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Work smarter, not harder: Kluge Arbeitsmethoden gegen Stress

Wer trotz übervollen To-do-Listen und maximaler Anstrengung das Gefühl hat, im Job nicht wirklich voranzukommen, ist in unserer modernen Berufsalltag nicht allein. Warum smarte Tools dabei aber nicht immer einen Ausweg aus dem Dauerstresszustand bieten, was Deep Work mit mentalem Freiraum zu tun hat und welche Methoden wirklich helfen, erklärt Sabrina Fleisch, Expertin für stressfreies Arbeiten.
© Getty Images

Die Arbeitswelt hat in den vergangenen Jahren nicht nur mehr Möglichkeiten gebracht, sondern auch mehr Entscheidungen, mehr Kanäle und mehr Erreichbarkeit. Was als Fortschritt gedacht war, erzeugt für viele vor allem eines: einen inneren Dauerstresszustand. Der Grund dafür liegt nicht etwa in fehlendem Fleiß, sondern in einem strukturellen Problem, wie uns die Psychosoziale Beraterin Sabrina Fleisch erzählt. Moderne Technologien steigern die Effizienz zwar enorm, erzeugen aber gleichzeitig einen permanenten Entscheidungsdruck.

Das Gehirn im Dauerbeschuss

Besonders unterschätzt wird dabei laut Fleisch, was ständige Unterbrechungen im Kopf anrichten. Jede neue Notification versetzt das Gehirn in einen Alarmzustand: Adrenalin wird ausgeschüttet und der Körper schaltet in den Kampf- und Reaktionsmodus. Mit der Zeit leidet dadurch nicht nur die Konzentrationsfähigkeit, sondern auch das Langzeitgedächtnis, weil Informationen nie tief genug verarbeitet werden, um dort zu landen.

Ähnlich kritisch sieht die Beraterin den weit verbreiteten Glauben ans Multitasking. Aus ihrer Sicht ist das einer der hartnäckigsten Irrtümer im Arbeitsleben:

© privat

 

„Was wir Multitasking nennen, ist in Wahrheit ein ständiges Hin- und Herwechseln zwischen Aufgaben, und das kostet enorm viel Energie.“

Sabrina Fleisch, Psychosoziale Beraterin

 

Die Folge: mehr Fehler, mehr Ermüdung und Aufgaben, die im Schnitt doppelt so lange dauern als nötig. Wer unklug arbeitet, merkt das allerdings oft erst spät, nämlich dann, wenn trotz vollem Kalender der Fortschritt minimal bleibt, die Erschöpfung steigt und wichtige Ziele immer wieder auf morgen verschoben werden. Fehlende Priorisierung, häufige Ablenkungen und mangelnde Zielorientierung sind die typischen Warnsignale.

Weniger ist mehr

Als Beraterin empfiehlt Fleisch daher genau das Gegenteil von Multitasking: gezielte Fokusphasen, in denen wirklich nur eine Aufgabe zählt. Das Konzept hat sogar einen Namen: „deep work“ (auf Deutsch: tiefe Arbeit), geprägt vom Informatikprofessor Cal Newport, und bezeichnet einen Zustand maximaler Konzentration, der messbar bessere Ergebnisse liefert und gleichzeitig das Gefühl von Sinnerfüllung stärkt.

Wie lange solche Fokusphasen dauern sollten, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Manche halten 90 Minuten konzentriertes Arbeiten durch, andere brauchen nach 30 Minuten eine Pause. Fleisch empfiehlt, vor und nach jeder Arbeitsphase den eigenen Energie- und Konzentrationsgrad zu bewerten – auf einer einfachen Skala von eins bis zehn. Wer das tut, entwickelt mit der Zeit ein Gespür dafür, wann er wirklich leistungsfähig ist. Wer gerade anfangen möchte, dem legt sie die Pomodoro-Technik nahe: 25 Minuten arbeiten, fünf Minuten Pause.

Grenzen setzen

Zu kluger Arbeit gehört aber nicht nur Fokus, sondern auch Abgrenzung. Erschöpfte Menschen glauben, sie müssten einfach noch besser organisiert sein. Dabei fehlt es oft an etwas ganz anderem, nämlich an der Bereitschaft, auch Nein zu sagen. Das bedeutet konkret: ehrlich prüfen, ob wirklich noch Kapazitäten vorhanden sind, bevor neue Aufgaben angenommen werden, und das transparent kommunizieren. „Nein zu sagen ist kein Zeichen von persönlichem Versagen, sondern ein normaler und notwendiger Teil des Arbeitslebens“, betont Fleisch. Wer das verinnerlicht, schützt nicht nur die eigene Gesundheit, sondern tut auch dem gesamten Team einen Gefallen.

Damit das überhaupt gelingt, sind aber auch Unternehmen gefragt. Sabrina Fleisch plädiert für flexible Arbeitszeiten, klar definierte Ziele und eine Kultur, in der Pausen nicht als Schwäche gelten. Selbst die klassische Kaffeepause mit Kollegen hat aus ihrer Sicht einen echten Wert: Sie verbessert das Arbeitsklima und kann so produktivitätssteigernd wirken.

Den Kopf frei bekommen

Am Ende des Tages lohnt es sich, ganz im wörtlichen Sinne kurz innezuhalten. Wer kurz vor Feierabend schriftlich festhält, was offen geblieben ist, und To-dos für den nächsten Tag notiert, lässt die Arbeit gedanklich im Büro. Gleichzeitig schärft das den Blick für Zeitfresser, Stressoren, aber auch für das, was gut gelaufen ist. Letzteres werde im Arbeitsalltag ohnehin viel zu selten gesehen, beobachtet die Autorin.

Und wenn der Druck zwischendurch zu groß wird? Dann empfiehlt Sabrina Fleisch einfache körperliche Maßnahmen: aufstehen, strecken, frische Luft schnappen, den Blick vom Bildschirm lösen und abwechselnd auf nahe und ferne Objekte richten. Was banal klingt, hat eine bewiesene physiologische Wirkung und hilft dem Nervensystem, kurz aus dem Stressmodus herauszufinden. „Wir sind keine Maschinen, die jeden Tag mit vollen Akkus starten und dieselbe Leistung abrufen können. Manchmal haben wir 80 Prozent Energie, manchmal nur 40. Das ist nicht Versagen, das ist menschlich und vollkommen okay.“

 

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