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19. April 2024
Politik

Video: Interview mit Landtagspräsident Robert Hergovich

Burgenlands Landtagspräsident zu Besuch im schauvorbei-Studio: Im Talk mit Verlagsleiter Christoph Berndl spricht Robert Hergovich über das Format „Jugend im Landtag“, seine neue Aufgabe und ein faires Miteinander in der Politik.

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Er ist ein Verfechter von Fairplay in der Politik, setzt sich für die Einbindung der Jugend ein und betont stets die Zerbrechlichkeit der Demokratie. Diese Prinzipien prägen seine Arbeit und sein Verständnis von politischer Führung. Der gebürtige Trausdorfer ist seit September Landtagspräsident des Burgenlandes, und er hat sich viel vorgenommen in seiner neuen Funktion. Mein Name ist Christoph Berndl und ich darf Sie recht herzlich zu diesem Studio-Gespräch hier auf schauvorbei.at begrüßen. Gemäß unseres Mottos schauvorbei laden wir uns immer wieder interessante Persönlichkeiten hier zu uns ins Studio ein, um mit ihnen über die wichtigsten Entwicklungen, neue Trends und die Top-Themen zu sprechen. So auch heute. Ich freue mich jetzt auf mein Interview mit Robert Hergovich. Herzlich willkommen, Herr Landtagspräsident!
Vielen Dank, danke für die Einladung.

In Ihrer Antrittsrede haben sie bereits betont, dass sie sich als Brückenbauer verstehen. Wie genau interpretieren sie diesen Begriff? Und wie leben Sie das in Ihrem neuen Job als Landtagspräsident?
Das Burgenland ist bekannt für den Zusammenhalt, den wir in den Gemeinden leben. Ich glaube, diesen Zusammenhalt sollten wir auch im burgenländischen Landtag leben. Daher möchte ich Brückenbauer zwischen den Fraktionen, zwischen der Landesregierung, der Verwaltung und natürlich der Bevölkerung sein. Da geht es ja auch darum, dass man immer darauf schaut, dass es in den Sitzungen geordnet zugeht, dass alle Regeln eingehalten werden. Und auch, dass man gut miteinander umgeht und man trotz gegenteiliger Meinungen den passenden Ton findet. Das ist gerade in der heutigen Zeit für manche ziemlich schwierig.

Auch im Bereich Social Media geht es oft heiß her. Wie beobachten Sie diese Entwicklung und wie gehen Sie selbst mit diesem Thema um?
Zunächst muss man zwei Ebenen unterscheiden. Ich komme aus dem Sport, genauer gesagt aus dem Fußball. Und da ist es so, dass man immer respektvoll miteinander umgeht. Auch, wenn man gegeneinander spielt, ist Fairplay relativ wichtig. Und das ist jetzt mein Job, darauf zu achten, dass Fairplay im Landtag vorhanden ist. In puncto, Social Media ist es natürlich so, dass alles eine Eigendynamik bekommen kann. Da empfehle ich immer, sehr offen damit umzugehen, Kritik auch ernst zu nehmen. Aber wenn diese Kritik unter der Gürtellinie ist, dann kann man die auch durchaus einmal löschen oder nicht antworten. Ich glaube, das ist doch das Recht jeden Abgeordneten, einmal so vorzugehen.

Sie sind selbst auf Social Media aktiv?
Selbstverständlich muss man unterschiedlichste Kanäle bespielen. Denn wir Politiker haben ja auch eine Informationspflicht und Social Media Kanäle eignen sich dazu sehr gut.

Es ist Ihnen sehr wichtig, die Politik wieder zu öffnen, vor allem für die junge Generation. Wie tun Sie das als Landtagspräsident? Und welche Strategien gibt es, um diese Zielgruppe einzubinden?
Ich glaube, man muss auf jungen Menschen auf Augenhöhe begegnen, und das mache ich auch. Mir geht es da in erster Linie um die Demokratie. Denn die Demokratie ist ein sehr fragiles Konstrukt und das gilt zu wahren. Da gilt es aufzupassen. Da möchte ich vor allem mit der Jugend einen Diskussionsprozess führen, um zu zeigen, dass es nicht selbstverständlich ist. Wir haben ein eigenes Format, das heißt „Jugend im Landtag“. Da kommen Jugendliche aus allen Schulen des Burgenlandes in den Landtag, diskutieren mit Politikern. Das gefällt den Jugendlichen ganz gut und auch den Politikern, und daher möchte ich dieses Format auch weiterführen.

Wie läuft dieses Format genau ab?
Die Jugendlichen stehen da wirklich im Mittelpunkt. Sie sitzen auf den Plätzen der Abgeordneten und diskutieren mit den Politikern, die auf der Regierungsbank sitzen, auf Augenhöhe alle Themen, die sie interessieren. Ich glaube, dieses Forma ist wirklich eine Erfolgsgeschichte.

Was haben Sie von den bisherigen Terminen von „Jugend im Landtag“ mitgenommen? Was waren so die Themen, die die jungen Leute am meisten bewegt haben?
Die Themen sind sehr vielschichtig. Da geht es natürlich um Umwelt und Naturschutz. Da geht es aber auch um Mobilität, darum, dass sie am Wochenende fortgehen können. Es geht um Bildung, es geht um Chancen am Arbeitsmarkt und vieles mehr. Manchmal sind es auch ganz persönliche Fragen. Was treibt einen an, in die Politik zu gehen? Wie geht man mit Kritik um, wie geht die Familie mit sowas um?

Manchmal hört man, dass in der Bevölkerung eine sehr starke Politikverdrossenheit vorhanden ist. Empfinden Sie das auch so?
Meine Erfahrung ist, dass die Jugend überhaupt nicht politikverdrossen ist. Sie ist vielleicht parteipolitikverdrossen, aber nie politikverdrossen. Wenn es um Themen geht, die Jugendliche direkt berühren, ist das Interesse sehr groß. Viele junge Menschen sind auch gut informiert.

Nochmal zurück an den Anfang, wo wir vom Miteinander und dem guten Ton gesprochen haben. Ich denke jetzt an meine Jugend, in der der Beruf des Politikers noch etwas Erstrebenswertes war. Heute hat man oft das Gefühl, dass es schwierig wird, Menschen zu finden, die den Job machen wollen. Man darf da ja auch nicht zart besaitet sein heutzutage.
Ein gutes oder schlechtes Image hat ja oft damit zu tun, wie man das selbst lebt und vorlebt. Ich glaube, wenn sich Politiker immer etwas ausrichten, auch über die Medien, ist das nicht unbedingt der beste Stil, der auch vor allem bei Jugendlichen immer völlig anders ankommt. Meine Erfahrung ist: Desto niedriger die Ebene, desto beliebter die Politiker. Wenn man schaut, wie Gemeinderäte und Bürgermeister anerkannt sind, dann stellt man fest, dass da eine große Sympathie vorhanden ist. Auch im Landtag ist es in Ordnung. Aber desto höher die Ebene, desto schwieriger wird die direkte Kommunikation und desto schwieriger ist auch wahrscheinlich das persönliche Verhältnis zu den Politikern.

Sind Sie als Landtagspräsident ein Politiker, der für junge Menschen direkt ansprechbar ist?
Ja, das glaube ich schon. Ich bin fast täglich mit jungen Menschen über diverse Formate in Kontakt, aber auch online, auf Social Media Kanälen. Ich besuche auch sehr viele Schulen. Also ich glaube schon, dass der direkte Zugang immer möglich ist.

Sie haben vor, „Jugend im Landtag“ auszubauen. Was ist da geplant, was soll es in Zukunft noch geben? Mehr Besuche, erweitertes Programm?
Ja, wir wollen ein kleines Upgrade machen. Es sollen noch mehr Jugendliche kommen und wir wollen zusätzliche Führungen anbieten. Geplant ist auch ein Tag der Demokratie, zu dem alle Burgenländer eingeladen sind und an dem sie einen Blick hinter die Kulissen werfen können. Also, da gibt es ganz viele Ideen, die wir in den nächsten Monaten umsetzen.

Lassen Sie uns noch zum Tagesgeschäft kommen. Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für das Burgenland in den kommenden Jahren?
Nicht nur im Burgenland, sondern auch österreichweit ist die Teuerung das wichtigste Thema. Wir müssen alles daran setzen, dass wir die Preise in den Griff bekommen. Da bedarf es auch der Hilfe der Bundesregierung, denn wir können nicht in den Markt eingreifen. Das kann nur die Bundesregierung. Trotzdem sind unsere Maßnahmen wie der Wärmepreisdeckel oder die Mietpreisbremse von ganz besonderer Bedeutung und die wollen wir auch im kommenden Jahr weiterführen.

Sie haben auch gesagt, in ihrer Funktion als Landtagspräsident wollen Sie sich nicht unbedingt bei tagespolitischen Themen einbringen. Wo ziehen Sie da die Grenze?
Ich habe mich aus dem normalen Tagesgeschäft völlig zurückgezogen. Ich werde aber meine Stimme lautstark erheben, wenn es um Grundsätzliches geht, beispielsweise um die Demokratie per se. Oder wenn es um Minderheiten, Menschen mit besonderen Bedürfnissen oder die Würde des Hauses geht. Dann werde ich meine Stimme sehr lautstark erheben, denn das ist auch meine Aufgabe.

Sie haben eine umfassende Einsicht auf die finanzielle Lage des Burgenlandes. Wie schätzen Sie die ein? Wie ist das Burgenland aufgestellt?
Ich glaube, dass man sehr gut schlafen kann. Denn der Landeshauptmann ist ja auch Finanzreferent und hat ein Budget präsentiert, das in dieser Zeit wirklich beeindruckend ist. Keine neue Schulden zu machen wie das Burgenland im kommenden Jahr, das bringen nicht viele Länder und schon gar nicht der Bund zusammen. Daher glaube ich, dass die Finanzpolitik sehr stabil und in die Zukunft gerichtet ist.

Wir haben ja schon vor dem Interview ein bisschen geplaudert. Alle, die Sie kennen, wissen, dass Sie sehr sportbegeistert sind. Und Sie haben gesagt, dass Sie schon den nächsten Coup planen, nämlich ein sportliches Thema. Was wird das sein? Können wir das schon verraten?
Ja, ich werde den FC Landtag wieder einberufen. Der FC Landtag besteht aus Politikern und ehemaligen Profifußballern, die sich für den guten Zweck zur Verfügung stellen. Sie spielen bei Vereinen und Organisationen Fußball und sammeln dabei Geld für die gute Sache. Das, was man vielleicht oftmals zu viel an Energie hat, kann man dann am Fußballplatz ausleben.

Dann darf ich schon zum Schluss kommen. Eine persönliche Frage noch: Wie feiert der Landtagspräsident des Burgenlandes Weihnachten und was wünschen Sie sich ganz persönlich für das kommende Jahr?
Sehr traditionell im Kreise der Familie. Wir besuchen unsere Eltern, wir machen das mit unseren Kindern. Und was ich mir wünsche: Dass wir diese Krisen in den Griff bekommen, dass die Kriege endlich beendet werden und dass man wieder zur Normalität zurückkehren kann. Und ich wünsche mir bei der Gelegenheit, Ihnen und allen, die uns begleiten und zusehen, schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Herr Landtagspräsident, vielen Dank für ihren Besuch!
Sehr gerne.