Schloss Halbturn: Der Wiener Kongress zwischen Liebe und Macht
Die neue Ausstellung „Liebe & Macht – Hinter den Kulissen des Wiener Kongresses 1814/15“ im Schloss Halbturn beleuchtet das politische Großereignis aus einer ungewohnten Perspektive – jenseits offizieller Diplomatie, mit Fokus auf persönliche Beziehungen und Emotionen. Wir haben mit Kuratorin Katrin Unterreiner über die Schau gesprochen, die auch spannende Einblicke in die Produktion der Disney+-Serie „Vienna Game“ gibt.
schauvorbei.at: Was war die zentrale kuratorische Idee hinter der Ausstellung „Liebe & Macht – Hinter den Kulissen des Wiener Kongresses 1814/15“ im Schloss Halbturn? Katrin Unterreiner: Der Wiener Kongress war in vielerlei Hinsicht ein einmaliges und außergewöhnliches Ereignis. Denn als sich Europas Monarchen und Spitzenpolitiker 1814 für mehrere Monate in Wien trafen, um nach der Niederlage Napoleons den Kontinent neu aufzuteilen, spielten erstmals auch Frauen eine zentrale Rolle. Sie waren nicht nur hübsches Beiwerk, sondern wichtige Beraterinnen und hatten daher großen Einfluss auf die Gespräche – und damit auch auf Entscheidungen. Die Verhandlungen wurden aber auch von persönlichen und nicht zuletzt emotionalen Beziehungen geprägt, was die Geschichte dieser intensiven Monate besonders nahbar und spannend macht.
schauvorbei.at: Warum ist der Blick auf Emotionen und Beziehungen besonders aufschlussreich für das Verständnis der damaligen Politik? Katrin Unterreiner: Politik wurde und wird immer von Menschen gemacht. Daher geht es immer auch um Emotionen. Ich finde es spannend zu zeigen, dass das zu Beginn des 19. Jahrhunderts absolut Teil der großen Politik war. Gerade die persönliche Ebene spielte eine zentrale Rolle. Und dennoch – oder gerade deswegen – war der Kongress eine der erfolgreichsten Friedensverhandlungen in der Geschichte, da es 100 Jahre bis zum Ausbruch des nächsten großen Weltkriegs dauerte.
„Ich durfte den Entstehungsprozess und die Dreharbeiten für die Serie ‚Vienna Game‘ auf Disney+ als wissenschaftliche Beraterin begleiten und wollte diese spannende Zeit auch in einer Ausstellung erzählen.“
Katrin Unterreiner, Kunsthistorikerin, Autorin und Kuratorin der Ausstellung „Liebe & Macht“ im Schloss Halbturn
schauvorbei.at: Welche Rolle spielten Salons beim Wiener Kongress – jenseits der offiziellen Diplomatie? Katrin Unterreiner: Die Salons spielten während des Wiener Kongresses eine ganz besonders wichtige Rolle. Es gab täglich mehrere Einladungen. Man konnte sich entweder nur amüsieren – oder eben auch austauschen, informieren oder neue Strategien entwickeln. In den Salons wurden in Wahrheit die wichtigsten Entscheidungen getroffen. Dass man in lockerer, ungezwungener, „amikaler“ Atmosphäre mehr erfährt oder sich leichter einigen kann als am Verhandlungstisch, ist eigentlich gut nachvollziehbar. Die Gastgeberinnen boten aber nicht nur den entsprechenden Rahmen, sondern nahmen schon allein mit der Auswahl der Gäste Einfluss auf die Gespräche. Es war zu dieser Zeit üblich, dass die Frauen mitdiskutierten und daher auch mitgestalteten.
schauvorbei.at: Clemens Fürst Metternich gilt als Schlüsselfigur des Wiener Kongresses. Wie sehr war sein politisches Handeln von persönlichen Beziehungen beeinflusst? Katrin Unterreiner: Metternich gilt ja heute allein mit seinem Spitznamen „Kutscher Europas“ als cleverer Stratege und gewandter Diplomat. Aber besonders er ließ sich – ohne das zu verheimlichen oder als schwach zu empfinden – ganz offen von seinen Gefühlen leiten. Dass seine große Liebe, zu Beginn des Kongresses die offizielle Geliebte, Wilhelmine Herzogin von Sagan, mitten in den Verhandlungen dem Druck des Zaren Alexander von Russland nachgab und Metternich verließ, führte zur größten Krise des Kongresses. Denn Metternich zog sich tief verletzt tagelang zurück und die Verhandlungen kamen damit quasi zum Stillstand. Emotionen spielten damals eine viel größere und akzeptiertere Rolle als heute. Auch das ist vielfach in Vergessenheit geraten.
schauvorbei.at: Wie wurden die Ausstellungsstücke für die Schau ausgewählt und woher stammen sie? Katrin Unterreiner: Ich freue mich sehr, dass uns auch heuer wieder nicht nur die großen Museen wie das Kunsthistorische Museum, das Wien Museum und das Schloss Schönbrunn unterstützt haben, sondern auch zahlreiche Privatleihgeber. Wir verdanken ihnen großartige Exponate, die das erste Mal öffentlich zu sehen sind.
schauvorbei.at: Welche Highlights sollten Besucher keinesfalls verpassen? Katrin Unterreiner: Zu den Highlights zählen für mich neben originalen Kleidern und Uniformen der Zeit das Goldservice des Kaiserhauses, die Chiffriereinrichtung, mit der die verschlüsselte Korrespondenz der Diplomaten entschlüsselt und gelesen werden konnte, bislang unbekannte Briefe der Kaiserin Marie Louise und nicht zuletzt die traumhaften Kleider der renommierten Designerin Susanne Bisovsky, die den opulenten Rahmen der Ausstellung bilden.
schauvorbei.at: Die Kostüme von Susanne Bisovsky und Elisabeth Binder-Neururer wurden für die Serie „Vienna Game“ auf Disney+ kreiert. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit zwischen Ausstellung und Serienproduktion? Katrin Unterreiner: Ich durfte den Entstehungsprozess und die Dreharbeiten als wissenschaftliche Beraterin begleiten und wollte diese spannende Zeit auch in einer Ausstellung erzählen. Daher habe ich die Produzentin der Serie, Bettina Kuhn von der Filmfirma Satel, gefragt, und sie war sofort von der Idee begeistert. Sie hat uns von Beginn an unterstützt, weshalb diese einmalige Kooperation gelungen ist. Nun kann man vorab einen Blick auf die originalen Kostüme der Serie werfen.
schauvorbei.at: Von den „Bridgertons“ bis hin zu „The Crown“, historische Serien erleben derzeit einen Boom. Inwiefern beeinflusst diese neue Popularität den Zugang eines Museums zur Inszenierung von Geschichte? Katrin Unterreiner: Ich finde das insofern großartig, als sich dadurch viele Zuseher für die Geschichte, die erzählt wird, und damit für Geschichte generell interessieren und dann vielfach auch den Blick „hinter die Kulissen“ werfen wollen. Mit Ausstellungen können wir die authentische Historie dahinter erzählen – so wird Geschichte lebendig.
schauvorbei.at: Wenn Sie eine Figur des Wiener Kongresses heute treffen könnten, wer wäre es und was würden Sie sie oder ihn fragen? Katrin Unterreiner: Ich würde am Liebsten Marie Louise treffen und mit ihr darüber plaudern, wie sie sich von der „willfährigen“ Erzherzogin, die von ihrem Vater Kaiser Franz mit Napoleon verheiratet wurde, im Zuge des Wiener Kongresses zu einer selbstbewussten und durchaus eigensinnigen Frau entwickelt hat, die ihr Leben in die Hand genommen und eigene Entscheidungen getroffen hat. Sie war eine wirklich interessante Persönlichkeit mit einem köstlichen und sehr spitzen Humor, wie die neu entdeckten Briefe offenbaren.
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