Story

Wie der Fußball die Welt eroberte

Was in Kürze in den Stadien in Kanada, Mexiko und den USA abgehen wird, ist das größte Sportereignis der Welt. Oft als die „wichtigste Nebensache“ bezeichnet, wird der Fußballsport bis zum Finale am 19. Juli die mediale Berichterstattung auch hierzulande dominieren. Was macht die Faszination dieses Sports aus und wann hat das alles begonnen?
„I wer’ narrisch!“: Freude und Jubel nach dem Tor von Hans Krankl beim WM-Spiel 1978 in Cordoba © APA Images

Den Hunnen wird nachgesagt, das Fußballspiel erfunden zu haben, und in der chinesischen Geschichte wird das Entstehen dieses Sports mit Kaiser Huáng Dì in Verbindung gebracht, der im 2. Jahrtausend v. Chr. auch die Schrift, die Musik, die Töpferei, Pfeil und Bogen sowie Wagen und Schiff eingeführt hat. In Japan sind erste Fußballspiele aus dem 8. Jahrhundert überliefert und in Amerika kannte man in der vorkolumbianischen Zeit zahlreiche Ballspiele, die von Alaska bis Feuerland praktiziert wurden. In England, das als eigentliches Mutterland des Fußballsports gilt, wurde dieses Spiel erstmals 1174 erwähnt. Doch erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging es so richtig los, als Studenten von Eaton, Harrow und Cambridge das Fußballspiel betrieben. 1863 wurde die „Football Association“ in der Londoner „Freimaurer Taverne“ gegründet, wo man auch die grundsätzlichen Spielregeln festlegte. 1872 kam es in Glasgow zum ersten Länderspiel zwischen Schottland und England, das 0:0 unentschieden endete.

Bald schon brachten junge Engländer das Fußballspiel auf den europäischen Kontinent, wo die Schweiz eine Pionierrolle einnahm. An Privatschulen am Genfer See, wo junge Engländer studierten, wurde dieser Sport eingeführt. 1879 wurde der FC St. Gallen gegründet. In Deutschland wurde zu dieser Zeit das Fußballspiel am Martino-Katharineum in Braunschweig von einem Lehrer namens Konrad Koch vorgestellt, der eigentlich ein Rugby-Anhänger war. In der Folge wurde Fußball vor allem in bürgerlichen Kreisen gespielt, insbesondere von Burschen aus jüdischen Aufsteigerfamilien. Erst in der Weimarer Republik erfasste die Fußballbegeisterung die Arbeiterschaft und wurde zu einem Massenphänomen.

First Vienna Football Club 1894

In Österreich sind aus dem Jahr 1891 ein Ballspiel von Schülern eines Badener Gymnasiums nach Rugby-Regeln und aus 1894 ein internes Match am Akademisch-Technischen Radfahrerverein in Graz überliefert. 1892 wurde schließlich der Vienna Cricket Club gegründet, der 1894 Fußball in sein Programm aufnahm. Die Vienna, wie der Klub bis heute genannt wird, war die erste reguläre österreichische Fußballmannschaft, die zum ersten Mal 1931 und zum letzten Mal 1955 die nationale Meisterschaft gewann. Ein Sohn des Inspektors der Gärten des Baron Rothschild brachte die Fußballbegeisterung von einem mehrjährigen Englandaufenthalt mit nach Wien. Dieser Franz Joli wurde Gründungsmitglied der Vienna, die zunächst in Konkurrenz zu den Cricketern stand. Bevor der Sportplatz Hohe Warte am 1. November 1899 eröffnet wurde, hatte die Vienna auf der Kuglerwiese und der Kreindlwiese gespielt. Im Eröffnungsspiel gegen den Deutschen Fußballklub Prag siegten die Döblinger 2:0.

Bald wurde mit dem WAC in Wien ein weiterer Klub gegründet und schon um die Jahrhundertwende gab es einen ­regen internationalen Spielverkehr mit immer mehr Mannschaften. Auch die Zeitungen nahmen nun Notiz von dieser Sportart, so etwa das „Neue Wiener Tagblatt“, das am 13. März 1900 über den Challenge-Cup berichtete: „Alle Plätze zeigten dichte Mengen von Zuschauern, und im Actionärraum sah man herausragende Sportsmen, Offiziere und viele reizende Vertreterinnen unserer sich für den Fußballsport interessierenden Damenwelt.“ Damals ahnte wohl noch niemand, dass sich einmal Frauenfußball durchsetzen würde.

Der erste Star der Vienna war übrigens der frühere englische Professional M.D. Nicholson, den man zum Ehrenkapitän ernannte und der auch der erste Präsident des neuen Verbands „Fußball-Union“ wurde. Der legendäre Journalist Egon Erwin Kisch, der mit seinem Buch „Der rasende Reporter“ Berühmtheit erlangte, spielte zu Beginn des 20. Jahrhunderts beim deutschen Prager Fußballklub Sturm am linken Flügel. Eine Auswahlmannschaft der gesamten Monarchie gab es nicht. Im letzten Match des Habsburgerreichs am 6. Oktober 1918 schlug Ungarn Österreich mit 3:0.

Der Angstgegner Ungarn

Nach dem Zerfall der K.-u.-k.-Monarchie war am 6. April 1919 wieder Ungarn der Gegner des Nationalteams der Rumpfrepublik Deutsch-Österreich. Diesmal gewann Ungarn 2:1. Beim Rückspiel am 5. Oktober 1919 in Wien siegte Österreich vor 25.000 Zuschauern auf dem WAC-Platz 2:0. Geschichte schrieb Hugo Meisl, der das österreichische Team bis 1937 als Verbandskapitän betreute. 1924 gab es hierzulande die erste Profimeisterschaft, deren Sieger der jüdische Klub Hakoah mit dem gebürtigen Ungarn Bela Gutmann wurde, der 1964 Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft werden sollte.

Anfang der 1930er-Jahre wurde nicht nur das Wiener Praterstadion eröffnet, sondern Österreich hatte auch ein viel bejubeltes „Wunderteam“, das etwa Schottland und Deutschland klar deklassierte. Im Tor dieser Mannschaft stand Rudolf Hiden, prominente Feldspieler waren Matthias Sindelar, Poldi Hofmann, Friedrich Gschweidl oder Walter Nausch. Finden heute große Pop­events im Happel-Stadion statt, so gab es auf der Hohen Warte, wo die Vienna über eine der größten Sportanlagen Europas verfügte, schon 1924 zehn Freiluftaufführungen der Verdi-Oper „Aida“. Zur Premiere kamen 20.000 Menschen. 70 Jahre später, 1994, gastierte in dieser Arena übrigens Bob Dylan.

Die größten Erfolge

Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht und dem „Anschluss“ Österreichs an das Dritte Reich wurde der jüdische Klub ­Hakoah aufgelöst und der Profifußball ab­geschafft. Die Spieler wurden Angestellte beim E-Werk oder der Straßenbahn bzw. Kleinunternehmer. Österreichische Spieler wie Schmaus (Vienna), Hahnemann (Admira) oder Pesser (Rapid) gehörten der Nationalmannschaft des Reichs an. Karl Decker feierte bei der Vienna zwischen 1938 und 1952 seine größten Erfolge als Spieler, ehe er von 1958 bis 1964 als ÖFB-Teamchef eine Mannschaft mit großen Namen wie Stotz, Koller, Hanappi, Hof, Senekowitsch, Nemec oder Buzek von Sieg zu Sieg führte und Erinnerungen an das „Wunderteam“ wach werden ließ. Die erfolgreichste WM-Teilnahme war 1954, als Österreich auf Platz drei landete, beim Turnier 1934 kamen wir auf Rang vier und bei der WM 1978 auf Platz sieben. Vor allem das Match gegen Deutschland in Cordoba im Rahmen der letztgenannten WM, das Österreich 3:2 gewann, wovon zwei Tore „Goleador“ Hans Krankl erzielte, bleibt in Erinnerung. Im ORF veranlasste dieser Sieg den Reporter Edi Finger zum Jubelschrei „I wer’ narrisch!“. ÖFB-Bundestrainer war damals übrigens der frühere Vienna-Spieler Helmut „Seki“ Senekowitsch.

Die Österreicher lieben heute wie damals ihre Fußballhelden und schmunzeln über deren oft originelle Sprüche, wie etwa von Toni Polster („Des is a Wahnsinn. Da gibt’s Spieler im Team, die laufen noch weniger als ich!“), Hans Krankl („Wir müssen gewinnen, alles andere ist primär.“) oder Herbert „Schneckerl“ Prohaska („Wir haben uns ganz gut aus der Atmosphäre gezogen.“). Unsere aktuellen Teamspieler von David Alaba über Marko Arnautovic bis hin zu Konrad Laimer oder Marcel Sabitzer werden von Ralf Rangnick trainiert, der auch für einen deftigen Sager gut ist: „Wir gehen nicht hin, um Trikots zu tauschen. Wir wollen ihren Skalp.“

Sponsored
Sponsored
Sponsored
Sponsored
Das könnte dir gefallen:

Großzügige Beete: Designer Outlet Parndorf blüht auf

Neue Kampagne: „So einen Naturgenuss spielt’s nur im Burgenland“

Genuss unter freiem Himmel: Trends rund ums Grillen

Werde jetzt schauvorbei-Newsletter Abonnent und bleibe immer auf dem Laufenden!
Leider konnten wir deine Anmeldung nicht abschließen. Versuche es bitte später erneut.
Die Anmeldung zum Newsletter war erfolgreich!
Sponsored