Hotspot Bruckneudorf

Das Megaprojekt "Erbse" in Bruckneudorf, ehemals eine Konservenfabrik, wird umgebaut zu einem vitalen Zentrum mit modernen Wohnungen, Schulen, einem Mehrzwecksaal für Veranstaltungen, Büros, Geschäften und weiteren Einrichtungen. Die Revitalisierung ist eine Reaktion auf steigende Einwohnerzahlen und begrenzte Bauflächen, wobei auch die historische Bausubstanz erhalten bleibt, wie bei der Volksschule deutlich wird. Das Projekt kombiniert den Erhalt historischer Strukturen mit moderner Technologie und Design und soll mit seinem breiten Angebot an Bildungs- und Freizeiteinrichtungen den Bedürfnissen der Gemeinde gerecht werden.
Bürgermeister von Bruckneudorf Gerhard Dreiszker sieht aus dem offenen Fenster in seinem Büro im Rathaus.
Bürgermeister von Bürgermeister von Bruckneudorf Gerhard Dreiszker spricht mit schau über große Projekte. © Tanja Hofer
Wer beim Wort Erbse an etwas Kleines denkt, kennt das gleichnamige Megaprojekt in Bruckneudorf noch nicht. schau hat Bürgermeister Gerhard Dreiszker (57) zum exklusiven Gespräch getroffen und einen spannenden Einblick in Planung und Umsetzung erhalten.

„Wenn ich mir vor Augen führe, was hier in den kommenden Jahren errichtet wird, komme ich selbst nicht mehr aus dem Staunen heraus“, sagt Gerhard Dreiszker und grinst. Warum das so ist, wird schon beim Blick aus dem Fenster seines Büros klar. „Sehen Sie die beiden Getreidesilos dort drüben? Darin entstehen 70 moderne Wohnungen und eine Skybar im obersten Geschoß“, erzählt der Bürgermeister, der seit 2012 im Amt ist. Das ist aber längst nicht alles, was für das rund vier Hektar große Areal der ehemaligen Konservenfabrik, liebevoll „Erbse“ genannt, geplant ist. Neben Wohnungen wird der neue Hotspot von Bruckneudorf mit einer Volks- und Musikschule, einem Mehrzwecksaal für Veranstaltungen, Büros, Geschäften, 14 Reihenhäusern, betreutem Wohnen und einem Tageszentrum für Senioren, einem Wirtshaus mit Gastgarten, einer Kirche und einem barrierefreien Hauptplatz aufwarten. 

Bauen für die Zukunft

Die Revitalisierung des Fabriksgeländes, das die OSG vor vier Jahren erworben hat, ist für Bruckneudorf ein notwendiger Schritt. Dreiszker: „Wir haben mittlerweile rund 3.600 Einwohner, Tendenz steigend. Deshalb müssen wir den vorhandenen Platz – und davon haben wir nicht viel, denn die Bauplatzreserve beträgt lediglich 3,6 Prozent – bestmöglich nutzen.“ Bei allen Bauvorhaben spielen für den 57-Jährigen zwei Punkte eine besondere Rolle: zum einen die Partnerschaft mit der angrenzenden niederösterreichischen Gemeinde Bruck an der Leitha – immerhin gibt es ein gemeinsames Leitbild und die Infrastruktur wird zum Teil von den Bewohnern beider Ortschaften genutzt –, zum anderen die Erhaltung von historischer ­Bausubstanz, wie man am Beispiel der neuen Volksschule sehen kann. 

Bruckneudorf: Historisch und modern

Wo bald bis zu zwölf Schulklassen unterrichtet werden können, schwingt immer noch die Atmosphäre der alten Erbsenfabrik mit. Das geschichtsträchtige Mauerwerk, die Fassade, die Fenster und das Gebälk wurden originalgetreu restauriert. Durch die Verbindung mit moderner Technik und Design trifft das Projekt den Puls der Zeit: Die Schüler dürfen sich unter anderem auf einen direkten Zugang zum Garten, Relaxzonen sowie Freizeit- und Kreativräume freuen. Für umweltfreundliche Energie sorgen Fernwärme und erneuer­barer Strom aus Photovoltaik-­Anlagen. Es gibt aber noch einen weiteren Grund, aus dem sich Bürgermeister Dreiszker schon auf die Eröffnung freut. „Derzeit gehen die Kinder unserer Gemeinde in Bruck an der Leitha zur Schule. Dort lernen sie die ­Geschichte von Niederösterreich. Über Bruckneudorf und das Bundesland, in dem sie eigentlich leben, erfahren sie ­relativ wenig. Das wird sich mit dieser Schule ändern“, erklärt er. Schon diesen Herbst erfolgt der Startschuss mit drei Klassen.

Markenzeichen Transparenz

In das Megaprojekt „Erbse“ investiert die Gemeinde heuer 1,4 Millionen Euro, nächstes Jahr sollen es genauso viel sein. Auf die Frage, wie die Zustimmung in der Opposition aussieht, reagiert der ehemalige ÖBB-Lokführer gelassen. „Das Echo war fast durchwegs ­positiv und ich versuche immer, alle Seiten einzubinden.“ Dabei ist dem Ortschef Transparenz sehr wichtig. „Ich erstelle zum Beispiel vor jeder Gemeinderatssitzung ein Protokoll, damit jeder genau weiß, worum es gehen wird und nichts unter den Tisch fallen kann.“ 

Werden die Gespräche doch etwas hitziger, entspannt er sich am liebsten im Garten. „Ich mag eigentlich alles, was kreucht und fleucht. Früher hatte ich einige Amphibien und Reptilien von Schildkröte und Pfeilgiftfrosch bis hin zum Chamäleon. Heute kümmere ich mich aber hauptsächlich um meine 22 Koikarpfen und pflanze Gemüse und Kräuter an.“ Seinen Ruf als Schildkröten-Experte hat Dreiszker aber noch nicht eingebüßt. „Oft wenden sich Besitzer an mich, wenn sie Fragen zu ihren Tieren haben.“

Persönliche Kontakte pflegen

Fragen beantwortet Dreiszker übrigens immer gerne. Egal ob beim Spazierengehen oder Einkaufen, der Austausch mit den Bruckneudorfern ist ihm wichtig. „Wenn mir das einmal auf die Nerven geht, weiß ich, dass ich diesen Job nicht mehr machen sollte“, sagt er. Davon ist er zum Glück weit entfernt.

Die Gemeinde
  • Bundesland: Burgenland
  • Pol. Bezirk: Neusiedl am See
  • Fläche: 36,67 km2
  • Höhe: 150 m
  • Einwohner: 3.600 (inklusive Zweitwohnsitze)
Der Bürgermeister
  • Geburtstag: 8. 9. 1964
  • Familienstand: verheiratet, zwei Kinder, drei Enkel
  • Hobbys: Garteln, Töpfern,
    Kois und Reptilien
  • Motto: Langsam, aber sicher
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