hochdreht, wenn ein zu hoher Gang „eingelegt“ ist.

Im Anabolika-IONIQ gibt es aber auch was auf die Ohren. Die Soundkulisse ist ebenfalls täuschend echt, inklusive Schub-Brabbeln und Drehzahlbegrenzer. Die Basis dafür lieferte der echte Sound des i30 N, der hier digital aufbereitet eingesetzt wird. Der erste Elektro-N ist damit zugleich auch der erste Stromer, der endlich wieder alle Sinne kitzelt, anstatt in steriler Demut dahinzulangweilen. Wer will, kann ihn als perfekten Fahrsimulator bezeichnen, mit dem man auch von A nach B kommt – und wie man das kann!

Spaß auf Knopfdruck

Abgesehen von den Sportsitzen ist das Cockpit grundsätzlich so möbliert wie bei den braveren Varianten des IONIQ 5. Hier ist es aber in schwarzes Alcantara samt Nähten in Kontrastfarbe gehüllt. Spätestens beim Lenkrad hat es sich dann mit den Ähnlichkeiten. Mit vier Direktwahltasten lässt sich ohne Umwege die Gaudi-Spirale hochfahren. Die Fahrmodi-Auswahl, dazu die für Sound und Schalt-Simulation, plus sogar ein Drift- und ein Race-Programm, in dem alle Systeme auf Rundenstrecken-Bestzeit gebürstet sind. Dann ist da noch der Boost-Knopf: Er macht für zehn Sekunden 41 PS und 30 Newtonmeter Drehmoment extra für den Sprint in 3,4 Sekunden auf den ersten Hunderter locker.

Der eifrige Gebrauch all dieser feinen Zutaten erlöst auch von der Sorge um Reichweiten-Kilometer. Die Währung, um die es dann noch geht, sind schon eher Meter. Aber jedes so verheizte Watt ist für Fahrer-Typen purer Genuss. Nur die insgesamt 2,2 Tonnen Kampfgewicht setzen dem Sportsgeist in den Kurven spät, aber doch gewisse Grenzen.

Fakten u0026 (Be-)Zahlen

Im meist nicht so sportlich ablaufenden Alltag sollte der E-Bolide mit einer Ladung knapp 450 Kilometer weit kommen, denn der IONIQ 5 N hat auch bei der Akku-Kapazität von bisher 77 auf 84 kWh aufgerüstet. In der Praxis waren es dann bei gemütlichem Gebrauch doch eher Richtung 300 Kilometer, im Eco-Programm wären wohl noch 50 weitere drin gewesen. 76.990 Euro sind ein stolzer Betrag, aber kein unfairer Gegenwert für das gebotene Gesamtpaket. Tatsächlich sind es nur 7.000 Euro mehr, als der zweitteuerste, aber nur halb so starke Zivil-IONIQ 5 kostet. Und für das sympathische Matt-Hellblau muss beim N nicht einmal extra berappt werden.

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