Es gibt Opern, die nicht einfach erzählt werden – sie reißen den Raum auf, verdichten Zeit und lassen Emotionen ungebremst auf das Publikum treffen. Giacomo Puccinis „Tosca“ gehört zu diesen seltenen Werken. Seit ihrer Uraufführung entfaltet sie eine Sogkraft, die Generationen überdauert hat. 2026 kehrt sie im Juli und August auf die Bühne der Oper im Steinbruch in St. Margarethen zurück – in einer Inszenierung, die Rom nicht nachbildet, sondern neu erschafft.
Verantwortlich für diese bildmächtige Reise ist erneut das Kreativteam rund um Thaddeus Strassberger, das den Steinbruch bereits in vergangenen Jahren in ferne Welten verwandelt hat.
Drei Orte, ein Schicksal: Rom als dramatisches Labyrinth
In dieser Aufführung wird Rom selbst zur handelnden Kraft. Die Figuren bewegen sich zwischen sakraler Erhabenheit und politischer Bedrohung – verankert an ikonischen Schauplätzen wie der Basilika Sant’Andrea della Valle, dem Palazzo Farnese und der düsteren Engelsburg (Castel Sant’Angelo).
Diese Orte verschmelzen im Steinbruch zu einem einzigen, atmenden Bühnenorganismus – monumental, vielschichtig und voller historischer Spannungen.
Architektur der Emotion: Strassbergers Blick auf die Bühne
Apropos Bühne: „Die Bühne ist für mich kein bloßer Hintergrund, sondern ein aktiver Erzähler“, erklärt Regisseur Thaddeus Strassberger. Seine Inszenierung nutzt die Weite des Steinbruchs, um Machtverschiebungen und gesellschaftliche Brüche sichtbar zu machen.
Seine Handschrift ist klar erkennbar: keine bloße Effekthascherei, sondern ein fein austariertes Zusammenspiel von Raum, Licht und Kostüm.
Barocke Opulenz in Licht und Stoff
Für die visuelle Gestaltung ist erneut Kostümbildner Giuseppe Palella verantwortlich. Seine Arbeit verbindet historische Genauigkeit mit theatraler Strahlkraft.
„Meine Kostüme für ‚Tosca‘ verbinden die dramatische Opulenz des Barocks mit einer realistischen Detailtreue“, so Palella. Die Figuren werden dadurch nicht nur stilisiert, sondern klar in ihrer Zeit verankert – ein entscheidender Beitrag zur erzählerischen Glaubwürdigkeit der Produktion. Das Wechselspiel von Hell und Dunkel durchzieht dabei nicht nur das Bühnenbild, sondern auch die gesamte Kostümästhetik.
Klanggewalt unter freiem Himmel
Auch musikalisch darf man sich auf einen Hochgenuss freuen: Die Leitung in diesem Feld übernimmt erneut der italienische Dirigent Valerio Galli, der als ausgewiesener Puccini-Spezialist gilt. Mit feinem Gespür für dramatische Bögen und orchestrale Spannung bringt er die Partitur in der besonderen Akustik des Steinbruchs zur vollen Entfaltung.
Begleitet wird die Produktion vom Piedra Festivalorchester, das auch 2026 als verlässlicher musikalischer Partner fungiert.
Chorische Kraft und junge Energie
Ein wesentlicher Klangträger bleibt der Philharmonia Chor Wien unter der Leitung von Walter Zeh, der diesmal wieder szenisch auf der Bühne agiert und damit Teil des dramatischen Geschehens wird.
Erstmals mit dabei sind die Gumpoldskirchner Spatzen, die insbesondere im „Te Deum“ für zusätzliche emotionale und klangliche Tiefe sorgen.
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