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13. Juni 2024
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Anna Fuhrmann: Die Jiu-Jitsu-Weltmeisterin im Zoom-Talk

Anna Fuhrmann ist jung, ehrgeizig und Weltmeisterin im Jiu Jitsu: 2023 holte die 25-Jährige in der Mongolei die Goldmedaille im Fighting bis 48 kg. Ihr Weg zum Erfolg war jedoch alles andere als leicht. Im Gespräch mit schauvorbei.at erzählt sie von bisherigen Herausforderungen und was die Zukunft für sie bereithält.

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In einem Jahr sowohl Europameisterin als auch Weltmeisterin zu werden, wirkt für Anna immer noch unwirklich. „Ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals schaffen werde“, gibt die Burgenländerin zu. Geboren und aufgewachsen ist sie in Wallern, wo sie auch Jiu Jitsu für sich entdeckt hat.

Mehr als nur ein Sport

„Jiu Jitsu begleitet mich, seit ich denken kann, weil ich es immer bei meinem Papa gesehen habe. Er ist selbst ein Jiu-Jitsu-Trainer. Das liegt bei uns irgendwie in der Familie. Bei ihm hat alles angefangen und er wird auch immer ein Vorbild für mich bleiben.“ 2005 begann Anna Fuhrmann im Verein Jiu Jitsu Villa Vita Pannonia mit dem Training. Mittlerweile ist sie dort auch selbst als Coach tätig. Wenn die 25-Jährige über den Kampfsport spricht, weiß man sofort, dass es Liebe auf den ersten Blick war. „Mich haben immer schon die Körperspannung und die Bewegungen fasziniert. Man lernt nicht nur unglaublich viel über seinen eigenen Körper, sondern auch über Disziplin und Respekt. Abgesehen davon sind die Leute in der Bubble alle unglaublich nett. Man fühlt sich einfach sehr zu Hause in diesem Sport.“

Der steinige Weg zum Erfolg

Die Weltmeisterschaft 2019 war ein Wendepunkt in ihrer Sportkarriere, als sie sich die Schulter auskugelte. „Verletzungen sind in dieser Sportart leider normal“, erklärt sie. Die darauffolgende Coronapandemie machte es ihr nicht leichter. Nach neun Monaten Pause erlitt sie einen Kreuzbandriss, der sie erneut außer Gefecht setzte. Während eines Rehabilitationsaufenthalts stellten Ärzte auch noch erhebliche Probleme an ihrem Knie fest, die eine weitere Operation erforderten.

„Drei Operationen in zwei Jahren – das macht etwas mit einem. Sowohl körperlich als auch mental.“ Nach diesen Rückschlägen wieder mit dem Training zu beginnen, war für Anna Fuhrmann sehr hart: „Als ich das erste Mal in den Trainingsraum gekommen bin und alle meine Kollegen gesehen habe, sind sofort Tränen geflossen.“ Die junge Burgenländerin setzte sich kleine Ziele, um den Spaß am Sport wiederzufinden. „Oft bin ich nur auf der Matte gestanden, ohne zu trainieren oder habe einfach nur meinen Trainingsanzug angezogen.“

2022 kam dann die Nominierung für die World Games. Trotz anhaltender körperlicher Beschwerden nahm sie das Training knapp einen Monat vor dem Wettkampf wieder auf. „Die World Games waren schon immer ein Ziel und ich wollte das unbedingt schaffen.“ Als sie bei diesem Wettkampf in den USA die nächste große Niederlage erlebte, dachte sie kurz ans Aufgeben, entschied sich dann aber für eine komplett neue Herangehensweise: „Ich habe dann beschlossen, den Spaß am Sport zu priorisieren. Wenn es funktioniert, dann ist das gut und wenn nicht, dann nicht.“ So legte Anna Fuhrmann im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2023 großen Wert darauf, ihr Training an ihren Körper und ihr mentales Wohlbefinden anzupassen. Diese Achtsamkeit trug schlussendlich Früchte, als sie im Juli 2023 in Ulaanbaatar den herausragenden Sieg gegen die Kasachin Aigerim Toregozhina erkämpfte.

Anna Fuhrmann: „Der Spaß steht auch in Zukunft an erster Stelle.“

Jetzt, ein Jahr nach der Weltmeisterschaft, freut sich Anna Fuhrmann auf neue Horizonte im Jiu Jitsu. „Ich möchte die Zeit im Sport genießen und vor allem Spaß daran haben.“ Ihr nächstes großes Ziel sind die World Combat Games 2025.

Bei all ihren Erfolgen mit dabei sind natürlich ihre Trainerin Marion Tremmel und ihre Familie. „Meine Schwester Lisa gibt mir auf diesem Weg unglaublich viel Halt. Auch sie ist erfolgreiche Jiu Jitsu-Fighterin und es ist etwas ganz Besonderes, unsere Erfolge gemeinsam zu feiern. Meine Erfolge sind ihre, und ihre Erfolge sind auch meine“, sagt Anna lachend. Als Konkurrentin sieht sie ihre Schwester nicht – viel mehr ist sie Annas liebste Trainingspartnerin auf dieser sportlichen Reise. Auch Trainerin Marion Tremmel begleitet sie seit Kinderschuhen auf ihrem Weg. „Mit Marion kann man über alles reden – sie hat mir angesehen, wenn es mir nicht gut ging und viele lange Gespräche mit mir geführt. Trotz allem hat sie nie aufgehört, an mich zu glauben und das ist für junge Sportler enorm wichtig.“

Auf die Frage, ob sie vor Wettkämpfen noch nervös sei, antwortet sie gelassen: „Natürlich habe ich nach diesen großen Erfolgen einen Druck. Aber der kommt eher von mir selbst, als von außen. Mir ist einfach wichtig, auf meinen Körper zu hören und Spaß an der Sache zu haben.“