Zwischen Fels und Glauben: Mit einer eindrucksvollen Jubiläumsinszenierung feierten die Passionsspiele St. Margarethen am Samstag ihre Premiere auf der Ruffinibühne im Römersteinbruch. Zum 100-jährigen Bestehen erzählen die Passionsspiele mit „Mirjam – Stark wie der Tod ist die Liebe“ die Geschichte von Leben, Leiden, Sterben und Auferstehung Jesu Christi erstmals aus weiblicher Perspektive – aus den Erinnerungen von Mirjam, Maria Magdalena.
Zahlreiche Ehrengäste wohnten der Premiere bei, darunter Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner, Landesrat Leonhard Schneemann sowie Vorsitzender der Esterházy-Stiftungen Stefan Ottrubay.
Der Steinbruch als Bühne der großen Gefühle
1926 begann die Geschichte der Passionsspiele St. Margarethen. Gegründet wurden sie von Pfarrer Josef Kaindlbauer und dem Leiter der Pfarrjugend, Emmerich Unger, gemeinsam mit Jugendlichen der Pfarre. Gespielt wurde zunächst auf dem Bauernhof der Familie Unger, später im heutigen Haus Bethanien.
Seit 1961 dienen die beeindruckenden Felswände des Römersteinbruchs als Kulisse für die Aufführungen. Die heutige Ruffinibühne wurde nach dem Rückbau der alten Bühnenanlage genutzt und bietet seit 2022 den Schauplatz für die Passionsspiele.
Weibliche Perspektive im Mittelpunkt
Hundert Jahre später bringen die Passionsspiele St. Margarethen alle fünf Jahre die berühmte Geschichte auf die Bühne. Die heurige Neuinszenierung setzt dabei bewusst Akzente: Autor und Spielleiter Richard Geier erzählt die Geschichte erstmals aus der Sicht von Maria Magdalena.
Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner zeigte sich von diesem Zugang begeistert: „Ich finde es besonders spannend, dass die Passionsspiele heuer mit ‚Mirjam‘ bewusst eine weibliche Perspektive einnehmen. Viele biblische Geschichten wurden jahrhundertelang vor allem aus männlicher Sicht erzählt – deshalb ist es wichtig und zeitgemäß, solche Figuren stärker in den Mittelpunkt zu rücken und die Geschichte einmal anders zu erzählen.“
500 Ehrenamtliche auf und hinter der Bühne
Rund 500 Mitwirkende engagieren sich ehrenamtlich vor und hinter den Kulissen, um die Passionsgeschichte lebendig werden zu lassen. Für Regie und Bühnenbild zeichnet Manfred Waba verantwortlich, der 30 Jahre nach seiner ersten Oper im Steinbruch erneut die eindrucksvolle Kulisse des alten Jerusalems auf die Ruffinibühne bringt. Die musikalische Gestaltung stammt von Albin Rudisch.
Auch Landesrat Leonhard Schneemann betonte die Bedeutung der Passionsspiele für die Region und das Land: „100 Jahre nach der ersten Aufführung durch Jugendliche der Pfarre haben die Passionsspiele heute noch einen besonderen Stellenwert für die gesamte Region und sind für das Land von wesentlicher kultureller, religiöser und touristischer Bedeutung.“
Besonders beeindruckt zeigte sich Wallner auch vom Engagement der zahlreichen Mitwirkenden aus der Region: „Viele investieren dafür monatelang Zeit, Energie und Leidenschaft. Genau dieses gemeinsame Proben, Spielen und Zusammenarbeiten spürt man auch als Publikum – und das verleiht den Passionsspielen ihre ganz besondere Atmosphäre.“
Die Jubiläumsinszenierung wird noch bis 12. Juli 2026 an allen Samstagen, Sonntagen und Feiertagen auf der Ruffinibühne in St. Margarethen aufgeführt.
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