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16. April 2024
Politik

News aus Parndorf: Bürgermeister Kovacs im Interview

Projekte wie das neue Veranstaltungszentrum, aber auch Überschwemmungen und anhaltende Preissteigerungen haben die Gemeinde Parndorf in den vergangenen Monaten geprägt. Wir haben mit Bürgermeister Wolfgang Kovacs einen Blick in die nähere Zukunft geworfen.

Bürgermeister Wolfgang Kovacs in seiner Gemeinde Parndorf
Wolfgang Kovacs ist seit mehr als 15 Jahren Bürgermeister von Parndorf. In dieser Zeit hat sich viel getan. © Mucky Korlath

Jede Gemeinde ist anders, mit gewissen Herausforderungen haben aber wohl gerade alle zu kämpfen. Dazu gehören etwa steigende Kosten für Energie, Bauen und Personal, der Ausbau der Kinderbetreuung und Maßnahmen in Sachen Klimawandel. In Parndorf haben diese Themen in den vergangenen Monaten dazu geführt, dass Prioritäten teilweise neu gereiht werden mussten. Wir haben mit Bürgermeister Wolfgang Kovacs darüber gesprochen.

Herr Bürgermeister, wie hat sich Ihre Gemeinde in den vergangenen Monaten entwickelt?
Wolfgang Kovacs: Was die Ansiedlung von Betrieben und den ­Zuzug betrifft, wurde die bisher ­rasante Entwicklung stark abgebremst. Das ist die Folge von Preissteigerungen und der Zinsentwicklung. Ein Beispiel: Wir haben Bauplätze in der Gartensiedlung aufgeschlossen, aber es gab keine einzige Baueinreichung dafür – das ist ungewöhnlich. Junge Menschen können sich den Hausbau nicht mehr leisten und auch viele Genossenschaften stehen angesichts der hohen Kosten auf der Bremse.

Das heißt, Parndorf wächst trotz Baureserven langsamer als bisher?
Genau. Früher hatten wir zwischen 100 und 300 neue Einwohner im Jahr, diese Zeiten sind ­vorerst vorüber.

Wie geht die Gemeinde selbst mit den Preissteigerungen um?
Die Energiekosten sind natürlich ein Problem, aber auch die Auswirkungen des Mindestlohns haben uns getroffen. Die Dimension der Mehrkosten haben wir ehrlich gesagt unterschätzt. Alleine im ersten Jahr waren es 300.000 Euro. Im darauffolgenden Jahr gab es noch eine Erhöhung von 300 Euro für jeden und damit ­haben sich die Mehrkosten auf 700.000 Euro erhöht – da schluckt man schon. Das einzige Glück ist, dass wir viele Unternehmen mit insgesamt 5.000 Mitarbeitern im Ort haben, die Kommunalsteuer entrichten. Damit tun wir uns leichter als ­Gemeinden, in denen kaum ­Betriebe angesiedelt sind.

Kann man also sagen, dass die Gemeinden dringend mehr Geld bräuchten?
Allerdings. Momentan laufen die Verhandlungen beim sogenannten Finanzausgleich und ich hoffe, dass die Gemeinden künftig stärker unterstützt werden. Immerhin müssen sie immer mehr Leistungen erbringen, zum Beispiel längere Öffnungszeiten in den Kindergärten. Toll wäre auch, wenn der Bund 30 Prozent des Gehalts der Kindergartenpädagogen übernehmen würde. In Parndorf ist rund die Hälfte des Gemeindepersonals in den drei Kindergärten beschäftigt.

Apropos Kindergärten: Wie geht es im Parndorfer Bildungsbereich weiter?
Zuerst die gute Nachricht: Die Volksschule ist zukunftsfit, denn da haben wir in den vergangenen Jahren einige Millionen investiert. Es gab drei Zubauten. Inzwischen ist Platz für 16 Klassen und acht Nachmittagsbetreuungsgruppen. Bei den Kindergärten sieht es etwas anders aus. Der 2015 eröffnete dritte Kindergarten am Zieselweg ist bereits voll. 2024 werden wir daher den Kindergarten Schulgasse ausbauen. Er ­bekommt unter anderem eine Kinderkrippe dazu. Weil immer mehr Kinder zum Essen bleiben, ­erweitern wir außerdem die ­Küche und den Speisesaal. Heuer wird auch der Speisesaal in der Kalmangasse vergrößert.

Gebaut wird derzeit auch am neuen Veranstaltungszentrum. Wie geht es da voran?
Im Sommer 2024 wird das­ Ge­bäu­de fertiggestellt. Dann haben wir endlich genug Platz für Vereine, die die Lebensader einer jeden Gemeinde sind. Aber auch Veranstaltungen wie Bälle und Co können dann in angemessenem Rahmen stattfinden. Laut OSG entsprechen die Kosten den letzten Prognosen. Diese waren ­natürlich aufgrund der Teuerung höher als ursprünglich geplant. Aber viele Experten gehen sowieso davon aus, dass es nicht mehr günstiger wird.

Im Juni haben große Regenmengen für Überschwemmungen und überflutete Keller gesorgt. Wie kann man verhindern, dass so etwas wieder passiert?
Das war ein Starkregenereignis, das im Schnitt alle 140 Jahre stattfindet. Trotzdem muss man davon ausgehen, dass so etwas künftig häufiger vorkommt – Stichwort Klimawandel. Wir müssen handeln und Maßnahmen setzen. Denn das, was das Gesetz in ­Bereichen wie Kanal und Sickerflächen vorschreibt, reicht bei Weitem nicht aus, um Katastrophen wie diese in den Griff zu ­bekommen. Wir haben uns mit ­Experten den Ortsplan hergenommen, Problembereiche markiert und uns angeschaut, ob zusätzliche Sickerbecken klappen würden. Das klingt gut, ist aber schwieriger als gedacht. Denn bei Probegrabungen Am Anger haben wir zum Beispiel gesehen, dass kein einziger Tropfen Wasser versickert. Die Suche nach Sickerbecken, die auch funktionieren, läuft gerade. Daneben braucht man dann natürlich auch entsprechend dimensionierte Leitungen. Kanäle müssen adaptiert und Pumpen verstärkt werden. Das wird alles teuer – wir rechnen mit mehreren Millionen in den nächsten Jahren.

Gibt es dafür Förderungen?
Der Fördertopf seitens des Landes beträgt zehn bis zwölf Prozent. Bundesförderung bekommen wir leider keine, weil diese mit der Kanalbenützungsgebühr verknüpft ist. Das heißt für Parndorf: Wir müssten die Kanalbenützungsgebühr eklatant erhöhen, um die Förderung zu erhalten – und das kommt für uns nicht infrage. Die allgemeine Teuerung ist schon ­Belastung genug.

Danke für das Gespräch!