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Woher kommt eigentlich der Osterhase?

Am Ostersonntag warten alle Kinder gespannt darauf, dass der Osterhase vorbeihoppelt, und auf die Nester mit Eiern, die er versteckt. Dabei passen Hase und Eier so gut zusammen wie Spatz und Höhle. Also woher kommt dieser Brauch überhaupt und feiert man so in jedem Land? schauvorbei.at ist der Frage auf den Grund gegangen.
weißer Hase mit Osternest Eier und Blumen in Pastell
Ob Oster-Bilby, fliegende Glocken oder das große Eier-Rollen: In jedem Land finden sich unterschiedliche Ostertraditionen. © shutterstock

Wenn der Frühling ins Land zieht, die ersten Blumen blühen und die Tage wieder länger werden, beginnt auch die Vorfreude auf Ostern. Für viele Kinder gehört eine Sache ganz besonders dazu: der Osterhase, der heimlich bunte Eier und kleine Überraschungen versteckt. Doch woher kommt dieser Brauch eigentlich?

Warum ein Hase?

Die Geschichte des Osterhasen reicht mehrere Hundert Jahre zurück. Wie auch der Weihnachtsbaum hat der Osterhase seine Wurzeln in heidnischen Bräuchen, die später in christliche Ostertraditionen überführt wurden. Im Frühling ist die Zeit der Tagundnachtgleiche. Dann feierten viele Kulturen das Wiedererwachen der Natur. Die Heiden ehrten an diesem Festtag die germanische Frühlingsgöttin Ostara. Der Hase war eines ihrer heiligen Begleittiere. Er galt bereits in der vorchristlichen Zeit als Symbol für Fruchtbarkeit und Neubeginn. Nicht von ungefähr kommt das Sprichwort „Sie vermehren sich wie die Kaninchen“.

Erste schriftliche Hinweise zur christlichen Tradition finden sich bereits im 17. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum. Dies belegen Aufzeichnungen aus dem Jahr 1682 von einem Heidelberger Arzt namens Georg Franck von Franckenau. Er beschrieb einen Brauch aus der Region Elsass und der Pfalz. Dort erzählten Eltern dem Nachwuchs, dass ein Hase die Ostereier bringt. Kinder bauten damals kleine Nester aus Gras oder Stroh – und hofften, dass der Hase über Nacht Eier hineinlegt.

Andere Länder, andere Sitten

Heute gehört der Osterhase hierzulande einfach zum Osterfest dazu. Bekannt ist das Häschen vor allem in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA. In anderen Teilen der Welt haben sich ganz andere Sitten zu den Feiertagen entwickelt. Manche sind jahrhundertealt, andere entstanden erst in den letzten Jahrzehnten – oft mit einer besonderen Geschichte dahinter.

Australien: Der Oster-Bilby
In Australien bringt nicht überall der Osterhase die Eier. Dort gewinnt seit einigen Jahren der sogenannte „Easter Bilby“ an Beliebtheit. Der Bilby ist ein kleines, kaninchenähnliches Beuteltier mit langen Ohren, das in Australien heimisch ist. Warum aber kein Hase? Der Hintergrund ist ein ernster: Europäische Kaninchen wurden im 19. Jahrhundert nach Australien gebracht und entwickelten sich dort zu einer invasiven Art, die große Schäden an der Natur verursachten, weil sie keine natürlichen Feinde hatten. Viele einheimische Tiere – darunter auch der Bilby – wurden dadurch stark bedroht.

Um auf den Schutz dieser Tierart aufmerksam zu machen, entstand in den 1990er-Jahren die Idee des Oster-Bilbys. Heute verkaufen viele Geschäfte zu Ostern Schokoladen-Bilbys statt Schokoladenhasen, und ein Teil der Einnahmen fließt in Naturschutzprojekte.

Frankreich: Fliegende Glocken bringen Ostereier
Bei den Franzosen erzählt man Kindern eine ganz andere Geschichte. Nicht etwa Hasen oder andere Tiere bringen die Ostereier, sondern Kirchenglocken. Der Tradition nach schweigen die Glocken von Gründonnerstag bis Karsamstag, um an die Trauerzeit vor Ostern zu erinnern. Der Volksglaube besagt, dass die Glocken in dieser Zeit nach Rom fliegen (so auch in Österreich). Auf dem Rückweg bringen sie bunte Eier und Süßigkeiten mit, die sie über Gärten und Wiesen fallen lassen.

Schweden: Kleine Osterhexen unterwegs
Im hohen Norden, in Schweden, erinnert Ostern in mancher Hinsicht ein wenig an Halloween. Kinder verkleiden sich dort als „Påskkärringar“, Osterhexen mit Kopftuch, bunten Röcken und bemalten Gesichtern. Sie ziehen meist am Gründonnerstag von Haus zu Haus, verteilen selbst gemalte Bilder oder Osterkarten und bekommen dafür Süßigkeiten. Der Brauch geht auf alte Volksvorstellungen zurück, dass Hexen auf dem Weg zum „Blåkulla“ (Blocksberg) reisten, um dort mit dem Teufel zu feiern. Am Karsamstag wurden dann traditionell Osterfeuer entzündet, um die zurückkehrenden Hexen zu vertreiben.

Polen: Wasserschlacht
Am Ostermontag gibt es eine Wasserschlacht-Tradition namens Śmigus-Dyngus in Polen. Menschen bespritzen sich als Symbol für Reinigung und Fruchtbarkeit mit Wasser. Dabei geht es vor allem in ländlichen Gegenden wild zu: Eimer werden ausgeschüttet, Wasserspritzpistolen werden eingesetzt, und wenn ein See in der Nähe ist, werden die Opfer mitsamt der Kleidung hineingeworfen. Es gibt verschiedene Theorien über die Entstehung. Aller Wahrscheinlichkeit nach geht der Brauch auf alte slawische Rituale zurück, mit denen der Winter verabschiedet und der Frühling begrüßt werden sollte. Eine andere Theorie legt nahe, es handle sich dabei um eine Art Taufe.

Norwegen: Osterkrimis
Zu Ostern lesen viele Norweger Krimis, sogenannte „Påskekrim“. Verlage und Fernsehsender bringen extra spannende Geschichten heraus, und auf Milch- und Saftkartons gibt es Mini-Krimis zum Rätseln. Die Tradition geht zurück bis ins Jahr 1923. Ein Werbegag am Sonntag vor Ostern legte den Grundstein. Die Autoren Nordahl Grieg und Nils Lie veröffentlichten ihren neuen Krimi „Bergenstoget plyndret i natt!“ (zu Deutsch: „Bergen-Zug heute Nacht überfallen!“) und platzierten die Schlagzeile als Zeitungsanzeige auf der Titelseite. Viele Leser hielten die Anzeige für einen wahren Bericht. Der Roman wurde ein Riesenerfolg und Krimis wurden von da an immer öfter rund um Ostern veröffentlicht.

USA: White House Easter Egg Roll
Das White House Easter Egg Roll ist eine Veranstaltung am Ostermontag, bei der Tausende Familien auf dem Südrasen des Weißen Hauses zusammenkommen, um Eier mit einem Löffel um die Wette zur rollen. Diese findet seit 1878 statt, nachdem Eierrollen auf dem Kapitolshügel verboten worden war. Neben dem traditionellen Rollen gibt es auch Vorleseecken, Live-Unterhaltung, Sportzonen, eine Eier-Suche und den Auftritt des White House Easter Bunnys.

Griechenland: Das große Eier-Duell
Auf der Balkanhalbinsel Griechenland spielen rote Eier eine wichtige Rolle beim Osterfest. Sie symbolisieren das Blut Christi und zugleich neues Leben. Besonders beliebt ist ein Spiel namens „Tsougrisma“. Dabei schlagen zwei Personen ihre roten Eier gegeneinander. Wessen Ei heil bleibt, soll im kommenden Jahr besonders viel Glück haben. Das erinnert stark an das heimische Eierpecken.

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