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30 Jahre Europa-Forum Wachau: Aufbruchssignal für Europas Zukunft

Mit einem klaren Bekenntnis zu Zusammenhalt, Eigenständigkeit und europäischer Stärke ist das 30. Europa-Forum Wachau in Schloss Grafenegg eröffnet worden. Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und internationale Gäste richteten den Blick auf die kommenden Jahrzehnte.
Europa Forum Wachau Präsident Michael Linhart, Doris Schmidauer, Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Norbert Lammert, ehemaliger Präsident des Deutschen Bundestages (v.l.n.r.). © NLK/Pfeffer

Drei Jahrzehnte nach seiner Gründung stand das Europa-Forum Wachau nicht nur im Zeichen eines Jubiläums, sondern vor allem im Zeichen des Aufbruchs. Dort, wo seit 30 Jahren europäische Perspektiven diskutiert werden, rücken diesmal jene Themen in den Mittelpunkt, die Europa in Zukunft prägen sollen: Sicherheit, wirtschaftliche Stärke, Innovation und gemeinsame Verantwortung.

„Europa soll selbstbewusster und handlungsstärker werden“

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner stellte in ihrer Eröffnungsrede die Frage in den Mittelpunkt, was die aktuellen Umbrüche für das gemeinsame Europa bedeuten. Europa habe in der Vergangenheit zu oft reagiert, statt selbst zu gestalten. Das bisherige Modell – billige Energie aus Russland, günstige Produkte aus China und Sicherheit aus Amerika – habe zwar lange Stabilität gebracht, werde aber für die nächsten Jahrzehnte nicht mehr reichen. Ihr Auftrag für die kommenden Jahre fiel entsprechend klar aus: Europa müsse „stärker, handlungsfähiger, eigenständiger, resilienter und selbstbewusster“ werden. Dazu brauche es mehr Wettbewerbsfähigkeit, weniger Bürokratie und mehr Innovationskraft.

Besonders persönlich wurde Mikl-Leitner, als sie an ihre Kindheit am Eisernen Vorhang im nördlichen Weinviertel erinnerte. Grenzen seien damals real gewesen, im Alltag, im Denken und im Leben der Menschen. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und Österreichs EU-Beitritt sei Niederösterreich „vom Rand Europas ins Herzen Europas gerückt“.

Auch sicherheitspolitisch plädierte Mikl-Leitner für mehr europäische Eigenverantwortung. „Wir müssen unsere Sicherheit selbst in die Hand nehmen“, sagte sie und sprach sich für ein „patriotisches Vergaberecht“ aus. Wenn Europa Milliarden in Sicherheit und Verteidigung investiere, müsse dieses Geld auch bei den Bürgern Europas ankommen, durch regionale Wertschöpfung, Autonomie und starke europäische Betriebe. „Wenn wir den Mut haben, gemeinsam entschlossen zu handeln, dann werden auch die nächsten 30 Jahre eine europäische Erfolgsgeschichte. Für Frieden, für Freiheit, für Wohlstand. Und vor allem für die beste Zukunft unserer Kinder“, so Mikl-Leitner.

„Europa braucht neue Brücken“

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen stellte die Zukunft Europas in den Mittelpunkt. Das Europa-Forum Wachau habe in den vergangenen 30 Jahren dazu beigetragen, Brücken zwischen Ost und West zu bauen und Europa zu einem Ort zu machen, „um den uns sehr viele Menschen auf der Welt beneiden“. Österreich und Niederösterreich hätten stark vom Zusammenwachsen Europas profitiert.

Heute brauche Europa andere Brücken als damals. Es gehe um die Frage, welche Vision die Europäische Union durch die nächsten 30 Jahre tragen soll. „Wir sind uns wahrscheinlich einig, dass wir ein Europa wollen, das stark ist, das widerstandsfähig, schneller und wendiger ist als heute. Ein Europa, in dem man gut leben kann“, sagte Van der Bellen. Dabei gehe es auch um eine klare Haltung: „Wir wollen keine Welt, in der die Willkür des Stärkeren gilt. Wir wollen keine Welt, in der das internationale Völkerrecht ignoriert wird.“ Europa müsse Rechtsstaatlichkeit, Freiheit, Gleichberechtigung, Institutionen und liberale Demokratie ernst nehmen – und Vielfalt als Stärke begreifen. Sein Appell zum Abschluss: „Lassen Sie uns stolz sein auf Europa. Lassen Sie uns da sein für dieses Europa. Dann wird Europa auch für uns da sein, wenn wir es brauchen. Die nächsten 30 Jahre und darüber hinaus. Das sind die Brücken, die wir heute bauen müssen.“

Dialog über die nächsten 30 Jahre Europas

Einen internationalen Blick auf Europas Rolle in der Welt brachte Norbert Lammert, ehemaliger Präsident des Deutschen Bundestages, ein. Er sprach über die Bedeutung einer regelbasierten internationalen Ordnung und die Verantwortung Europas, diese aktiv mitzugestalten. Mit Blick auf globale Entwicklungen betonte er: „Bitte verwechselt Deals und Regeln nicht. Deals sind nicht eine Variante von Regeln, sondern die Alternative zu Regeln.“ Europa brauche daher politisches Gewicht, wirtschaftliche Stärke und mehr Eigenverantwortung. Auch Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz fanden Platz beim Festakt. Neurowissenschaftlerin Jie Mei sprach über die Chancen technologischer Entwicklungen und schlug damit bewusst die Brücke zur jungen Generation.

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