Wenn die Quecksilbersäule Richtung 35 Grad klettert, hilft nur noch eines: raus aus dem Schwitzen, rein in kühle Gewässer, dunkle Höhlen oder schattige Wälder. Wir haben die besten Ausflugsziele im Osten Österreichs gesammelt, an denen sich die Hitze für ein paar Stunden vergessen lässt, von Tropfsteinhöhlen über wilde Schluchten bis zu den schönsten Badeseen der Region.
Am kühlsten bleibt es dort, wo die Sonne gar nicht erst hinkommt: unter der Erde. In der Seegrotte Hinterbrühl südlich von Wien liegt beispielsweise der größte begehbare unterirdische See der Welt. Ursprünglich als Gipsbergwerk angelegt, diente die Höhle im Zweiten Weltkrieg als getarnte Fertigungsstätte für Flugzeugteile. Nur mit Führung zugänglich, führt der Rundgang heute in rund 60 Metern Tiefe über Stege am Wasser entlang und endet mit einer Bootsfahrt über den spiegelglatten See – ein Erlebnis, das man so wohl kein zweites Mal in Österreich findet.
Ähnlich erfrischend empfängt die Hermannshöhle bei Kirchberg am Wechsel ihre Besucher. Sie zählt zu den größten Schauhöhlen des Landes und beeindruckt mit Tropfsteinformationen, die über Jahrtausende gewachsen sind, mit Fledermäusen aus über 17 verschiedenen Arten sowie mit dem 20 Meter hohen „Großen Dom“, dessen Formation das Zentrum der Höhle bildet. Auch hier bleibt die Temperatur ganzjährig bei rund sieben bis zehn Grad, ein Pullover lohnt sich also selbst im Hochsommer.
Wo Fels und Wasser aufeinandertreffen, bleibt die Luft automatisch kühler. Das beweisen die Myrafälle bei Muggendorf. Diese stürzen in mehreren Kaskaden über Kalkstein und lassen sich auf einem gut zwei Stunden langen Rundweg bequem erwandern. Stege und Brücken führen dabei mehrmals über den Bach, sodass sich die Fälle aus verschiedensten Blickwinkeln erleben lassen. Die Wanderung lässt sich übrigens mit Kindern ebenso problemlos bewältigen.
Deutlich schroffer geht es im Höllental zu. Die Schwarza hat sich hier tief in die Felsen zwischen Rax und Schneeberg gegraben, Kletterer und Wanderer schätzen das schattige Mikroklima des Tals ebenso wie Ausflügler auf der Suche nach Erfrischung. An mehreren Stellen lädt der Fluss sogar zu einem eiskalten Bad ein. Am Talausgang liegt Kaiserbrunn, eine der wichtigsten Trinkwasserquellen Wiens, deren Wasser noch heute über die Erste Wiener Hochquellenleitung in die Stadt fließt. Gleich nebenan liegt das Semmeringgebiet mit seiner Weltkulturerbe-Bahnstrecke, die als erste Hochgebirgsbahn Europas gilt und schon allein wegen ihrer spektakulären Viadukte einen Umweg wert ist.
Auch der Naturpark Ötscher-Tormäuer im südlichen Mostviertel überzeugt mit spektakulären Schluchten. Namensgebend ist der 1.893 Meter hohe Ötscher, das Wahrzeichen der Region mit seinem markanten Rücken und den steilen Felswänden. An seinem Fuß erstreckt sich ein rund 20 Kilometer langes Schluchtensystem, Ötschergräben und Tormäuer genannt, durch das tosende Wasserfälle und türkis schimmernde Gumpen führen. An manchen Stellen ist ein kurzes Bad durchaus erlaubt. Ausgangspunkt ist die Ötscher-Basis in Wienerbruck, direkt am Eingang der Ötschergräben gelegen. Wer tiefer in die Erde vordringen will, findet in der Ötscher-Tropfsteinhöhle bei Gaming eine weitere kühle Attraktion.
Wer lieber durch dichten Wald als über Stock und Stein wandert, findet im Nationalpark Thayatal die passende Kulisse. Der kleinste Nationalpark Österreichs liegt im Waldviertel und geht nahtlos in den tschechischen Nationalpark Podyjí über. Gemeinsam bilden sie eines der größten zusammenhängenden Wald- und Flussgebiete Mitteleuropas. Ein dichtes Blätterdach und die mäandernde Thaya sorgen für angenehme Temperaturen selbst an schwülen Nachmittagen, und wer Glück hat, entdeckt entlang der Ufer sogar den ein oder anderen Biber oder Fischotter.
Am anderen Ende des Landes, zwischen Wien und der slowakischen Grenze, breitet sich der Nationalpark Donau-Auen aus, einer der letzten großen Flussauwälder Mitteleuropas. Boot, Rad oder die eigenen Füße bringen Besucher zu Sumpfschildkröten, Eisvögeln und stillen Altarmen, in denen sich die Donau Zeit lässt. Besonders sehenswert ist außerdem eine Radrunde entlang der Auen, die in Bad Deutsch-Altenburg beginnt, wo sich Geschichte und Kultur auf besondere Weise verbinden.
Für ausgiebige Badetage lohnen sich natürlich die großartigen Seen unserer Region. Der Neusiedler See gilt als einziger Steppensee Mitteleuropas, im Schnitt nur etwas mehr als einen Meter tief und damit ideal für alle, die lieber planschen als schwimmen. Als Teil der grenzüberschreitenden Kulturlandschaft Fertő/Neusiedler See zählt er zudem zum UNESCO-Welterbe.
Kühler wird es hingegen im Waldviertel am Ottensteiner Stausee. Der künstlich angelegte See entstand in den 1950er-Jahren für die Energiegewinnung. Umgeben von dichtem Wald, zählt er heute zu den beliebtesten Revieren für Stand-up-Paddler im Land. Wer noch klareres Wasser sucht, fährt weiter zum Lunzer See im Mostviertel. Sein Wasser gehört zu den klarsten Österreichs, ein Umstand, der Mitarbeiter der nahe gelegenen limnologischen Forschungsstation seit Jahrzehnten anzieht.
Etwas weiter südlich, aber nicht weniger beliebt, liegt der Neufelder See im Bezirk Wiener Neustadt-Land. Dank seiner Tiefe gilt er als das Tauchsporteldorado im östlichen Bundesgebiet, eigene Taucheinstiege, Trocknungseinrichtungen für Neoprenanzüge und Mietboxen für Tauchutensilien machen es Tauchbegeisterten leicht. Wer möchte, umrundet den See auf dem gut ausgebauten Rundweg, eine Runde, die sich auch für einen entspannten Spaziergang nach dem Baden eignet.
Auch die Donau hält an mehreren Stellen erfrischende Ecken bereit. In Wien-Donaustadt laden Mühlwasser und Kaiserwasser mit ruhigem, warmem Wasser an der Alten Donau zum Verweilen ein, ideal für einen spontanen Sprung nach der Arbeit. Im 22. Bezirk sorgt der Copa Beach für Urlaubsfeeling mit Liegestühlen direkt am Donauufer.
Etwas ruhiger geht es donauaufwärts zu. Beim Donaualtarm Altenwörth führen zwei Badestege ans Wasser, an denen sich Naturliebhaber entspannen können. Bei niedrigem Wasserstand empfiehlt sich allerdings besondere Vorsicht. In der Wachau bietet der Donaustrand Rossatz-Arnsdorf mit Kieselstrand und Kinderspielplatz eine ruhigere Alternative mit Blick auf Dürnstein, während in Weißenkirchen bei normalem Wasserstand sogar ein feiner Sandstrand zum Vorschein kommt, umgeben von einer Liegewiese zum Ausruhen. Weiter westlich, bei Luberegg, lässt sich der feinsandige Strand mit Blick auf das Stift Melk kaum überbieten. Dank schwacher Strömung können hier auch Kinder bedenkenlos planschen. Wer es lieber naturbelassen mag, findet gleich in der Nähe bei der Pielachmündung ein Naturschutzgebiet, das ebenfalls zum Schwimmen einlädt.
Last, but not least lässt sich Abkühlung natürlich auch mit kulturellen Erlebnissen verbinden, schließlich halten viele Museen ihre Räume ganzjährig auf angenehmer Temperatur und bieten damit die bequemste Flucht vor der Hitze. Schloss Hof im Marchfeld etwa verbindet Barockpracht mit einem Wassererlebnispfad für Kinder. In den Prunkräumen und Höfen der einstigen Sommerresidenz lässt es sich also gleich doppelt kühl durch die Geschichte wandeln. In Krems zeigt das Karikaturmuseum unterdessen bissigen Humor unter kühlem Dach, mit wechselnden Ausstellungen zu Karikatur, Satire und Comic, während im nördlichen Burgenland die Burg Forchtenstein mit dicken Gemäuern für angenehme Temperaturen sorgt. Die historische Kunst- und Wunderkammer der Esterházys und das Zeughaus mit einer der größten privaten Waffensammlungen Mitteleuropas machen den Ausflug dorthin gleich doppelt lohnenswert.
Auch in Wien warten kühle Ecken abseits der Hitze. In der Kaisergruft etwa ruht die habsburgische Familiengeschichte förmlich in Stein gemeißelt unter der Erde. Seit 1633 dient sie als Begräbnisstätte der Habsburger, heute ruhen hier die sterblichen Überreste von 150 Persönlichkeiten. Wer es lieber verspielt mag, wird im Museum der Illusionen fündig, wo optische Täuschungen und begehbare Rauminstallationen für reichlich Gesprächsstoff sorgen. Und für alle, die sich für Architektur begeistern, lohnt sich ein Abstecher ins Kunst Haus Wien: Die bunte, organische Bauweise Hundertwassers mit begrünten Dächern und unebenen Böden ist bei jedem Wetter einen Ausflug wert.